Die aktuellen Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern haben Urlaubsreisen deutlich erschwert. Insbesondere die allgemeine Testpflicht bei Auslandsreisen könnte sich für viele als unkalkulierbares Risiko erweisen, sagen Verbraucherschützer. Ein Überblick:
Wie ist der Stand?
Angesichts steigender Infektionszahlen haben sich Bund und Länder darauf verständigt, weiter von touristischen Reisen im In- und Ausland abzuraten. Das bedeutet zwar nicht, dass man gar nicht reisen kann und darf. Viel ist aber nicht mehr möglich.
Wie sieht es mit Auslandsreisen aus, etwa nach Mallorca?
Im Prinzip bleiben sie möglich, aber es gibt – sozusagen durch die Hintertür – harsche Einschränkungen. So sollen Touristen bei der Rückkehr generell auf Corona getestet werden. Das gilt beispielsweise auch bei der Rückkehr von Mallorca, das aktuell nicht als Risikogebiet gilt. Die Testung soll auch unabhängig vom Zweck der Reise gelten.
Die pauschale Test-Pflicht komme einem „verkappten Reiseverbot gleich“, sagt Oliver Butler, Reiserechts-Experte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (VZBW), dem SÜDKURIER. Der Grund: Sollte ein Reisender positiv getestet werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, das er auf den entstehenden Kosten sitzen bleibt. Im Zweifel müsse er die durch die Quarantäne im Urlaubsland entstehenden Kosten selbst tragen, sagt Butler. Es gebe zwar Versicherungen, ein „Rundum-Sorglos-Paket“, das alle Eventualitäten abdecke, sei ihm aber nicht bekannt. So steige das finanzielle Risiko für den Reisenden an.
Mit welchen Versicherungen kann man gegensteuern?
Medizinische Behandlungen in EU-Ausland würden von der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland übernommen, sagt VZBW-Experte Butler. Wichtig sei in diesem Fall, keine privaten ärztlichen Leistungen in Anspruch zu nehmen, da diese nicht gedeckt seien. Wer ins Nicht-EU-Ausland reisen wolle, dem empfiehlt der Verbraucherschützer eine Auslands-Krankenversicherung. Eine Corona-Behandlung in den USA könne sonst leicht 6000 bis 8000 US-Dollar kosten – pro Tag. „Wählen Sie besser kein Reiseziel, das nur mit dem Flugzeug erreichbar ist“, sagt Butler. Im Extremfall könne man sonst die Rückkehr bei Krankheit auch im Auto organisieren, was oft viel einfacher und kostengünstiger sei, als auf dem Luftweg.
Wohin kann ich im Ausland sonst noch reisen?
Es gibt für kein Ziel ein Reiseverbot. Grundsätzlich kann man in alle Länder reisen, in denen keine Einreisebeschränkungen für Deutschland gelten und in die es Flugverbindungen gibt. Für etwa 160 von rund 200 Ländern weltweit gilt aber die Quarantänepflicht bei Rückkehr, weil sie als Risikogebiet eingestuft sind. Neben Mallorca und den anderen Balearen-Inseln wie Ibiza, Menorca und Formentera sind bisher nur wenige Urlaubsgebiete in Europa nicht auf der Risikoliste. Dazu zählen die kroatische Ferienhalbinsel Istrien, Teile des spanischen Festlands und Portugals Algarve-Küste. An der Algarve dürfen aber beispielsweise die Hotels – wie in Deutschland – keine Touristen aufnehmen.
Kann ich auch in einem Risikogebiet Urlaub machen?
Verboten ist auch das nicht. Und Flugverbindungen gibt es in solche Gebiete auch. Zum Beispiel auf die Kanaren. Dort sind viele Hotels geöffnet. Allerdings muss man dann die Quarantäne bei der Rückkehr nach Deutschland auf sich nehmen.
Warum ist gerade der Auslandsurlaub so umstritten?
