Die Fronten sind verhärtet: Nach dem Polizeieinsatz am Sonntag, 24. August, will der Türk. SV Konstanz den Pachtvertrag für das Restaurant „Kemo‘s“ kündigen. Das hat der Vorstand des Vereins dem SÜDKURIER bestätigt. Für Wirt Kenad Smajovic kommt dieser Schritt nicht nur überraschend. Der Vertrag läuft nach seinen Angaben noch sieben Jahre. „Darum habe ich mir einen Anwalt genommen“, sagt er. Er wolle die Kündigung nicht ohne Widerstand akzeptieren. Er sieht sich als Opfer einer kriminellen Intrige.

Wirt: Führe ein legales Leben

Für den 46-Jährigen wäre die Aufgabe seines Lokals ein schwerer Schlag. Nach eigenen Worten hat er eine sechsstellige Summe in die Ablöse und die Sanierung des Lokals investiert. Erst nach zwei Jahren habe er den Betrieb profitabel gemacht, inzwischen beschäftigt er sechs Mitarbeiter. Smajovic betont, er führe ein legales Leben, zahle seine Miete pünktlich in bar und habe sich bewusst entschieden, als gläubiger Muslim keinen Alkohol und kein Schweinefleisch anzubieten.

Kein Alkohol, kein Schweinefleisch: Das Kemo‘s in Konstanz mit Pächter und Geschäftsführer Kenad Smajovic. Dieses Bild wurde im Februar ...
Kein Alkohol, kein Schweinefleisch: Das Kemo‘s in Konstanz mit Pächter und Geschäftsführer Kenad Smajovic. Dieses Bild wurde im Februar 2025 aufgenommen. Inzwischen wurde die Terrasse überdacht und bestuhlt. | Bild: Schuler, Andreas

Er wolle ein sauberes, legales Leben führen, sagt der 46-Jährige. Er selbst macht kein Geheimnis daraus, dass er mehrere Jahre in der Schweiz hinter Gittern saß, hier habe er auch zu seinem Glauben gefunden. „Ich habe nur vor Gott Angst. Meinen Tod kann niemand verlangsamen oder beschleunigen“, sagt er. Dass ein Kind jetzt als Vorwand genutzt werde, um ihn einzuschüchtern, sei absurd: „Meine eigenen Kinder leiden unter den Drohungen.“

Autoreifen zerstochen

Seit Juli schwelt der Streit zwischen Smajovic und Personen aus dem Vereinsumfeld. Nach seinen Angaben sei er mehrfach bedroht worden, an seinem Arbeitsplatz und Zuhause. Nach dem Einsatz am Sonntag sei er gar an seiner Privatadresse aufgesucht worden, wo Unbekannte die Reifen seines Autos zerstochen haben. Smajovic hatte bereits zuvor Anzeige erstattet. Seit vergangener Woche hat er einen Sicherheitsdienst beauftragt, der sein Lokal bewacht.

Mädchen bedroht?

Ganz anders schildert die Gegenseite die Lage. Im Mittelpunkt steht dabei ein Vorfall rund um die Tochter des Konstanzer Kochs Timo Leibbrand. Der trainiert seit Jahren mit seiner Tochter im Boxklub über den Räumen des Restaurants. An einem Samstag entdeckten seine Tochter und andere Kinder beim Hinausgehen ein Trampolin vor dem Haus und spielten darauf. Kurz darauf, so berichtet Leibbrand, seien sie von Smajovic schroff vertrieben worden. Seine Tochter habe Angst bekommen und wolle nicht mehr ins Training gehen. Ein enger Freund des Kochs sagt: „Wenn sich ein kleines Mädchen nicht mehr auf den Sportplatz traut, was muss dann passiert sein?“

Während des laufenden Fußballspiels kam es am „Kemo‘s“ zu einem Polizeieinsatz. Auch ein Polizeihund und der Rettungsdienst sind vor Ort ...
Während des laufenden Fußballspiels kam es am „Kemo‘s“ zu einem Polizeieinsatz. Auch ein Polizeihund und der Rettungsdienst sind vor Ort gwesen. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Der 48-jährige Freund erhebt weitere Vorwürfe: Smajovic habe Toiletten für sie gesperrt, Mitglieder bis hin zum Vereinspräsidenten bedroht, bauliche Veränderungen ohne Absprache vorgenommen und die Miete nicht pünktlich bezahlt. Außerdem habe er ein Umfeld geschaffen, das viele im Verein ablehnen und dann noch einen Schlägertrupp engagiert. Es habe sich viel angestaut: „In welchem Vereinsheim dürfen Mitglieder nicht auf die Toilette?“

Der Wirt weist alle Vorwürfe zurück. Er verstehe sein Lokal als eigenständige Gastronomie, nicht als Vereinsheim. Parkplätze, Toilettennutzung, Alkohol-Ausschank – alles sei vertraglich geregelt. Dass er das Kind bedroht haben soll, bestreitet Smajovic. Er kann nicht ausschließen, dass er es möglicherweise mal aufgefordert hat, von jenem Trampolin zu gehen. Aber sicher nicht in so einer Weise, dass das Kind verängstigt und verstört zurückblieb.

Handgreiflichkeiten auf der Terrasse

Am 24. August eskalierte die Situation. Während auf dem Sportplatz das Spiel des Türk. SV Konstanz gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen II lief, betrat der 48-jährige Freund Leibbrands die Terrasse des Lokals, begleitet von mehreren Männern. Dort soll es dann zu Handgreiflichkeiten gekommen sein. Minuten später traf allerdings schon die Polizei mit mehreren Streifenwagen ein. Der 48-Jährige, der für die Polizei kein Unbekannter ist, wurde nicht festgenommen. Es wird ermittelt. Auch weil Smajovic sein Lokal zuvor mit Überwachungskameras ausgestattet hatte.

Am Sonntag rückten mehrere Polizisten ins Industriegebiet zum Restaurant aus.
Am Sonntag rückten mehrere Polizisten ins Industriegebiet zum Restaurant aus. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Der Vorstand des Türk. SV zieht nun die Konsequenzen: Der Pachtvertrag mit Smajovic soll beendet werden. Offiziell wird ihm die Kündigung erst in der kommenden Woche zugestellt. Wie es mit dem „Kemo‘s“ an der Max-Stromeyer-Straße weitergeht, ist also offen.

Kenad Smajovic hat unterdessen am Freitag einen Beschluss am Amtsgericht Konstanz nach dem Gewaltschutzgesetz erwirkt: Dieses erlaubt Gerichten, Kontaktverbote und Abstandsregelungen zu verhängen, auch ohne mündliche Verhandlung. Der 48-Jährige darf sich vorerst weder dem Wirt, seiner Wohnung noch dem „Kemo‘s“ auf weniger als 100 Meter nähern. Bei Verstoß droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder ersatzweise Haft.

Die Polizei ermittelt

Die Polizei bestätigte auf Anfrage, dass die Ermittlungen im Zusammenhang mit den Vorfällen am „Kemo‘s“ beim Polizeirevier Konstanz geführt werden. Dort werde derzeit gegen mehrere Personen wegen Bedrohung, Körperverletzung und Hausfriedensbruch ermittelt. Ob gegen den 48-Jährigen inzwischen ein Haftbefehl beantragt wurde, ließ man mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen offen.