Vor sieben Jahren feierte die Firma Tegometall ihr 50-jähriges Jubiläum in Krauchenwies und seit 35 Jahren ist das Familienunternehmen auch in Sauldorf präsent, wo zuletzt 90 Mitarbeiter in der Produktion von Paletten und Schwerlastregalsystemen beschäftigt waren, die am Donnerstag bei einer Betriebsversammlung mit der Nachricht geschockt wurden, dass alle Beschäftigten gekündigt werden und der Standort aufgegeben wird.

Auftragsminus von 68 Prozent

Auf Anfrage des SÜDKURIER erläuterte Geschäftsführer Arndt Lüdtke die Situation und benannte die Gründe, die letztlich zur Standortschließung und dem Verlust von 90 Arbeitsplätzen geführt haben. „Wir haben ein Auftragsminus von 68 Prozent, das wir nicht auffangen können“, macht der Geschäftsführer deutlich, der seit neun Jahren für die Standorte Krauchenwies und Sauldorf verantwortlich ist. Es gab Überlegungen, die Flaute durch Kurzarbeit zu überbrücken, aber letztlich habe man keine Besserung in Sicht gesehen und sich daher für die Standortaufgabe entschieden.

Explodierende Energiekosten und steigende Stahlkosten

Seit Jahren sehe man sich mit massiv steigenden Energie- und Personalkosten konfrontiert sowie einem wachsenden Wettbewerbsdruck durch Anbieter aus Niedriglohnländern. „Das Fertigprodukt aus China ist günstiger als meine Rohstoffe, die ich zur Fertigung dieser Produkte benötige“, macht Lüdtke anschaulich. Der Markt verlange Preisreduzierungen, die unter den Rahmenbedingungen in Deutschland nicht mehr realisierbar seien, nennt er beispielhaft die extrem hohen Energiekosten und die ausufernde Bürokratie, die trotz aller politischen Versprechungen nicht weniger, sondern mehr werde. Auch die Stahlkosten hätten sich erhöht und der Import von billigerem Stahl sei angesichts hoher Zölle unrentabel: „Wir sehen keinen Ausweg!“

Politik verursacht Unsicherheit

Dann berichtet Lüdtke, dass er alle großen Industriekunden besucht habe, die ihm allesamt dieselbe Botschaft mit auf den Weg gaben: „Es gibt keine Besserung. Im Gegenteil.“ Die Resignation in vielen Betrieben sei den unbezahlbar hohen Stromkosten geschuldet, und der Markt bei Beschichtungen breche total ein. Entscheidend sei, die von der Politik verursachte Unsicherheit. So soll in Baden-Württemberg Anfang der 2030er Jahre die Nutzung von Erdgas verboten werden, und die Unternehmen Wasserstoff verwenden, wobei es bislang noch keine entsprechenden Entwicklungsprozesse gebe, die etliche Jahre dauerten.

Standort Krauchenwies ist stabil

Dass es um Sauldorf nicht gut stehe, sei bei der Belegschaft kein Geheimnis gewesen, erzählt Arndt Lüdtke, dass er bei der Betriebsversammlung überrascht war, wie wenig überrascht die Mitarbeiter von der Entscheidung waren, den Standort dichtzumachen. „Wir haben es kommen sehen“, zitiert er die Aussage eines Meisters. Auf die SÜDKURIER-Frage, ob der Standort Krauchenwies womöglich auch gefährdet sei, beruhigt Arndt Lüdtke, dass der dort angesiedelte Ladenbau stabil sei, wobei aber auch in diesem Segment kein Wachstum zu erwarten sei.

Keine Unterstützung von der Politik

Die in Sauldorf aufgegebene Produktpalette wird teilweise im polnischen Pniewy weitergeführt, um Kunden weiter beliefern zu können. Im SÜDKURIER-Gespräch ist Arndt Lüdtke die Last der Entscheidung anzumerken, Mitarbeitern, die oft jahrzehntelang im Betrieb waren, zu kündigen. Da der ganze Standort geschlossen wird, gibt es keinen Sozialplan. Die Personalabteilung will dem gekündigten Beschäftigen bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen oder Meldungen an die Agentur für Arbeit unterstützen. Am Ende des Gesprächs berichtet der Geschäftsführer, dass er in Berlin war, dort die schwierige Situation geschildert und um Unterstützung gesucht habe: „Aber es hat kein Interesse bestanden.“