Wo schon Generationen von Laufenburgern Brot, Wecken, Süßstücke, Kuchen und Torten kauften, ist die Ladentür verschlossen, die Schaufenster sind mit Plastikfolie verhängt. Seit dem 18. August schon gestaltet die Laufenburger Bäckerei Konditorei Hahn ihre Verkaufsräume um. Im Gespräch mit unserer Zeitung verraten die Bäckermeister Gerhard und Jonas Muffler, was ihre Kunden bei der Neueröffnung erwartet – wann es wieder frische Backwaren gibt und welches besondere Jubiläum die Bäckerei dieses Jahr feiert.
„Es ist die größte Umbaumaßnahme in unserem Laden seit 50 Jahren, als wir 1975 strukturelle Veränderungen vorgenommen haben“, sagt Seniorchef Gerhard Muffler. Damals hatten sein Vater Ewald und seine Mutter Isolde den Bäckereiladen so gestaltet, wie ihn die meisten Laufenburger bis vor kurzem kannten: tiefe Schaufensterauslagen, an der Fassade ein metallenes Vordach mit dem Firmenlogo über der Eingangstür, drinnen die lange gläserne Verkaufstheke.
Jonas Muffler: „Das ist eine wichtige Entscheidung für die Zukunft“
Jetzt will sich der traditionsreiche Familienbetrieb, den Gerhard Muffler (65) in der vierten und sein Sohn Jonas (28) in der fünften Generation gemeinsam führen, seinen Kunden neu präsentieren. Die Bedeutung dieser Frage könne für den Betrieb gar nicht unterschätzt werden, sagt Jonas Muffler: „Das ist eine wichtige Entscheidung für die Zukunft und Voraussetzung dafür, um unser Geschäft in weiterführen zu können.“

Wichtigste Maxime ihres Handwerksbetriebs sei, Tradition mit Zukunft zu verbinden, sagen die beiden Bäckermeister. Dies solle nicht nur für den Prozess des Backens und die hergestellten Backwaren gelten, sondern auch für die Gestaltung des Ladengeschäfts. Jonas Muffler: „Unser Haus soll so zur Geltung kommen, wie es vor 125 Jahren entwickelt worden ist.“ Dafür wurden an der Fassade bereits die 1975 vorgenommenen Anbauten an der Fassade beseitigt werden. Es sieht jetzt wieder so aus, wie es Jonas Mufflers Ururgroßvater Friedrich Hahn errichten ließ.
Das Bäckereigebäude ist ein architektonisches Kleinod, sagt der Stadtarchivar
Tatsächlich handelt es sich bei dem Wohn- und Geschäftshaus an der Andelsbachstraße 2 um ein architektonisches Kleinod, sagt auch der Laufenburger Stadtarchivar Martin Blümcke. „Wahrscheinlich wurde es 1898/99 vom Säckinger Architekten Otto Hechinger geplant und gebaut.“

Hechinger habe in Laufenburg gleich mehrere ortsbildprägende Gebäude geschaffen, sagt Blümcke. So habe er 1909 dem Haus Mariagrün zu seinem jetzigen Erscheinungsbild verholfen und 1911 das „Laufen“-Gebäude mit den charakteristischen Rundbögen versehen. Hechingers wichtigster Beitrag zum Laufenburger Ortsbild aber sei das Schlössle, in das er den Vorgängerbau nach der Heirat Mary Codmans mit ihrem zweiten Ehemann Robert Freund 1897 erst verwandelt habe.

Das Bäckereigebäude Hahn wäre somit ein architektonischer Verwandter des Codman-Schlössle, ein Brezel-Schlössle sozusagen. Und zurückhaltende Eleganz soll es nach dem Umbau nicht nur außen, sondern auch innen ausstrahlen. „Da sind wir vom minimalistischen skandinavischen Stil angehaucht“, sagt der Juniorchef, der selbst bereits mehrere Male zu beruflichen Aufenthalten in Dänemark war. Echte Eiche und Naturstein sollen den Raum dominieren. Statt der Auslagen am Schaufenster sollen Sitzmöglichkeiten Kunden zum Verweilen einladen. Zwölf Sitzplätze soll die neue Café-Ecke haben, sagt Jonas Muffler, sieben drinnen und fünf draußen.
Jonas Muffler will die Produkte in den Vordergrund stellen
Die Hauptrolle im neugestalteten Ladengeschäft sollen die Produkte der Bäckerei spielen. „Sie wollen wir hier in den Vordergrund stellen“, sagt Jonas Muffler. Denn eine kleine, handwerklich arbeitende Bäckerei könne nur über die Qualität ihrer Produkte bestehen. Deshalb dächten er und sein Vater im Augenblick auch nicht an die Eröffnung weiterer Filialen.

Die einzigen Verkaufsstellen werden auf absehbare Zeit also die beiden bestehenden in Laufenburg und Albbruck bleiben, sagen Vater und Sohn Muffler. Außerdem würden Altersheime, Kliniken, Gastronomie- und Hotelleriebetriebe in Laufenburg, Albbruck, Murg und Bad Säckingen direkt beliefert.
Nicht umgebaut werden die Produktionsräume ein Stockwerk unter dem Ladengeschäft. Wegen der Lage an der Rheinhalde können die acht gelernten Bäcker hier mit Blick auf den Rhein ihre Arbeit verrichten. Insgesamt beschäftigt die Bäckerei Konditorei 22 Personen in Voll- und Teilzeit.
Ab 1. September gibt es wieder frisches Brot und frische Brötchen
Seit Beginn der Umbaumaßnahmen am 18. August hatten alle zunächst einmal Urlaub. Der endet jetzt, denn ab Montag, 1. September, sollen in der Albbrucker Filiale und auch in Laufenburg wieder Backprodukte verkauft werden – in Laufenburg bis zur Fertigstellung des Ladengeschäfts aus einem neben der Bäckerei platzierten Verkaufswagen heraus.
„Im Augenblick hoffen wir, dass wir ab Samstag, 13. September, unser neues Ladengeschäft in Betrieb nehmen können“, sagt Gerhard Muffler. Im Augenblick sehe es gut aus, dass dieser Termin eingehalten werden kann. Fest stehe schon ein anderer Termin: Am Samstag, 20. September, 15 Uhr will die Konditorei Bäckerei mit Eis, Focaccia und Getränken nicht nur die Wiedereröffnung ihrer Verkaufsräume, sondern auch ihr 125-jähriges Bestehen feiern.