Es kommt Bewegung in die anstehende Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Reichenau: Am Freitag, 29. August, hat Philipp Stolz (32) seine Bewerbung im Rathaus auf der Insel abgegeben. Er ist bisher Leiter der Stabsstelle Digitalisierung bei der Stadt Schorndorf (Rems-Murr-Kreis, 42.000 Einwohner) und hat in Konstanz, Speyer sowie in der estnischen Hauptstadt Tallinn Politik und Verwaltung studiert. „Nach dem zweitschönsten Job der Welt hoffe ich nun, den schönsten Job der Welt antreten zu können“, sagte er mit Blick auf die Wahl am Sonntag, 9. November.
Stolz tritt als unabhängiger Kandidat an, denn vor Ort gehe es mehr um praktische Lösungen als um parteipolitische Fragen, sagte er dem SÜDKURIER. Nach mehreren Jahren als Führungskraft sehe er sich für die Aufgabe gut gerüstet. Nachdem er bisher vor allem nach innen gewirkt habe, freue er sich jetzt auf die Arbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie dem Gemeinderat. Er will sich nun den Fraktionen vorstellen und einen engagierten Wahlkampf führen.
„Reichenau darf kein zweites Sylt werden“
Als seine Ziele nennt er die Modernisierung und Entbürokratisierung sowie eine behutsame Weiterentwicklung der Gemeinde. Das vorliegende Entwicklungskonzept sei eine hervorragende Grundlage, und der Status als Unesco-Welterbe ermögliche in besonderer Weise ein nachhaltiges Handeln. „Reichenau ist so eindeutig anders als alle anderen Kommunen“, sagt er. Das gelte es zu bewahren, denn „Reichenau darf kein zweites Sylt werden“, meint er mit Blick auf die Nordseeinsel, wo der Tourismus zunehmend seit Generationen ansässige Familien verdrängt.
Als Kernaufgaben für die erste Zeit beschreibt er den Ausbau von Bildungsangeboten, insbesondere die Ganztagsbetreuung von Klein- und Kindergartenkindern. Auch das weitere Zusammenwachsen von Insel und Festland ist ihm wichtig. Gerade auf dem Festland sieht Stolz große Chancen. Für Lindenbühl-West wünscht er sich eine kompakte Bebauung, in der auch Menschen eine Heimat finden, die neu nach Reichenau kommen. Er selbst will mit seiner Partnerin auch dazu gehören: „Selbstverständlich will ich in der Gemeinde wohnen“, so der Kandidat.
Was es heißt, Bürgermeister zu sein, weiß er von Kindheit an
Ständig in der Öffentlichkeit zu stehen, mache ihm nichts aus – und Philipp Stolz hat es von Kindesbeinen an erlebt. Sein Vater Rainer Stolz war von 1993 bis 2023 Bürgermeister in Stockach, sein Zwillingsbruder Christoph ist seit 2023 Rathauschef in Bodman-Ludwigshafen. Dennoch lege er Wert darauf, nicht nur als Spross einer Bürgermeister-Familie gesehen zu werden, sagt der Kandidat. So gestalte er auch seinen Wahlkampf selbst, mit Unterstützung einer darauf spezialisierten Agentur. Dennoch sei er natürlich für die Unterstützung aus der Familie dankbar, erklärt er schmunzelnd.
Die kommenden Wochen will er vor allem nutzen, die Gemeinde und ihre Menschen besser kennenzulernen und vielen Reichenauern die Gelegenheit zur Begegnung zu geben. In den vergangenen Monaten sei er schon oft vor Ort gewesen und habe festgestellt: „Hier will ich Bürgermeister werden.“ Reichenau biete eine schöne und anspruchsvolle Gestaltungsaufgabe, und in der Gemeinde liege „noch viel Potenzial.“
Ebenfalls schon seine Unterlagen eingereicht hat Mario Streib (37), der das Hauptamt der Gemeinde leitet. Auch er tritt als parteiloser Kandidat an. Weitere Bewerbungen sind noch bis Montag, 13. Oktober, möglich. Wer am Ende auf dem Stimmzettel steht, entscheidet nach Prüfung der rechtlichen Voraussetzungen der Wahlausschuss unter Leitung des abtretenden Bürgermeisters Wolfgang Zoll. Öffentliche Kandidatenvorstellungen und eine SÜDKURIER-Wahlarena sind vorgesehen.