Seit Jahren strömten die Besucher gerne zur Eröffnung des Bergstadtsommers in die Stadthalle. Es galt als sicher, dass so gut wie jeder Platz besetzt werden konnte. Auch heuer war jeder zur Verfügung gestellte Platz besetzt. Allerdings paarweise, derart auf Lücke gesetzt, dass in Corona-Zeiten lediglich an die 100 Konzertbesucher die Eröffnung erleben konnten.

Bereits mit dem Eintritt ins Foyer bot sich ein anderes, doch geordnetes Bild. Die Besucher wurden durch Seile auf zwei Wegen ins Innere geführt. Freundliche Mitarbeiter fragten nach den Namen und strichen die Plätze in der Liste ab. So wurde festgestellt, ob alle angemeldeten Besucher auch gekommen waren. Kleine Tischchen bei den Plätzen waren fortlaufend nummeriert, das musikalische Programm ausgelegt. Die auferlegten Corona-Hygienemaßnahmen wurden befolgt.

Nicht zu übersehen, war das Formblatt zur Registrierung der Anwesenheit mit den erforderlichen Kontaktdaten. Die Gäste sind mit der Mund-Nase-Maske in die Halle gelaufen, bis der Platz eingenommen war. Nur dort durfte das Stück Stoff abgenommen werden.
Mit dem Eintritt in die Stadthalle bot sich ein ungewöhnlicher Anblick. Auf der Bühne waren Sitzflächen entstanden und das Publikum saß mit dem Rücken zur Bühne, mit Blickrichtung auf den Absatz an der eigentlich rückwärtigen Saalwand. Auf der Plattform haben die Musiker mit ihren Instrumenten Platz genommen. Das Konzert war in zwei Abschnitte mit jeweils drei Musikern geteilt. Hauptinitiator Karsten Dönneweg schilderte, wie es sich anfühlte, als plötzlich alles im Lockdown versank. Der Bergstadtsommer war zu diesem Zeitpunkt zu Ende geplant und alles schien vergebens. Glücklicherweise konnte das Festival nun starten.

Im ersten, klassisch geprägten Konzertteil, saßen mit Frank Dupree (Piano), Gesa Jenne-Dönneweg (Violine) und Karsten Dönneweg (Violoncello) drei absolute Meister ihres Fachs vor dem erwartungsvollen Publikum. Nachdem in diesem Jahr der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven begangen wird, stehen seine Werke auch im Mittepunkt des Konzertgeschehens. Mit der Aufführung Beethovens Klaviertrio „Gassenhauer“ zeigten sich die Künstler von der mit Spielfreude geprägten Seite. Dieser Eindruck blieb auch mit Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio erhalten. Mit viel Beifall verabschiedete das Publikum die Künstler.

Mit dem jazzigen Auftritt spannt Frank Dupree, gemeinsam mit Mini Schulz (Kontrabass) und Obi Jenne (Schlagzeug), den Bogen über Beethoven bis Leonhard Bernstein. Die Aufführungen waren geprägt durch spontanen Szenenapplaus, wenn einer der Musiker solistisch neue Akzente setzte. Von Dupree war zu hören: „Wieso Rezepte so kochen, wie sie im Rezeptbuch stehen.“ Mit dieser Freiheit entstehen fantastische Improvisationen, die mit Szenenapplaus honoriert werden.

So bringt Frank Dupree Beethoven als Erfinder des Jazz-Rhythmus in Verbindung, obwohl dieser von Jazz noch nichts wissen konnte. Beethoven verwendet in einer seiner Kompositionen einen Takt, der, etwas anders betont, heute im Jazz zu finden ist. Jeder der drei Musiker stellte sich mehrfach als Solist vor. Das Trio brachte die Halle zum Beben. Stehender Applaus verabschiedete das Trio von der Bühne.