Virologen warnen, dass zunehmende Mobilität und Sorglosigkeit im Urlaub die Infektionszahlen in die Höhe treiben. „Wenn die Reiseaktivität steigt, dann werden auch die Inzidenzraten steigen. Das ist relativ klar“, sagt der Mainzer Virologe Bodo Plachter. „Im Urlaub möchte man sich erholen, möchte man dann auch Corona vergessen. Und das führt dazu, dass die Vorsicht sinkt und die Infektionsraten steigen.“ Diesen Effekt gab es schon im vergangenen Sommer. Die Reiseveranstalter halten dagegen, dass es ja Abstandsregeln und Hygienekonzepte gebe und daher Pauschalurlaub relativ sicher sei.
Will angesichts der neuen Infektionswelle überhaupt noch jemand verreisen?
Eine große Mehrheit der Deutschen will das nicht. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben 79 Prozent der Befragten bereits in der vergangenen Woche an, nicht verreisen zu wollen.
Wann kann man denn endlich wieder überall Urlaub machen?
Die Touristen-Hochburgen im In- und Ausland setzen nun auf die Sommerferien. Ein großer Teil der Menschen in Deutschland und ganz Europa dürfte dann geimpft und die Infektionslage einigermaßen stabil sein.

Wohin kann ich im Inland reisen?
Reisen kann man überall hin, man findet nur keine Unterkunft. Denn Hotels und Ferienwohnungen bleiben auch an Ostern in allen Bundesländern für Touristen geschlossen. Übernachtungen sind weiterhin nur in Sonderfällen gestattet, etwa wenn man beruflich unterwegs ist. In den allermeisten Ländern darf man auch nicht in Hotels übernachten, um Verwandte zu besuchen – nur dann, wenn dafür ein dringender Grund vorliegt. Das gilt auch für Ostern. Die Einzelheiten sind in den Länderverordnungen geregelt.
Darf ich wenigstens zu meinen Verwandten reisen?
Einem Osterbesuch bei der Familie steht grundsätzlich nichts im Weg. Allerdings dürfen auch dann nur maximal fünf Personen aus zwei Haushalten zusammenkommen, wobei Kinder bis 14 Jahre nicht mit zählen. Eine Lockerung der Kontaktbeschränkungen über die Feiertage – wie etwa an Weihnachten, als Treffen mit vier über den eigenen Hausstand hinausgehenden Personen möglich waren – wird es zu Ostern nicht geben.
Außerdem werden Bürger dazu ermutigt, die kostenlosen Testangebote zu nutzen – sich also vor dem Zusammenkommen testen zu lassen. Bayern und Niedersachsen kündigten an, in Gegenden mit mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen an der bisherigen Regel festzuhalten und auch an Ostern Treffen mit nur mit einer einzigen weiteren Person zu erlauben.
Wo kann ich dann übernachten?
Wer zu Ostern verreisen möchte, muss privat unterkommen, zum Beispiel bei Familienangehörigen oder Freunden. Die Bundesländer Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz hatten sich dafür eingesetzt, über Ostern einen „kontaktarmen Urlaub“ (etwa im Selbstversorger-Ferienhaus) im eigenen Bundesland zu ermöglichen, scheiterten in den Verhandlungen aber mit ihrem Vorschlag. Wer eine eigene Ferienwohnung als Zweitwohnung angemeldet oder einen Campingwagen dauerhaft angemietet hat, darf dort in der Regel weiterhin urlauben. Auch hier sind die Einzelheiten in den Verordnungen der Länder geregelt.
Wie sieht es mit Tagesausflügen aus?
Tagesausflüge sind erlaubt, aber auch hier raten Bund und Länder zu Vorsicht. Restaurants und Cafés bleiben geschlossen. In wenigen ausgewählten Regionen mit niedriger Inzidenz dürfen im Rahmen von zeitlich befristeten Modellprojekten mit strengen Schutzmaßnahmen und einem Testkonzept einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens geöffnet werden, um die Umsetzbarkeit von Öffnungsschritten zu testen. Die Auflagen für die sogenannte Außengastronomie sind streng. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) betonte am Dienstag, er habe nicht die Absicht den Tagestourismus Richtung Küste oder Harz über die Feiertage zu verbieten.