Herr Firnkes, wie groß ist das Thema Spielsucht derzeit im Kreis Waldshut?
Jonas Firnkes: Leider kann ich hierzu keine Zahlen den Landkreis Waldshut betreffend nennen. Laut dem Glücksspiel-Survey 2023 haben 2,4 Prozent der Erwachsenen eine glücksspielbezogene Störung. Bei 6,1 Prozent liegt ein riskantes Spielverhalten vor. Diese Zahlen ließen sich sicher leicht auf den Landkreis Waldshut umrechnen.
Wie hoch ist hier die Bedeutung der stationären Spielhallen? Sind sie das Hauptproblem oder ist es inzwischen eher das Zocken online?
Jonas Firnkes: Die Online-Angebote haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Aus unserer Wahrnehmung ist die terrestrische Nutzung, also Geldspielautomaten in Spielotheken und Gaststätten, aber weiterhin stärker repräsentiert. Bei unseren Klienten finden sich sowohl reine Onlinespieler als auch rein terrestrische Spieler und Menschen, die beides betreiben. Vor allem letztere Gruppe scheint besonders gefährdet eine glücksspielbezogene Störung zu entwickeln.
Wie bewerten Sie aus Sicht der Suchtberatung die Verschärfungen des Glücksspielgesetzes im Land?
Jonas Firnkes: Regelungen, die darauf abzielen, den Zugang und auch das Gefährdungspotential von Glücksspielangeboten zu reduzieren, begrüßen wir natürlich. Solche verhältnispräventiven Maßnahmen sind enorm wichtig, um Suchterkrankungen vorzubeugen.
Beschränkt es die Branche wirklich? Oder machen dort, wo Schließungen vollzogen werden, anderswo einfach neue Spielhallen auf?
Jonas Firnkes: Die Abstandsregeln zwischen den Spielhallen sowie zu Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen sind sicher ein geeignetes Mittel, um die Angebote zu reduzieren und zumindest eine Ballung von Anbietern zu verhindern. Auch dass dadurch sogenannte Mehrfachkonzessionen, also mehrere Spielhallen unter einem Dach verhindert werden, ist zu begrüßen.
Thema Vergnügungssteuer: Haben die Kommunen wirklich ein Interesse an der Eindämmung der Zockerei?
Jonas Firnkes: Steuereinnahmen sind ein oft genutztes Argument, um Angebote mit Suchtpotential zu rechtfertigen. Vergessen wird dabei oft, dass die gesellschaftlichen Folgekosten – Behandlungskosten, Sozialleistungen – deutlich höher liegen. Auch wenn diese Folgekosten die Kommune nicht direkt belasten, sollten diese durchaus ein Interesse an gesunden Einwohnerinnen und Einwohnern haben. Insbesondere bei Glücksspielstörungen sollte man berücksichtigen, dass nicht nur der Betroffene selbst, sondern häufig auch die Familie massiv an den Folgen leidet.
Kontakt zur bwlv Fachstelle Sucht Waldshut unter 07751 89¦66¦80, oder per E-Mail an fs-waldshut@bw-lv.de.