Selbst der Steuerberater, bei dem sich Christa Bader nach ihrer Schulzeit auch beworben hatte, sagte zur jungen Schulabsolventin: „Wenn sie dich bei der Bank nehmen, geh auf jeden Fall zur Bank. Das ist das Beste für dich.“ Er sollte Recht behalten. Die Volksbank in ihrer Heimat im Allgäu wollte Christa Bader und so begann 1977 eine Karriere, die im Sommer 2025 als Vorständin der Volksbank Hochrhein endete.
Für Menschen Lösungen bieten
„Ich empfinde große Dankbarkeit, dass ich das ausüben konnte, was mein Wunschberuf war“, sagt Bader mit Blick auf die 43,5 Jahre bei der Volksbank Hochrhein. Genauso klar wie der Berufswunsch war auch der Bereich, in dem sie später wirken wollte – der Kreditbereich. Dazu hatte sie ihr damaliger Chef der Kreditabteilung inspiriert: „Für Menschen Lösungen zu bieten und sie bei ihren Vorhaben zu begleiten, das war immer mein Ziel. Oder kurz gesagt: Volksbank zu leben.“
Über all die Jahre habe sie das in verschiedenen Funktionen der Bank tun können: „Die letzten zweieinhalb Jahre waren die Krönung meiner beruflichen Karriere“, sagt Bader. An den Tag, als ihr die Stelle als Vorständin der Volksbank Hochrhein angeboten wurde, kann sie sich noch genau erinnern. „Es war Freitag, der 17. Dezember. Ich hatte eine kleine Ahnung, worum es gehen könnte“, verrät die 64-Jährige mit einem Lächeln. Sie bat darum, eine Nacht über die Entscheidung schlafen zu dürfen, aber eigentlich sei ihr Entschluss schon am Abend festgestanden.
Mit der neuen Position wuchsen auch die Aufgaben: „Ich hatte deutlich mehr Verantwortung, der Vorstand muss alle Bereiche präsent haben.“ Neue Themen kamen hinzu, der Blickwinkel wurde größer, aber auch die Gesprächsbasis wurde eine andere. Von früheren Kollegen war sie jetzt die Vorgesetzte. „Es fühlte sich anders an“, sagt sie im Rückblick.
Christa Bader war die erste Frau an der Spitze der Volksbank Hochrhein – musste sie in manchen Bereichen mehr kämpfen? „Ich hatte keine Nachteile als Frau und in meiner ganzen Laufbahn auch keine Akzeptanzprobleme, weil ich mit Fachkenntnissen überzeugen konnte“, macht sie deutlich.

In einem gemischten Team, wie sie es als Vorstand mit Stefan Aust gebildet hatte, konnte jeder seinen Blickwinkel einbringen. Weil sich Frauen und Männer in der Führung unterscheiden, ist es ausgeglichener, wenn beide Geschlechter in einem Team sind, ist Christa Bader überzeugt. „Wir haben gemeinsam an einem Strang gezogen. Es war eine sehr gute Zusammenarbeit. Wir haben viel diskutiert, oft abends, wenn alle weg waren“, erinnert sie sich.
Arbeit hat sich stark verändert
In den mehr als vier Jahrzehnten hat sich ihre Arbeit stark verändert. „Durch die Regulatorik und die Globalisierung ist alles komplexer geworden.“ Am Anfang habe ein Kreditvertrag aus zwei Seiten bestanden, heute habe er die Dimension eines halben Buches. „Als ich angefangen habe, kamen die ersten PCs, heute wäre eine Arbeit ohne sie unvorstellbar“, schmunzelt sie.
Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Finanzkrise und wie unterschiedlich die Unternehmer in ihren Unternehmen mit ihr umgegangen sind. „Es gab nicht die Patentlösung, jeder musste für sich entscheiden. Insbesondere mit ihren Mitarbeitern sind sie sehr unterschiedlich umgegangen.“ Es seien unterschiedliche Blickwinkel in die Zukunft gewesen, die letztlich erfolgreich waren. „Das hat mir auch gezeigt, dass jeder Unternehmer authentisch bleiben muss.“

Als persönlichen Erfolg in den vier Jahrzehnten Volksbank nennt sie die jahrelangen guten Kundenbeziehungen, die von gegenseitigem Vertrauen und auch von Freundschaft geprägt waren. „Und dass durch unsere Arbeit auch wirschaftlicher Erfolg resultiert ist.“
Abschied von 230 Mitarbeitern
Die Beziehungen zu den Kunden und den Mitarbeitern werden der 64-Jährigen am meisten fehlen. „Ich habe vor meinem Ruhestand alle 230 Mitarbeiter im Haus und in den Geschäftsstellen besucht. Es war sehr anrührend, weil viele Mitarbeiter dabei waren, die mich auf meinem langen Weg bei der Volksbank begleitet haben.“
Den ersten Tag im Ruhestand habe sie erstmal zum Ausschlafen genutzt. In der neu gewonnen freien Zeit möchte sie sich und ihr Fahrrad mehr bewegen, erklärt die 64-Jährige lachend. Und viel Zeit in der Natur und in den Bergen verbringen. Außerdem will sie sich wieder mehr der Arbeit in den Vereinen widmen, die in ihrer Zeit als Vorständin zu kurz kam.
Engagierter Einsatz für das Städtle
Sei es für den Handel, die Kultur, den Schwyzertag oder das gesellschaftliche Leben – seit Jahrzehnten bringt sie sich auch mit viel Engagement und Leidenschaft für das Städtle ein. „Tiengen ist für mich ein gemütliches Städtchen mit hoher Aufenthaltsqualität, wo ich mich wohlfühle und viele Freunde habe.“

In vielen Vereinen übernahm sie auch Verantwortung, wie als Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft (2002 bis 2019) oder an der Spitze der Schwyzertags-Kommission (2012 bis 2022). „Das war eine sehr arbeitsintensive Zeit. Aber einen Verein zu führen, ist etwas anderes, als Führungskraft in einem Unternehmen zu sein. Es beruht alles auf Ehrenamt und es ist schwieriger und langwieriger, bis Vorhaben umgesetzt werden.“

Dieses große Zeitbudget für die Gesellschaft und das Leben im Städtle habe sie nur aufwenden können, weil sie alleinstehend ist. „Mit einer Familie wäre das nicht möglich gewesen“, gibt Bader klar zu. „Da ich keine Kinder habe, war und ist das mein Beitrag für die Gesellschaft.“