Obwohl im Wehratal gelegen, hat Wehr eine enge Beziehung zum Segelflug. Die westliche Kante des Hotzenwalds bietet für diesen Sport ideale Voraussetzungen. Hier befindet sich bei Hütten das Startgelände der Segelfluggruppe Wehr, die heute mit vier weiteren Segelfluggruppen die Luftsportgemeinschaft Hotzenwald bildet.

Mit der Geschichte des Segelflugs in der Region und in Wehr hat sich der Segelflieger Werner Kramer befasst. Der ehemalige Betriebsleiter der Wehra AG stellt sein Buch „Geschichte und Geschichten vom Segelfliegen in Haagen, Gersbach und auf dem Hotzenwald“ am Freitag, 5. September, um 19 Uhr im Stadtmuseum Wehr vor.

Werner Kramer ist ein exzellenter Kenner der Segelfluggeschichte in der Egion.
Werner Kramer ist ein exzellenter Kenner der Segelfluggeschichte in der Egion. | Bild: Michael Gottstein

Kramer kann vieles aus eigener Anschauung und nächster Nähe berichten. Nicht nur, weil er über eine jahrzehntelange fliegerische Erfahrung besitzt und viele Jahre lang unter anderem als Präsident verantwortlich für die Luftsportgemeinschaft tätig war. Schon sein Vater Hermann Kramer war begeisterter Segelflieger und gehörte der Segelfluggruppe Wehr an.

Hermann (links) und Werner Kramer im Oktober 2019 im Rotax-Falke Motorsegler auf dem Flugplatz Hütten.
Hermann (links) und Werner Kramer im Oktober 2019 im Rotax-Falke Motorsegler auf dem Flugplatz Hütten. | Bild: Reinhard Valenta

Die Wiege des regionalen Segelflugs steht in Haagen bei Lörrach, wo in den 1920er Jahren die ersten Flugbegeisterten mit selbstgebastelten Fluggeräten vom Röttelner Wald ins Wiesental glitten. Zu dieser Zeit etablierte sich der Segelflug in ganz Deutschland als Sportart. Der Versailler Vertrag untersagte in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg den Motorflug. Der Segelflug bot eine legale und kostengünstige Alternative.

Die Nazis bereiteten der selbstorganisierten Segelfliegerei ein Ende

Bald war in Gersbach ein geeigneteres Gelände gefunden, sogar eine Flughalle wurde errichtet. Noch ganz andere Möglichkeiten bot der starken Hangwinde wegen das Fluggelände bei Hütten auf dem Hotzenwald. 1929 wurde die Segelfliegergemeinschaft gegründet. Nach 1933 vereinnahmten die Nationalsozialisten den Flugsport und machten ihn zur vormilitärischen Ausbildung. Wie andere selbstständige Vereine wurde auch die Segelfliegergemeinschaft zwangsweise aufgelöst und dem neugebildeten Deutschen Luftsport-Verband, später nationalsozialistisches Fliegerkorps, einverleibt.

Beim Flugtag 1958 drängten sich Menschen, um das Spektakel in der Luft zu verfolgen. Im Hintergrund ist die 1955 erbaute Flughalle zu sehen.
Beim Flugtag 1958 drängten sich Menschen, um das Spektakel in der Luft zu verfolgen. Im Hintergrund ist die 1955 erbaute Flughalle zu sehen. | Bild: Archiv Werner Kramer

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es 1950 einen sportlichen Neustart auf dem Hotzenwald. 250 Personen aus den Landkreisen Säckingen, Waldshut und Lörrach gründeten in Schopfheim die Segelfluggruppe Wehr. Vorsitzender wurde Erwin Sahner, Vereinssitz Wehr, wegen der Nähe zum Flugplatz Hütten. Geflogen wurde wieder ab 1951.