Einer der eindrucksvollsten Künstler im Jestetter Zipfel und weit darüber hinaus ist sicherlich Eberhard Rieber. Wobei es die von ihm geschaffenen Kunstwerke sind, die Aufsehen erregen und Gesprächsstoff bieten. Der Künstler selbst ist liebenswert zurückhaltend und im Gegensatz zu seinen Skulpturen fast schon unscheinbar. Wer ist dieser Eberhard Rieber, der es vermag, einen schlichten Holzblock in ein vielschichtiges und aussagekräftiges, lebendig wirkendes Meisterstück zu verwandeln?
Schwerer Unfall beendet fast die künstlerische Karriere
Geboren wurde Eberhard Rieber im Jahr 1961 als Sohn des Drechslermeisters Gerhart Rieber und seiner Frau Annemarie in Balm. Nach der Ausbildung zum Holzbildhauer bei seinem Vater und dem Grundwehrdienst besuchte er die Schule für Gestaltung in Zürich und begab sich auf Studienreisen nach Italien und Griechenland. Ein schwerer Fahrradunfall im Jahr 1985 schien das Ende – zumindest seiner künstlerischen Karriere – zu sein.
Wie durch ein Wunder, vielleicht tatsächlich durch ein Wunder, konnte Eberhard Rieber aber dennoch seinen Weg fortsetzen. Der Unfall wirkte wie ein Katalysator, und der Bildhauer, der ehedem vor allem Tierfiguren schuf, zeigte immer mehr Interesse an der menschlichen Gestalt, insbesondere am Porträt. Seit der Meisterprüfung in Freiburg im Jahr 1991 arbeitet er selbstständig in Jestetten mit freien Arbeiten und Aufträgen.
Zwischen Kunst und Kunsthandwerk
„Mein Arbeitsgebiet liegt in Bildhauerarbeiten in Holz und Metall. Ich fertige Reliefs, Figuren, Masken, Porträts, Grabmale, Schnitzereien und geschnitzte Gebrauchsgegenstände nach eigenen Entwürfen oder nach Wunsch der Kunden“, erklärt Eberhard Rieber sein Tätigkeitsfeld. Er sieht sich als Künstler auch mit vielen Aufträgen als Kunsthandwerker konfrontiert. „Natürlich ist ein geschnitztes Vesperbrett keine große Kunst, aber wenn ich die Freude beim Kunden sehe, bin ich ebenfalls glücklich“, stellt Rieber fest.
Für Eberhard Rieber stellte sich schon immer die große Frage, was Kunst sei. Wie auch sein Vater schon vor ihm, sieht er sich der Herausforderung gegenüber, sich als armer Künstler durchzuhungern und nichts zu machen, was nach Handwerk riecht und sich alleine der reinen Kunst zu verschreiben. Oder stattdessen doch lieber von der Kunst leben zu können und auch weniger herausfordernde Aufträge anzunehmen.
Rieber erinnert an den großen Henry Moore, der sich so geäußert hat: „Ich sehe keinen Grund dafür, weshalb eine realistische Kunst und eine rein abstrakte Kunst nicht gleichzeitig nebeneinander bestehen dürfen, sogar bei einem Künstler gleichzeitig. Dass die eine Kunst im Recht und die andere im Unrecht sei, stimmt nicht.“
Eberhard Rieber hat einen recht erfolgreichen Weg zwischen Handwerker und Künstler beschritten, seine Werke sind überregional bekannt und in seiner Heimat Jestetten sind zahlreiche seiner Arbeiten zu bewundern.

In diesem Sommer ist er dabei, einen keltischen Wachsoldaten für den Altenburger Keltenpfad zu schaffen. Im Frühjahr 2025 verlässt ein kleiner Fuchs sein Atelier und sitzt nun am Skulpturenweg des Naturparks.

Erster Preis für sein Drachenei
Eines der eindrucksvollsten Werke ist das für eine internationale Wanderausstellung 1997 geschaffene Drachenei. Dafür erhielt er den goldenen Schlegel, also den ersten Preis. Seine Auszeichnungen hier aufzulisten, würde den Rahmen sprengen, doch erwähnt werden sollen die Krippenstelen sowie der Verkündigungsengel für die Jestetter Markuskirche.
Doch nicht nur in Jestetten, auch in Westfalen sind Krippenfiguren von Eberhard Rieber zu finden. Wer aufmerksam durch Jestetten geht, findet nicht zuletzt am Bahndamm zahlreiche Rieber‘sche Skulpturen.