Nach den volkstümlichen Schlagern der Kastelruther Spatzen wurde am zweiten Veranstaltungstag von Pfullywood der Bogen zu Pop-Musik geschlagen. Bei „Pop am See“ standen mit Leony und Max Giesinger zwei junge Stars auf der Festival-Bühne.
Wo bekommt man schon zwei Konzerte an einem Abend geboten? Und wer meinte, die beiden würden ein routiniertes Kurzprogramm abspulen, täuschte sich. Jede Show dauerte eineinhalb Stunden. Licht, Sound, Effekte – alles passte. Und sogar das Wetter spielte mit: Plastikcapes und Gummistiefel waren gar nicht nötig, denn – abgesehen von Freudentränen – blieb es während des gesamten Konzerts trocken.
„Pop am See“ hätte auf jeden Fall mehr Zuschauer verdient, auf der Tribüne herrschte nahezu Leere. Ein Duett der beiden Einzelkünstler gab es allerdings nicht, auch wenn sich das mancher erhofft hatte. Leony übernahm bei „Auf das, was da noch kommt“ nicht den Part von Lotte.
Sympathische Sänger begeistert Fans
Max Giesinger machte seinem Namen als gefühlvoller Singer-Songwriter alle Ehre und war zu Kommunikation mit dem Publikum aufgelegt. Gleich in den ersten Minuten kletterte er von der Bühne runter und die Fans konnten ihr Glück kaum fassen.
Nicht nur in der ersten Reihe, auch wer weiter hinten stand, bekam den sympathischen Sänger aus nächster Nähe zu sehen. Giesinger wanderte mitten durch die Menge, posierte für Selfies und schüttelte Hände. Schlechte Plätze gab es sowieso nicht, das Geschehen wurde auf zwei große Leinwände rechts und links der Bühne übertragen.
Glaubwürdig, locker und nahbar kamen beide Stars rüber
Zwar leben sie inzwischen in Berlin und Hamburg, doch ihre Wurzeln liegen in der Oberpfalz und in Baden-Württemberg. Max Giesinger verfiel beim Plaudern immer mal wieder ins Badische.
Er schwärmte von der schönen Bodensee-Gegend. „Müssten wir heute Nacht nicht noch nach Hamburg, würde ich bei euch einen Urlaub anhängen!“ Auch wissen die Pfullendorfer jetzt, dass Max Giesingers Mutter nicht ganz unschuldig an seiner Karriere ist. „Sie schickte mich zum Gitarrenunterricht, obwohl mich damals nichts anderes als Pokemon interessiert hat.“
Früher habe er vor allem gecovert. „Ihr dürft euch jetzt was wünschen“, forderte er das Publikum auf. Und dann sang er tatsächlich unter anderem „Angels“ von Robbie Williams, zu dem er sich selbst auf der Gitarre begleitete. Die Pfullendorfer bekamen zudem brandneue Songs seines fünften Albums zu hören, das am 26. September auf den Markt kommt.
Leony im knappen Glitzer-Outfit gibt Persönliches preis
Die 28-Jährige erzählte, dass sie in der Schule aufgrund ihrer dünnen Statur und Größe von 1,80 Meter gemobbt wurde und Selbstzweifel hatte. Auf Schuhe mit hohen Absätzen zu verzichten, käme für sie inzwischen nicht mehr in Frage.
Sie denke nicht daran, sich klein zu machen. Mit ihrem Lied „Your way“ erinnerte sie an ihren verstorbenen Opa. Bei den Dance-Nummern wurde sie von vier Tänzerinnen begleitet. Giesingers Choreographie lebte eher von der Improvisation. „Ich geb alles, auch wenn‘s komisch aussieht“, scherzte er mit dem Publikum.
Fans hatten weite Anfahrtswege

Die Fans waren glücklich und textsicher, sei es bei „By your side“ oder „Wenn sie tanzt“. Katharina Hübner und Tochter Elisa (7) waren wegen Leony extra aus München gekommen.
Aus Waldshut-Tiengen kam Familie Ebi, weil Nora (8) ein großer Leony-Fan ist. „Ich habe nach Konzerten gegoogelt und bin bei Pfullywood gelandet“, sagte ihre Mutter. Nicht so weit hatten es Holger Buchholz aus Röhrenbach und Tobias Koch aus Kirnbach. „Wir sind wegen unserer Töchter hier. Ich bin auf Max Giesinger gespannt. Das Konzept von Pfullywood ist cool“, so Buchholz.