200 Angestellte aus 14 Nationen: Der Circus Krone ist nicht nur ein Zirkus, sondern schlichtweg ein größeres, mittelständisches Unternehmen. Der Betrieb gastiert seit Donnerstag, 28. August, auf dem Konstanzer Areal Klein Venedig. Am Premierenabend verfolgten hunderte Zuschauer das Spektakel mit Wildtieren, unter anderem auch Löwen und Tiger, Clowns und verschiedenen Artisten.
Doch neben denen, die in der Manege auftreten, gibt es bei dem Unternehmen auch weitere Mitarbeiter, die für die Öffentlichkeit zumeist unsichtbar sind. Der SÜDKURIER hat sich mit mehreren Personen, die Teil des wandernden Volkes sind, unterhalten – vom Schausteller über den Lichttechniker bis zum Koch. Sie alle vereint vor allem eines: Der Zirkus, bei dem sich die meisten nur unter dem Vornamen kennen und ansprechen, ist für sie mehr als nur Arbeit. Es ist ihr Zuhause.
Es werde Licht
Lichttechniker Tino ist Elektriker und der Herr über die Beleuchtung beim Circus Krone. Er macht aber nicht nur das Lichtdesign für die Show, sondern ist auch für die gesamte Stromversorgung des Zirkusdorfes verantwortlich. „Meine Familie ist seit mehreren Generationen beim Zirkus, auch meine Eltern schon“, so der Techniker. „Ich bin schon seit 34 Jahren dabei.“
Und nicht nur ist er in sechster Generation im Zirkusbetrieb, sein Vermächtnis lebt weiter, hat er doch einen Sohn, der in seine Fußstapfen beim Zirkus tritt. Seine Heimat sei Portugal, sagt Tino: „Aber mein Zuhause ist hier.“
Weltbekannte Flugartistik
Mirella gehört zu den „Flying Tabares“, also den Artisten am Trapez. Die junge Frau kommt ursprünglich aus Kalifornien und trat bereits mehrfach beim Circus Krone auf. Zuvor aber immer in München. „Es ist mein erstes Mal auf Reisen“, sagt sie dem SÜDKURIER auf Englisch.
Sie ist bereits in der achten Generation beim Zirkus, erzählt sie. „Ich bin mit dem Zirkus aufgewachsen“, sagt die junge Amerikanerin. „Es ist mein Zuhause, meine Familie.“ Was für sie außerdem besonders ist: „Wo wir arbeiten, leben wir. Wir müssen es zu unserem Zuhause machen.“
Er ist das Highlight für Kinder
Der Clown des Zirkus heißt „Fumagalli“. Er gehört schon lange zur „Familie“, seinen ersten Auftritt beim Circus Krone hatte er bereits Anfang der 2000er-Jahre im Festbau in München. Er ist aber auch schon unzählige Male und über viele Jahre hinweg im wandernden Zirkuszelt aufgetreten.
Wie viele andere gehört seine Familie seit vielen Generationen schon zum umherziehenden Volk. „Zirkus ist mein Leben“, sagt Fumagalli. „Ich bin geboren für den Zirkus.“
Im Betrieb aufgewachsen
Der 17-jährige Alexis Lacey Krone ist Tiertrainer und hat mittlerweile auch eine eigene Wildtiernummer, in der er mit Löwen sowie Tigern arbeitet. Gemeinsam mit seinem Vater Martin Lacey Junior präsentiert er die Raubkatzen. „Der Zirkus ist meine kleine Welt“, sagt er. „Ich bin hier aufgewachsen, ich kenne es nur so.“
Was die Raubkatzen angehe, so habe er gesunden Respekt vor den Tieren. „Ich habe immer einen Kick“, berichtet Lacey Krone. „Jedes Mal wie beim ersten Mal.“ Er habe schon immer einen hohen Adrenalinspiegel, wenn er mit den Löwen und Tigern in die Manege trete. Intensiv trainiert er das seit zwei Jahren, doch bereits als Kind sah er seinem Vater oft zu.
Von der Technik in die Küche
Der Koch Gerry ist eine Institution beim Zirkus. Denn er ist bereits seit 23 Jahren vor Ort, in der Küche aber erst seit drei Jahren. Zuvor war er Techniker, erzählt er. Nun sorge er dafür, dass alle gut versorgt sind. Was der Zirkus für ihn bedeutet? „Wenn es einem nicht gefällt, bleibt man nicht 23 Jahre“, antwortet er und lacht. „Man kennt sich über die Jahre, wir sind wie eine kleine Familie.“
In seiner Küche, untergebracht in einem alten Waggon, kocht er, damit die dutzenden Mitarbeiter des Zirkus nach getaner Arbeit auch satt werden.
„Es ist mein Leben, es ist, was ich liebe“
Der Brasilianer, den alle nur Marcelo nennen, ist für die Requisite verantwortlich. Er sorgt also dafür, dass zwischen den verschiedenen Nummern alle benötigten Materialien auf- und abgebaut werden – und das möglichst rasch. Auch er ist bereits in der fünften Generation beim Zirkus und seit drei Jahren beim Circus Krone.
„Es ist mein Leben, es ist, was ich liebe“, sagt er auf Englisch. „Das weiß ich, seit ich geboren wurde.“ Doch damit nicht genug: Marcelo war, bevor er logistisch tätig wurde, selbst Artist in der Manege: Er hing hoch über den Köpfen am Trapez, unter anderem beim Zirkus in Monte-Carlo, erzählt er.
Bürotätigkeiten sind ebenfalls wichtig
Ferdinando Klemenz ist Büroangestellter bei Circus Krone – und ja, auch das gibt es. Im feinen Anzug sitzt er an seinem Apple Computer in einem Zirkuswagen. Er kümmert sich um Karten, um VIP-Gäste, die Presse, steht im Kontakt mit den Artisten und ist immer da, wenn es ein Problem gibt.
„Ich bin seit 17 Jahren befreundet mit dem Zirkus“, sagt er zu der Verbindung zum Betrieb. „Seit einem Jahr arbeite ich hier.“ Doch bereits seit seiner Kindheit sei er fasziniert vom Zirkus, „es war ein Universum, wo ich hinwollte“. Nichts zuletzt seien für ihn die Tiere wichtig und ihn interessiere auch die Professionalität, die solch einen Betrieb ausmache.