Ein Samstagvormittag im Vereinsraum der Trachtengruppe Markdorf. Zehn Frauen kommen diesmal zum Klöppelkurs von Marianne Höfer-Krey. Nach einer Mittagspause wird es noch bis gegen Abend dauern. „Klöppeln ist eine sehr alte Handarbeitstechnik“, erzählt die Kursleiterin. „Man kann auch sagen, das ist Kunsthandwerk“, ertönt ein Zwischenruf aus dem Hintergrund, reihum zustimmendes Nicken.
Birgit Beck, Zunftmeisterin der Historischen Narrenzunft Markdorf, ist eine der zehn Kursteilnehmerinnen. Seit 2019 ist sie dabei, wie sie erzählt. Dieses Mal arbeitet sie an einer Spitzendecke.

„Diese Tage sind so wertvoll“, sagt Beck und meint damit die profunden Sachkenntnisse von Marianne Höfer-Krey. „Es ist wichtig, dass diese Handarbeitskunst erhalten wird“, befindet Beck. Und verweist auf einen positiven Nebeneffekt: „Klöppeln entspannt mich.“
Höfer-Krey geht derweil von Tisch zu Tisch, um Fragen zu klären, Unklarheiten zu beseitigen und damit vor Fehlern bei nachfolgenden Handgriffen und Arbeitsschritten zu bewahren.

Klöppeln. Was für Laien altbacken klingt und wie aus der Zeit gefallen erscheinen mag, bietet ungeahnte kreative Entfaltung und vielseitige Verwendung: Aus Fäden unterschiedlichster Materialien wie etwa Leinen, Wolle, Seide oder auch mal feinen Drähtchen entstehen Spitzen, Setdeckchen, Schals, Schmuck, Fensterbilder, Fächer oder auch Weihnachtsdekoration. Und die genannten Beispiele bilden nur einen kleinen Ausschnitt der großen Bandbreite an Möglichkeiten ab.
Einst nur von Reichen bezahlbar
„Im Mittelalter konnten sich nur Reiche oder Adelige die Klöppelarbeiten leisten“, erzählt Kursleiterin Höfer-Krey. „Der Wert von beispielsweise mehrlagigen Kragen und Manschetten kann mit dem einer kleinen Eigentumswohnung verglichen werden.“ Warum? Klöppelarbeiten können immens zeitaufwendig sein. Höfer-Krey nennt ein Beispiel. Allein an einer Decke von 80 mal 80 Zentimetern mit mehreren aufwendigen floralen Mustern habe sie rund 600 Stunden verbracht.

Marianne Höfer-Krey bietet den Klöppelkurs im Vereinsraum der Trachtengruppe Markdorf inzwischen seit mehr als 20 Jahren an. Marion Kortmer, die nach eigenem Bekunden schon seit 30 Jahren diese alte Handarbeitstechnik pflegt, ist zwölf Jahre dabei. Auf ihrer Klöppelplatte von 60 mal 60 Zentimetern entsteht aus 54 Paaren schwarzer Seidenfäden ein Fächer. Gut und gerne 60 Stunden seien schlussendlich notwendig, bis der Fächer fertiggestellt sein wird, schätzt Kortmer. Die Kursleiterin korrigiert mit geübtem Blick nach oben: „Alles eingerechnet eher 80 Stunden.“
Wer sich für das Klöppeln interessiert, beginnt allerdings viel einfacher mit einem Klassiker: ein Lesezeichen. Denn hierfür ist die Anzahl von neun Faden-/Klöppelpaaren überschaubar. „Erlernt werden Grundtechniken wie Ganzschlag und Leinenschlag. Ganzschlag heißt drehen, kreuzen – drehen, kreuzen. Dann entsteht grobes Gewebe. Für feines Gewebe braucht‘s den Leinenschlag: kreuzen, drehen, kreuzen“, gibt Marianne Höfer-Krey einen ersten Einblick in Begrifflichkeiten der Handarbeitstechnik.

Alles klar? Keine Sorge. Klingt komplizierter, als es dann für das Fertigen des Lesezeichens tatsächlich ist. Kursleitern Marianne Höfer-Krey weist Neulinge natürlich in die Grundtechniken ein. Auch einfach mal in einen Kurs reinschnuppern und sich informieren ist möglich. Der Termin für den nächsten Klöppelkurs steht fest: Samstag, 21. Januar, ab 9 Uhr im Vereinsraum der Trachtengruppe Markdorf, Marktstraße 1.