Nun ist sie weg: Nach ihrem Umzug nach Rheinfelden schlägt die Bad Säckinger Confiserie Mutter jetzt ein neues Kapitel in der Firmengeschichte auf. Das Obersäckinger Firmengebäude, das jahrzehntelang im Familienbesitz war, ist endgültig geräumt und an den Besitzer übergeben.
Mehrere Jahre war das Bad Säckinger Traditionsunternehmen auf der Suche nach einem neuen Produktionsstandort und dabei auch ein Kandidat für die Ansiedlung im künftigen Gewerbegebiet Gettnau. Die Pläne sahen dort neben der erweiterten Produktion auch eine gläserne Manufaktur mit Fabrikverkauf und Degustations-Café vor. Doch am Ende fanden Stadt und Unternehmen nicht zusammen, obwohl die Verhandlungen 2022 kurz vor dem Abschluss standen.
Bad Säckingen kann Traditionsbetrieb nicht halten
Vor allem der geplante Fabrikverkauf mit angeschlossenem Café-Betrieb hatte im Vorfeld für kommunalpolitische Diskussionen gesorgt. Vertreter des CDU-Stadtverbands sahen darin eine Schwächung der Innenstadt. Denn Pralinen und Schokolade gehören zu den sogenannten „innenstadtrelevanten Sortimenten“, deren Handel im Außenbereich der Stadt – und dazu zählt auch die Gettnau – eigentlich unterbunden werden soll. Die Frage, die der Gemeinderat damals zu entscheiden hatte: Soll die Stadt für den Ur-Bad Säckinger Betrieb eine Ausnahme machen? Am Ende rang sich die Stadt zwar durch und unterbreitete der Confiserie ein Kaufangebot, zum Abschluss kam es aber nicht.

Keine Wachstumsperspektive am alten Standort
Der Faktor Zeit spielte für die beiden Geschäftsführer Rafael und Jens Mutter eine Rolle bei der Entscheidung. Denn während sich das Bebauungsplanverfahren in der Bad Säckinger Gettnau über Jahre hinzog, war das Grundstück im Rheinfelder Gewerbegebiet Einhäge schon baureif. „Wir konnten einfach nicht mehr in Obersäckingen bleiben“, schildert Jens Mutter die Lage vor gut zwei Jahren. Die Produktion platzte aus allen Nähten, die steigende Nachfrage nach Krokant-Produkten konnte fast nicht mehr bedient werden. „Wir haben uns über längere Zeit mit einem Außenlager beholfen, aber das ist keine Dauerlösung, weil es die Produktionsabläufe stört.“ Hinzu kam: Die Produktionsräume am Bächleweg waren viel zu verschachtelt.
Auf der Suche nach einer Alternative zur Bad Säckinger Gettnau wurden Mutters in Rheinfelden fündig. In direkter Nähe zum Autobahnanschluss Rheinfelden-Süd bei Warmbach habe man eine optimale Verbindung in alle Richtungen. Vor drei Wochen begann der Umzug nach Rheinfelden, ganz abgeschlossen ist er noch nicht: Das künftige Ladengeschäft, das Anfang Oktober öffnen wird, und der Außenbereich sind derzeit noch Baustelle. Doch die Produktion ist schon wieder angelaufen. Um die Umzugspause wieder aufzuholen, wird derzeit noch im Schichtbetrieb gearbeitet. Aber Rafael Mutter hofft, schon bald wieder in den regulären Tagesbetrieb zu kommen.
Fünfmal so viel Fläche
Mit rund 1800 Quadratmetern steht jetzt fünfmal so viel Fläche zur Verfügung wie am Obersäckinger Bächleweg. „Wir bleiben aber eine Manufaktur und werden kein Industriebetrieb“, betont Jens Mutter. Vor allem beim wichtigen Standbein Krokant will das Unternehmen wachsen. Dies produziert Mutter nicht für Endkunden, sondern für andere Hersteller wie Müsliproduzenten, Kaffee-Spezialisten oder andere Süßwarenhersteller. „Unser bisheriges Kernprodukt war Mandelkrokant, nun richten wir den Fokus auf Blätterkrokant und Florentiner“, verrät Rafael Mutter und zeigt sich optimistisch: Anfang des Jahres habe sich die Confiserie auf der internationalen Süßwarenmesse Pro Sweets in Köln präsentiert, dort habe man mit beiden Produkten großes Interesse geweckt. Aus einer Krokant-Produktionslinie könnten somit bald drei werden. „Wir bleiben aber eine Manufaktur und werden kein Industriebetrieb“, betont Jens Mutter. Dies gelte insbesondere für das zweite Standbein: Die Pralinen, Schokoladentafeln, Osterhasen und Nikoläuse, die Mutter vor allem für das eigene Café und das Ladengeschäft in Freiburg herstellt.
Auch personell will Mutter aufstocken: Aus derzeit 27 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sollen mittelfristig bis zu 38 werden. Durch den neuen Standort hofft Mutter auch auf Bewerbungen aus dem nahen Elsass, da in Frankreich der Ausbildungsberuf des Konditors höher geschätzt werde. „Mehr Fläche ermöglicht auch neue Verfahrenstechniken“, erklärt Rafael Mutter. „Damit verbunden ist auch eine noch höhere Qualität.“ Dafür sorgt beispielsweise auch eine neue Klimatechnik.