Schreckensnachricht für Mitarbeiter
Der Schock kam gleich zu Beginn des Jahres: Im Januar verkündete der Automobilzulieferer BCS Automotive Interface Solution das Aus seines Radolfzeller Werks: Ende 2024 soll dieses geschlossen werden – eine Hiobsbotschaft für die damals 610 Mitarbeiter. Hintergrund für die Entscheidung waren immense finanzielle Verluste in zweistelliger Millionenhöhe, die der BCS-Standort in Radolfzell seit mehreren Jahren erlitten hatte, sowie keine guten Prognosen für die Zukunft, wie Sprecherin Mandy Schuster damals mitteilte.
Jagd mitten in der Stadt
Wasservögel dürfen sich in Radolfzell eigentlich eines besonderen Schutzes erfreuen – das zeigt sich auch an der Ausweitung des Naturschutzgebietes im Markelfinger Winkel zum Schutz, die insbesondere dem Schutz von Wasservögeln dienen soll. Dennoch wurde Mitte Februar von einem Jäger im Auftrag der höheren Naturschutzbehörde im Regierungspräsidiums Freiburg (RP) in der Nähe des Bahnhofs eine Schwarzkopf-Ruderente erlegt. Wie das RP mitteilte, gab es dafür einen guten Grund – nämlich den Schutz der heimischen Weißkopf-Ruderente. Diese werde durch die in Nordamerika heimische und hier gebietsfremde Schwarzkopf-Ruderente gefährdet.
Im Krankenhaus gehen die Lichter aus
Es war wohl das meistdiskutierteste Thema in Radolfzell in diesem Jahr: Die plötzliche Schließung des Krankenhauses auf der Mettnau. Dass die Klinik vor dem Aus steht, war schon vorher bekannt, doch dann ging plötzlich alles doch schneller als gedacht, zum 30. Juni schlossen sich die Türen des Krankenhauses. Landrat Zeno Danner begründete das schnelle Ende mit dem Fachkräftemangel, massive Defizite im Gebäude und finanzielle Einsparungen durch die Schließung. Medizinische Angebote und Mitarbeiter zogen im Sommer an andere Standorte des GLKN um. Beendet war das Thema Krankenhaus damit aber noch nicht: Auch nach der Schließung beschäftigte es weiter Bürger, Stadt und Gemeinderat.
Neues Restaurant an der Mole
Der Abriss des alten Molencafés in Radolfzell sorgte für das Ende einer Ära. An seiner Stelle kam ein Restaurant-Neubau mit Biergarten der Bodensee-Hafen-Gesellschaft (BHG) – das in diesem Jahr am Osterwochenende mit deutlicher Verzögerung eröffnet wurde. Dass es so lange dauerte, lag an Lieferengpässen, Personalmangel und drastischen Preisanstiegen, wie zur Eröffnung erklärt wurde.

Leerstand beim Seemaxx
36 Verkaufsräume gibt es im Einkaufszentrum Seemax in Radolfzell, vier davon standen im April leer – und damit über zehn Prozent. Anlass für SÜDKURIER-Leser, sich um die Lage des Outlet-Centers zu sorgen. Doch der befand sich nicht in der Krise, wie Center-Manager Oliver Castek von der Frankfurter Firma Kintyre, die das Seemaxx betreibt, berichtete. Denn obwohl an der Zahl vier Läden leer waren, machte das nur 0,4 Prozent der zu vermietenden Fläche des 20.000 Quadratmeter großen Seemaxx aus. Zudem gab es für freigewordene Flächen schon Anfragen.
Invasion am Bodensee
Es war nervig, für so manche sogar ekelhaft: Im Sommer suchten riesige Mückenschwärme die Bodenseeufer heim, bis in die Innenstadt Radolfzells waren die Insekten in großer Zahl anzutreffen. Blutarmut musste dennoch nicht befürchtet werden: Wie Rainer Bretthauer, ehrenamtlicher Umwelt- und Klimaschutzbeauftragter, Biologe und Mücken-Experte, erklärte, handelte es sich bei den Schwärmen um Zuckmücken, die kein Blut saugen. Lange sollte das Phänomen auch nicht anhalten, denn die Zuckmücken haben nur eine Lebensdauer von drei bis vier Tagen.

Falschmeldung macht schnell die Runde
Es war ein Beispiel dafür, wie schnell Nachrichten über Chats und soziale Medien die Runde machen – auch wenn sie gar nicht stimmen: Im Juni machte in Radolfzell und auch darüber hinaus das Gerücht die Runde, die Polizei warne per Lautsprecherdurchsage vor einer möglichen Tornadogefahr. Dabei war dem überhaupt nicht so, wie Polizei und Feuerwehr auf Nachfrage berichteten, es handelte sich um eine Falschmeldung. Richtig war nur, dass der erste Abendmarkt 2023 wegen einer Unwetterwarnung ausfallen musste.

Sepp Bögle sagt Adios
26 Jahre lang begeisterte Sepp Bögle in Radolfzell Einheimische und Besucher mit seiner Steinkunst – bis jetzt. Denn im Oktober kehrte er der Stadt den Rücken und kündigte an, in sein traditionelles Winterlager nach Lanzarote zu reisen und vermutlich bis auf Weiteres auch nicht mehr zurückzukehren. Seine Zeit in Radolfzell sei vorbei, erklärte er, nachdem sein Stammsitz, die letzte Sitzbank auf der Mole, verschwunden war und ihn die Neugestaltung der Mole im Ganzen nicht sonderlich ansprach.