Das Feld südlich des DSM-Standorts im Sisslerfeld liegt unberührt. Noch. Denn das internationale Pharma- und Biotech-Unternehmen Bachem mit Sitz in Bubendorf BL hat für die grüne Wiese in Eiken große Pläne. Bis Ende des Jahrzehnts will dort der Spezialist für Peptidwirkstoffe – diese braucht es etwa für Medikamente gegen Krebs, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – mit rund 500 Arbeitsplätzen die Produktion starten.

Für einen Mehrbedarf Kapazitäten ausbauen

„Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme – das sind Krankheiten, die in der Gesellschaft weitverbreitet sind. Es besteht ein Mehrbedarf, sodass wir unsere Kapazitäten ausbauen müssen“, begründete Adrian Pritzius, Head of Site Development Sisslerfeld bei Bachem, den Aufbau des neuen Produktionsstandorts an einem Informationsanlass in Eiken. Ein Aufbau, der in Phasen geplant ist und an dessen Ende die Mitarbeiterzahl auf bis zu 2000 Personen – je nach Grad der Automatisierung, die in der Produktion Einzug hält – anwachsen könnte. Davon sei man aber noch, wenn es so käme, mehr als ein Jahrzehnt entfernt, so Pritzius.

Entwicklungsrichtplan im Hintergrund erstellt

Ein sichtbares Vorzeichen für das Mega-Projekt, für das Investitionskosten von rund 750 Millionen Franken im Raum stehen, ist derzeit allenfalls der in den letzten Monaten entstandene Knoten auf der Kantonsstraße, der den Verlauf der Südspange, der künftigen Erschließungsstraße für den neuen Bachem-Standort, andeutet. Doch fernab der Öffentlichkeit haben Bachem und die Gemeinde Eiken mit Unterstützung von Koch+Partner einen Entwicklungsrichtplan ausgearbeitet.

Kurz gesagt: ein behördenverbindlicher Plan, wie Bachem das Areal bebauen darf. Oder wie es Fabian Meisser, Raumplaner von Koch+Partner, erklärte: „Der Entwicklungsrichtplan zeigt die langfristige, koordinierte Entwicklung des gesamten Areals im Kontext seiner Umgebung auf und dient als Leitplanke für eine qualitativ hochwertige Gestaltung.“ Wichtig sei, dass die öffentlichen und privaten Interessen innerhalb dieser Leitplanken miteinander austariert werden können. Dies etwa in einem ab September startenden zweimonatigen Mitwirkungsverfahren, in dem die Bevölkerung Anregungen, Ideen und Kritik zum Entwicklungsrichtplan äußern kann.

Entwicklungsrichtplan für drei Bereiche

Gemäß Meisser unterteilt sich der Entwicklungsrichtplan in drei Bereiche. Er definiert etwa, wo was wie hoch gebaut werden darf – zum Beispiel Tanklager, Produktionshallen, Büros und Verwaltung. Je nach Bereich sind Höhen von bis zu 15 oder 30 Metern vorgesehen. Eine Ausnahme bildet ein Hochhaus mit Büros für die Verwaltung, das dereinst weit über die 30 Meter hinausgehen könnte – sofern der Souverän eine Änderung der Nutzungsplanung beschließt.

Klare Verkehrsregelung, wenig Fläche versiegeln

Auch werden Vorgaben gemacht, dass so wenig Fläche wie möglich versiegelt wird, um Natur, Klima und Wasserhaushalt zu schonen. Um das Verwaltungsgebäude herum soll ein Platz mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. Der Verkehr wird klar geregelt: Lastwagen- und Gütertransporte nutzen eigene Zufahrten, damit Autos, Velos und Lieferverkehr getrennt bleiben. Parkplätze sind vorgesehen, werden aber nur nach Bedarf schrittweise gebaut. Viel Wert wird auch auf Grünflächen gelegt – mit Baumreihen, Freiräumen und einem guten Übergang zum Landwirtschaftsland. Der historische Pionierstandort im Süden bleibt bestehen, kann aber bei Bedarf verlegt werden, wenn die Gemeinde Ersatz schafft.

Das könnte Sie auch interessieren

Bachem hat in Anlehnung an den Entwicklungsrichtplan einen umfassenden Site-Masterplan entwickelt – also eine Vision, wie der Standort dereinst aussehen könnte. „Natürlich bauen wir nicht alles auf einmal, aber es gibt zumindest mal für den Endzustand einen Ausblick, wie so etwas aussieht“, erklärte Heiko Ehrich, Head of Site Development Engineering Sisslerfeld bei Bachem.

Funktionalität und Erscheinungsbild gehen Hand in Hand

Der Plan ordnet das Gelände in klar abgegrenzte Bereiche: eine Mittelachse für die Produktion, eine Tankfarm für Lösungsmittel, Logistik- und Energiegebäude sowie grüne Aufenthaltsräume für Mitarbeitende. Neben der Funktionalität spielt dabei auch der Campus-Charakter eine Rolle. „Wir haben ein grundsätzliches Prinzip für die Gestaltung: Form Follows Function. Auch als Produktionsbetrieb legen wir Wert darauf, dass Funktionalität und ein ansprechendes Erscheinungsbild zusammengehen“, so Ehrich.

Unsicherheiten durch Vorsicht abfedern

Aus dem Publikum – rund 80 Personen waren anwesend – wurde unter anderem die Frage gestellt, welche Auswirkungen geopolitische Unsicherheiten – etwa durch Donald Trump – auf den Überbauungsplan in Eiken haben. Pritzius erklärte, dass man mit dem phasenweisen Ausbau bewusst vorsichtig vorgehe: Zunächst werde nur ein kleiner Teil realisiert, die volle Entwicklung erfolge über viele Jahre. Deshalb sehe man kurzfristig keine negativen Effekte durch die internationale Lage. Vielmehr habe Bachem mit dem jüngsten Kauf einer vierten Parzelle sein langfristiges Bekenntnis zum Standort bekräftigt.

Das zweite Thema waren mögliche Emmissionen

Das zweite Thema waren mögliche Emissionen – sowohl aus der Produktion als auch durch den zusätzlichen Verkehr. Hier verwies Bachem auf ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept. Man wolle die sogenannten „1 bis 3 Scope“-Emissionen so gering wie möglich halten, etwa durch Recycling von Lösungsmitteln und durch regionale Entsorgung von Abfällen. Auch beim Verkehr setze man auf Emissionsminderung: Gütertransporte sollen verstärkt über die Schiene abgewickelt werden, während ein Mobilitätskonzept für Mitarbeitende den Autoverkehr reduzieren soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Auf die Frage, wann mit den ersten Baueingaben und Gebäuden zu rechnen sei, erklärte Ehrich, dass zunächst die Grundinfrastruktur geschaffen werden müsse – aktuell gebe es weder Strom, Abwasser noch Internet auf dem Gelände. Deshalb werde es zuerst eine Eingabe für die Erschließung der Baustelle geben. Diese sei gegen Ende dieses Jahres oder Anfang des nächsten Jahres geplant. Erst danach, im Laufe des kommenden Jahres, folge voraussichtlich die Baueingabe für die ersten Gebäude.

Der Autor ist Redakteur bei der „Aargauer Zeitung“. Dort ist der Beitrag auch zuerst erschienen.