Der Name Madeira, also Holz, passt zu dieser Insel. Früher war die Insel im Atlantik einmal komplett bewaldet, als sie im frühen 15. Jahrhundert von drei portugiesischen Seefahrern entdeckt wurde. Doch auch heute noch prägen die tiefgrünen Wälder das Bild der Insel. Wo früher die Segelboote anlegten, ist heute ein langer Steg am Rande der Insel die Landebahn für die Ferienflieger.

Der romantische Anblick der Insel verfliegt ein wenig ob der coronabedingten Sicherheitsmaßnahmen. Am Flughafen müssen die Passagiere vor dem Ausgang der Gepäckabholung in einer Reihe vor einem Deckenscanner durchgehen – er misst die Temperatur der Reisenden. Wer Fieber hat, wird isoliert.

Nicht ohne Covid-19-Test

Wer einreisen will, muss einen

negativenCoronatest vorweisen, der nicht älter als 72
Stunden sein darf. Madeira erstellte eine Onlineplattform, wo sich Reisende vorab registrieren und ihren negativen Test hochladen können: Dabei erhalten sie einen QR-Code, der bei der Einreise kontrolliert wird.

Man kann sich aber auch vor Ort kostenlos testen lassen, muss dann aber bis zum Ergebnis im Hotel bleiben. So will Madeira den Tourismus fördern, der in diesem Jahr – wie fast überall – stark gelitten hat. Eine Mitreisende erwischt es: Sie hat zwar einen Test gemacht, bei ihrer Einreise am Abend liegt das Ergebnis aber noch nicht vor. Sie muss einen neuen Test machen.

Draußen vor dem Flughafen ist eine Reihe mit Tischen aufgebaut, hinter jedem sitzt ein Mitarbeiter in voller Schutzmontur, um Abstriche zu nehmen. Noch in der Nacht erhält die junge Frau das Ergebnis, erleichtert, dass sie ihren Urlaub genießen kann.

Corona wird auf der Insel, autonomes Gebiet von Portugal, ernst genommen. In der gesamtenPandemie gab es bislang etwa 380 Fälle auf der Insel, die etwa 250.000 Einwohner zählt. Lange Zeit war die Kurve für Madeira flach, doch seit dem Spätsommer steigen die Fallzahlen wieder leicht.

Die Stadt des Fenchels

Die Hauptstadt Funchal, die ihren Namen vom portugiesischen Wort „funcho„ (Fenchel) von der früher hier reichlich gediehenen Pflanze haben soll, ist nicht so umtriebig wie für das beliebte Urlaubsziel üblich. Die großen Kreuzfahrtschiffe fehlen in diesem Jahr. Der lange Kai vor Funchal wird derzeit nur von der Fähre zur Nachbarinsel Porto Santo angesteuert.

Auch in einem zentral gelegenen Hotel in der Stadt übernachten derzeit etwa nur halb so viele Touristen wie sonst um diese Jahreszeit üblich. Auffällig: Hier tragen auch viele Menschen auf der Straße Masken. Tourismusorganisationen müssen sich an strenge Vorgaben halten.

Fahrer André Andrade fährt mit seinem Geländewagen auch über die holprigsten Straßen Madeiras.
Fahrer André Andrade fährt mit seinem Geländewagen auch über die holprigsten Straßen Madeiras. | Bild: Moll, Mirjam

Vor unserer Jeeptour in die tiefgrünen Wälder Madeiras wird unsere Temperatur mit einer Art Laserpistole gemessen, im Wagen müssen alle Masken tragen, inklusive Fahrer.

André Andrade fährt mit uns die steilen Gassen aus Funchal hinauf in die Berge. Unser Ziel ist der Pico Aiero auf über 1800 Metern Höhe.

Mit einem Geländewagen geht es quer durch die Wälder Madeiras. Früher waren solche Straßen die einzigen Verbindungen zu den kleinen ...
Mit einem Geländewagen geht es quer durch die Wälder Madeiras. Früher waren solche Straßen die einzigen Verbindungen zu den kleinen Bergdörfern. | Bild: Moll, Mirjam

Bergpanorama und Meereskulisse

War es in Funchal noch angenehm warm und mild, so pfeift oben am Pico ein eisiger Wind. Die Bergkulisse in sattem Grün, durchzogen von Pfaden aus tiefrotervulkanischer Erde, ist atemberaubend.

Von hier oben kann man zum

Pico Ruivo hinüberwandern, dem höchsten Berg Madeiras. Die Wanderung ist etwa sieben Kilometer lang und nicht ganz einfach. Doch Frühaufsteher können von hier aus bei gutem Wetter den Sonnenaufgang beobachten. Eine schönere Kulisse dafür dürfte schwer zu finden sein.

Kaum geht unsere Fahrt weiter, prasselt plötzlich starkerRegen auf das Jeepdach: Die Insel ist bekannt für ihre schnellen

Wetterwechsel. Regenbogen sind hier keine Seltenheit, sondern nahezu Alltag. Mehrmals täglich kann es gerade in den höheren Lagen der Insel zu ebenso kräftigenwie kurzen Schauern kommen.

