„Das Graf-Zeppelin-Haus ist ein Herzstück unserer Stadt, ein einmaliger Ort“, sagte Erster Bürgermeister Fabian Müller beim Auftakt zur energetischen Sanierung des GZH. 33 Millionen Euro sind dafür eingeplant. Um das 40 Jahre alte Graf-Zeppelin-Haus (GZH) rundum fit zu machen für die nächsten Jahrzehnte, werden rund 99 Millionen Euro nötig sein – ein gigantischer Betrag.
„Wir investieren in den Erhalt eines Gebäudes, das die Identität unserer Stadt prägt“, so Müller. Bei der Summe könnte man glatt über einen Neubau nachdenken. Was der kosten würde? „Mehr“, sagt Müller und lacht. Außerdem steht das GZH unter Denkmalschutz, selbst wenn man wollte: Einfach abreißen, ginge nicht – und will auch keiner.

99 Millionen Euro, wenn es bei den Kosten bleibt: Damit kostet die Gesamtsanierung etwa doppelt so viel wie einst der Neubau. Finanziert wird das von der Zeppelin-Stiftung, die im Besitz des Gebäudes ist. Das GZH ist damit eines der teuersten Gebäude, die die Stadt jemals gebaut hat.
Noch mehr hat laut Verwaltung in Summe nur die Messe gekostet, die in mehreren Abschnitten entstanden ist und von der Internationale Bodensee-Messe Friedrichshafen GmbH gebaut wurde, an der die Stadt zu 94 Prozent beteiligt ist.

Wie es eben so ist mit Gebäuden: Was vor 40 Jahren Stand der Technik war, ist längst veraltet, entspricht nicht mehr den Anforderungen oder Bestimmungen. Nun gibt es also fürs GZH eine umfassende Frischzellenkur. Erste Arbeiten sind bereits erfolgt. Für 13 Millionen Euro ist das Parkhaus modernisiert worden, auch in Bühnentechnik und Lüftungstechnik wurde bereits investiert. Nun geht‘s weiter mit der energetischen Sanierung.
Bodenseewasser liefert Energie
Was derzeit vermehrt diskutiert wird, hat man vor 40 Jahren beim GZH schon umgesetzt: die Nutzung von Seethermie. „Wir in Friedrichshafen waren die Ersten am Bodensee“, sagt Fabian Müller. Der Bodensee fungiert dabei als Energielieferant. Die Anlage wird auf den neuesten Stand gebracht. Die Arbeiten werden bis zum Winter 2026/2027 dauern.
„Mit der energetischen Sanierung legen wir den nächsten Meilenstein in Sachen Klimaschutz, denn wir werden sowohl Energie einsparen als auch bei der Wärme- und Kälteerzeugung komplett auf regenerative Energie umsteigen“, so Müller. Man will künftig bei der Erzeugung von Wärme und Kälte auf fossile Brennstoffe verzichten und dafür eine Wärmepumpenanlage einsetzen.
Der Vorteil: Vor allem in Übergangszeiten, in denen von Heizen auf Kühlen umgestellt, kommen Abwärme und Kälte weitgehend dem Haus selbst zugute. „Es wird nur die Abwärme oder Kälte in den See abgeführt, die nicht im Haus benötigt wird“, heißt es seitens des Rathauses.
Kein Seezugang bis nächstes Jahr
Bereits seit einiger Zeit ist der Seebereich vor dem GZH abgesperrt – daran werden sich die Häfler gewöhnen müssen. Die beliebte Liegewiese samt Seezugang bleiben gesperrt. „Es ist geplant, dass zumindest ein Teilbereich im Sommer 2026 wieder zugänglich ist“, sagt Stadtsprecherin Monika Blank. Dort, wo bislang die Statue von Graf Zeppelin stand, wird ein unterirdisches Pumpenhaus gebaut.

Der Graf ist derweil umgezogen in den oberen Bereich des GZH und soll später wieder seinen angestammten Platz bekommen. Sind die Arbeiten abgeschlossen, geht‘s im Winter 2026/2027 an die Außenanlagen: „Bäume und Sträucher werden nachgepflanzt, die Wege instand gesetzt oder auch teilweise neu angelegt“, heißt es aus dem Rathaus.

Völlig erneuert werden müssen die Seewasserleitungen. Sie wird neu gebaut und reicht 850 Meter in den Bodensee, davon die ersten 700 Meter unter dem Seegrund. Aus 15 Meter Wassertiefe wird durch die Leitung das Seewasser dann zum Pumpenhaus befördert. Nach der thermischen Nutzung wird das Wasser über das angrenzende Hafenbecken beim GZH in den See zurückgeleitet.
Solarenergie vom Dach
Auf die riesige Dachfläche des verschachtelten Baus kommen Solarmodule. Die Photovoltaik-Anlage soll jährlich rund 473.000 Kilowattstunden Energie liefern – 28 Prozent des Strombedarfs fürs Gebäude werden durch Sonnenenergie abgedeckt. Man rechnet mit einer Einsparung von etwa 223 Tonnen CO2 pro Jahr.
Ein Teil der Module kann so montiert werden, dass sie vom Gelände davor nicht wahrnehmbar sein werden. Das klappt aber nicht überall. Die Module auf dem Dach über dem Hugo-Eckener-Saal werden aus der Ferne zu sehen sein, trotz optischer Anpassungen. Undichte Stellen des Dachs werden eliminiert und die Dämmung erneuert. Dort, wo keine Solarmodule montiert sind, wird das Dach begrünt.

Der Betrieb geht weiter
Den einstigen Plan, das GZH für die Sanierung längere Zeit dicht zu machen, hat man beizeiten verworfen. Nun findet alles bei laufendem Betrieb ab. Das sei mit den beiden GZH-Gastronomen abgestimmt.
„Sowohl die Grüter-Gastronomie mit ihrem Cateringbetrieb und der Seeterrasse, als auch das Kurgartencafé mit Pächterin Candy Frankl halten den Betrieb während der Bauphase weitestgehend aufrecht“, so die Stadtverwaltung. Das gilt auch fürs Veranstaltungsprogramm. „Lediglich im Februar 2026 wird es einen Zeitraum ganz ohne Veranstaltungen geben“, sagt Matthias Klingler, Leiter des Graf-Zeppelin-Hauses.
Die energetische Sanierung ist ein wichtiger Schritt, darauf folgen aber weitere: Später sollen auch Veranstaltungs- und Konferenzbereiche sowie die Gastronomie modernisiert werden, ebenso Technik und Einrichtung. Das wird noch etliche Jahre in Anspruch nehmen.