Markdorf Zugegeben: Es hätten durchaus mehr Besucher sein können. Als am Mittwochabend die Gruppe Blues Inc. im Schlosshof auftrat, spielte sie vor recht wenig Publikum. Was allerdings am Regen gelegen haben muss – und keineswegs an der Musik der fünf Musiker aus Meckenbeuren, Bad Waldsee und Amtzell. Denn die klingt dermaßen nach Memphis, nach St. Louis, nach Chicago oder Detroit, dass – hätte Lead-Sänger Lothar Jenisch es bei der Begrüßung nicht ausdrücklich erwähnt – niemand auf die Idee gekommen wäre, Blues-Inc. könnte im Oberschwäbischen verwurzelt sein.
Zurück zum leichten Regen, der den Konzertauftakt zur Rätselrunde werden ließ. Nimmt er zu? Wann geht er vorüber? In jedem Fall passten die Niederschläge zur Niedergeschlagenheit, zur allfälligen Traurigkeit, die so typisch für Blues ist. Den redensartlichen Blues wollte Blues Inc. indes gar nicht erst aufkommen lassen. Sie spielten Johnny „Guitar“ Watsons „Gangster of Love“. Jenes schöne Beispiel dafür, dass es auch in diesem Genre munter, fröhlich, frech und mächtig drängend vorangehen kann. Da konnte es dann auch keinen mehr wundern, dass die Zuhörer geblieben sind, an den regennassen Biertischen und unter ihren Schirmen.
Als echt und erdig hat Lothar Jenisch den Blues-Inc.-Blues angekündigt. Erdig und echt war er auch. So fabelhaft keck wie die Band Wilson Pickets „Mustang Sally“ durch die Stadt cruisen lässt, so wunderbar schleppend zelebriert sie „The Jack“ von AC/DC. Roland Bochnos Bass hat dieses extrem gelassene Stapfen drauf. Und Oliver Hirmke liefert an seinem Schlagzeug die passenden Tiefen und Höhen dazu. Während Stefan Nadolski seine Gitarre mal schmachten, mal jubilieren lässt – zu Lothar Jenisch rauchig-rauem Gesang. Was ihm ebenso viel Zwischenapplaus einbrachte wie Keyboarder Thomas Kraft, wenn er zur Mundharmonika griff. Apropos Applaus – der war sehr, sehr viel heftiger als das bisschen Regen, das die Blues-Fans nicht abschrecken konnte. Und zu hoffen ist, dass Blues Inc. wieder kommt.