In diesem Jahr ist Andrade froh um jeden Touristen, den er in seinem Jeep seine Insel zeigen kann. Er liebt das Fahren, sagt er. Mit größter Gemütsruhe steuert er den Jeep über die alte Königsroute durch die tiefen

des Waldes. Große Steine, Baumstämme und Schlaglöcher fast so tief wie die Reifen des Jeeps können ihm nichts anhaben.

Reiche Küche

Das Pao caseiro, das sogenannte Hausbrot, ist typisch für Madeira. Es enthält zusätzlich zu den üblichen Zutaten Mehl, Wasser, Hefe und ...
Das Pao caseiro, das sogenannte Hausbrot, ist typisch für Madeira. Es enthält zusätzlich zu den üblichen Zutaten Mehl, Wasser, Hefe und Salz auch gekochte und anschließend pürierte Süßkartoffeln. | Bild: Moll, Mirjam

Gemeinsam kehren wir in einem Restaurant in Santana zum Mittagessen ein. Das typischePaocaseiro, eine Art Bauernbrot, in dem neben Mehl auch Süßkartoffeln verarbeitet werden, duftet frisch aufgeschnitten. Es gibt Espetadas, in große Würfel geschnittene Rindfleischwürfel, die auf einem Lorbeerspieß über offenem Feuer gegrillt werden. Dazu ein fantastischer Ausblick über die Steilküste.

Eine typische Mahlzeit auf Madeira: Espetadas heißen die Rindfleischspieße, die auf einem Lorbeerzweig in großen groben Stücken ...
Eine typische Mahlzeit auf Madeira: Espetadas heißen die Rindfleischspieße, die auf einem Lorbeerzweig in großen groben Stücken aufgespießt und über offenem Feuer gegart werden. | Bild: Moll, Mirjam

Unsere Tour geht weiter durch die tiefen Täler, über steile Bergpässe. Wohin man blickt ist pure Schönheit, satte, grüne Natur. Hier gedeihen Bananen, Papayas, Maracuia und Mango. Die typischen Weinterrassen, die wegen der steilen Berghänge von Hand bearbeitet werden müssen, wirken wie aus einer anderen Zeit. Hier gedeihen die Trauben für den typischen Madeira, der für die Insel neben dem Tourismus einer der wichtigsten Einnahmequellen ist. Vier Millionen Liter werden jedes Jahr durchschnittlich produziert.

Corona-Blues

„Das Virus hilft keinem“, sagt der Mann hinterm Steuer, angesprochen auf seine Situation: „Der Sommer war schlecht und der Winter wird schlimmer.“ Die großen Reiseveranstalter hätten ihre Trips gestrichen, die Gäste der Kreuzfahrtschiffe bleiben aus. Aber es wird irgendwie weitergehen, sagt er dann. Es klingt wie eine Mischung aus Hoffen und Beten.

Andrade liebt, was er tut. Für ihn kommt es nicht in Frage, die Insel zu verlassen, wie es manche Madeirer tun. Er lebt mit seiner Freundin und seinem Hund in Funchal, erzählt er. Die Mieten werden teurer, sagt er. Aber es reicht noch zum Leben.

Madeiras Nordostküste ist von unglaublicher Schönheit. Die Felsformationen fallen steil zum Meer hin ab, Strände gibt es auf Madeira ...
Madeiras Nordostküste ist von unglaublicher Schönheit. Die Felsformationen fallen steil zum Meer hin ab, Strände gibt es auf Madeira kaum. Die wenigen natürlichen, die es gibt, sind steinig. Andere wurden künstlich mit Sand aufgeschüttet. | Bild: Moll, Mirjam

Der Fahrer kennt die Insel wie seine Westentasche. Und doch merkt man ihm an, dass er seine Begeisterung dafür nicht verloren hat. Im Gegenteil. Die Schönheit der Insel begeistert ihn immer wieder aufs Neue.

Zum Abschluss unserer Tour bringt uns Andrade ganz in den Osten der Insel. Die östlichsten Zipfel der Insel sind nur zu Fuß zu erreichen, über schmale Wanderpfade. Doch schon von dem Aussichtspunkt aus zeigt sich die raue Schönheit dieses Teils der Insel. Andrade blickt hinaus aufs Meer, gedankenverloren. Er genießt den Augenblick. Mehr kann er gerade nicht tun.

Der Miradouro, also Aussichtspunkt, im Osten der Insel bietet einen atemberaubenden Ausblick auf die vulkanischen Felsen und zeigt eine ...
Der Miradouro, also Aussichtspunkt, im Osten der Insel bietet einen atemberaubenden Ausblick auf die vulkanischen Felsen und zeigt eine ganz andere Seite Madeiras. Hier wächst kaum etwas, das Vulkangestein hat diesen Teil der Insel für sich vereinnahmt. | Bild: Moll, Mirjam