Auf eine wechselvolle Geschichte mit vielen Höhepunkten blickte die Wehrer Novartis am Freitagabend zurück. Bei der Jubiläumsfeier zum 75-jährigen Standortjubiläum lud Geschäftsführer Martin Renner aktuelle und ehemalige Mitarbeiter sowie einige frühere Werkleiter zu einer kurzweiligen Zeitreise ein.

Weil die Geschichte der früheren Ciba eng mit der Stadtgeschichte verknüpft ist, hatte Renner als Co-Moderator Bürgermeister Michael Thater verpflichtet. Als Piloten der "Jubil-Air 75" brachten sie das Publikum durch turbulente Zeiten in die Gegenwart.

Beeindruckend die Erinnerungen des ältesten noch lebenden Ciba-Mitarbeiters: Der heute 94-jährige Hermann Kramer war 1948 aus der Kriegsgefangenschaft gekommen und bewarb sich gleich als Elektriker bei dem Unternehmen, das damals noch behelfsmäßig in der Wehra-Teppichfabrik untergebracht war.

Fünf Jahre zuvor war das Berliner Ciba-Werk ausgebombt worden und die Produktion ins Wehratal verlegt worden. Wehr, damals noch keine Stadt, warb nach Kriegsende um den Verbleib der Firma. Mit Erfolg. Die Ciba brachte Wirtschaftskraft nach Wehr und sorgte indirekt dafür, dass die Stadt bei der Kreisreform 1972 dem Landkreis Waldshut zugeschlagen wurde: Der ländliche Landkreis sei ohne die Wirtschaftskraft der Stadt Wehr nicht lebensfähig, beschied damals das Innenministerium, obwohl sich der Wehrer Gemeinderat zuvor einstimmig für die Zugehörigkeit zum Kreis Lörrach ausgesprochen hatte.
In unterhaltsamen Sketchen stellten einige Mitarbeiter die Meilensteine der Standortgeschichte nach und nahmen dabei auch manche Marotte der früheren Chefs aufs Korn. Da war beispielswiese der Neubau des berühmten Architekten Egon Eiermann an der Öflinger Straße, in dem es den Luxus eines Wannenbads gab, in dem die Mitarbeiter alle 14 Tage baden konnten – nach dem Krieg eine Sensation! Oder die Fusion von Ciba und Geigy 1971, die dem ohnehin schon florierenden Wehrer Standort nochmals einen Auftrieb brachte. Die Mitarbeiterzahl stieg in der Folge auf über 1000 an.

An die schwierigste Zeit des Standorts erinnerte Dieter Wissler, von 1996 bis 2000 Präsident der deutschen Novartis Holding. Er hatte im Sommer 1996 die schwere Aufgabe, die Fusion mit Sandoz zu managen. "Im Betriebsrestaurant war kein Platz leer, als ich den Mitarbeitern die Standortentscheidung mitteilte. Es war eine Atmosphäre, die unvergesslich bleibt", erinnerte sich Wissler an einen der emotionalsten Momente seiner Karriere. Weil die neue Novartis Deutschland ihren Hauptsitz nach Nürnberg verlegte, mussten 230 Mitarbeiter nach Franken wechseln, andere Disvionen wurden komplett ausgelagert. Ein Einschnitt im Leben vieler Mitarbeiter und ihrer Familien – aber auch für die Stadt Wehr, für die diese folgenreiche Nachricht "eine Katastrophe" bedeutete, wie Michael Thater sagte: Anfang der 2000er-Jahre hatte der Wehrer Standort nur noch knapp 200 Arbeitsplätze.

Drei der insgesamt sechs Novartis-Werkleiter erinnerten sich im Gespräch mit dem heutigen Novartis-Geschäftsführer Martin Renner an ihre Zeit in Wehr: John Paul Manning (2001 bis 2005), Andreas Brutsche (2005 bis 2008) und die mit einem ganz besonders herzlichen Applaus von ihren früheren Mitarbeitern empfangen Leila Schwery (2009 bis 2012).

"Ich habe Wehr noch immer ganz tief im Herzen, das war meine schönste Zeit", schwärmte Schwery. Unter ihrer Ägide wuchs die Belegschaft von 300 auf 500 an, nachdem 2005 unter John Paul Manning der Standort wieder als Pharma Produktions GmbH wieder eigenständig geworden war und dadurch konsolidieren konnte.

Für glänzende Unterhaltung sorgte ein Mitarbeiterteam, das die turbulenten Fusionszeiten mit Tanzeinlagen von Michael Jackson bis Gangnam-Style illustrierte.
Dem Jubiläum der Novartis Wehr widmen wir eine Serie. Die ersten beiden Teile können Sie hier nachlesen: