Im Singener Einzelhandel rumort es – und zwar heftig. Gleich mehrere Traditionsunternehmen stecken knietief in der finanziellen Krise. Das Sporthaus Schweizer hatte bereits im März 2023 seine Türen für immer geschlossen, mittlerweile ist in die ehemaligen Räumlichkeiten in der Erzbergerstraße ein Tedi eingezogen. Das Modegeschäft Heikorn wird seinen Betrieb Ende Januar 2026 einstellen – und dies nach 60 Jahren in Singen. Sport Müller ist finanziell am Wackeln und versucht,mit einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung das Ruder noch einmal herumzureißen.

Jetzt hat es auch noch Foto Wöhrstein erwischt. Das Traditionsunternehmen hat Insolvenz angemeldet. Inhaber Reiner Wöhrstein muss die Reißleine ziehen und steigt aus dem Unternehmen aus. Bis Ende Oktober soll der Betrieb weitergehen – Zukunft ungewiss.

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Die Gründe für die Probleme im Singener Einzelhandel decken sich meist. Das Konsumverhalten der Menschen hat sich geändert, der Online-Handel nimmt stetig zu, die Nachwirkungen von Corona spielt oftmals eine Rolle, ebenso der Ukraine-Krieg. Wie man es dreht und wendet, es fehlt einfach an Umsätzen.

Und dann wäre da noch die Sache mit dem Beratungsklau. Die Masche ist nicht neu: Man geht ins Geschäft und schaut sich etwas an, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Die Beratung gibt es natürlich dazu. Ein Verkäufer steht parat und berät einen dabei mit fachkundigem Wissen – manchmal mehr fachkundig, manchmal weniger. Am Ende sind einem die Preise im Geschäft aber oftmals zu hoch und man kauft doch lieber günstiger online. Beratungsklau taufen Händler dieses Phänomen – und sind naturgemäß wenig begeistert von dieser Taktik.

Fast jeder Dritte ist ein Beratungsdieb

Eine von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Auftrag gegebene Umfrage ergibt: Rund jeder dritte Kunde im Einzelhandel in Deutschland hat sich schon einmal im stationären Handel beraten lassen und anschließend das entsprechende Produkt nach einem Preisvergleich online gekauft.

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Nicht illegal – aber hat Folgen

Der Kunde ist König. Er allein entscheidet, wann er was, wo und zu welchem Preis kauft. Und er entscheidet auch, wo und wie er sich über die gesuchten Produkte informiert. Das ist sein gutes Recht. Aber wer sich im Geschäft ausführlich beraten lässt und dann online kauft, muss sich im Klaren sein: Irgendwann gibt es keine Läden mehr, in denen er diesen Service finden kann.

Die immer länger werdende Liste an Einzelhändler im Hegau, die aufgeben müssen, macht dies deutlich. Mit anderen Worten: Der Beratungsdiebstahl ist nicht illegal – aber nicht hilfreich, wenn der stationäre Einzelhandel überleben soll. Oder wie es Reiner Wöhrstein jüngst gegenüber dem SÜDKURIER formulierte: „Die Internet-Giganten zahlen kaum Steuern, aber wir Einzelhändler sollen für Leben in den Innenstädten sorgen!“