Die Geschichte des Gottmadinger Unternehmens Delikat essen begann vor fast 30 Jahren: Der frühere Küchenchef Markus Bruderhofer hatte es satt, Fleisch, Fisch und Beilagen aus exotischen Ländern zuzubereiten – und verschrieb sich regionalen Produkten. Nicht mehr als leitender Koch, sondern als Inhaber einer Feinkostmanufaktur im Gottmadinger Gewerbegebiet Goldbühl. „Delikat essen – Feines aus dem Hegau“, so firmiert Bruderhofers Unternehmen.

„Nach meiner Tätigkeit als Küchenchef in gehobener Gastronomie und einer Tätigkeit im Vertrieb eines Lebensmittelkonzerns reifte in mir der Gedanke, ein Unternehmen zu gründen“, sagt Bruderhofer. Er und sein Team, das fast durchweg aus Gottmadingen selbst kommt, produzieren dort nun viel Eingemachtes. Aber wie entstehen die Produkte mitten im Hegau? Und was zeichnet sie aus?

Regionale Produkte verarbeiten

Bei der Zubereitung von Soßen, Pesto, Pasten, eingelegten und lange haltbar gemachten Früchten in Gläsern sowie den anderen der insgesamt etwa 60 Produkten setzt Bruderhofer auf Erzeugnisse aus der Heimat, wie er berichtet. Deshalb ist er auch seit dem Jahr 2008 Mitglied von „Gutes vom See“, einem Zusammenschluss von Erzeugern und Händlern, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Produkte zu fertigen und vertreiben, die in ihrem Ursprung nicht mehr als 40 Kilometer vom Bodensee entfernt sind.

Und noch auf andere Weise setzt Bruderhofer auf Nachhaltigkeit: Ein Großteil des Stroms für sein Unternehmen fließt über großflächige Solarmodule. Alle Produkte werden in Gläsern abgefüllt. Auch kurze Wege zu Kunden und regionalen Lieferanten gehören zum Geschäftsmodell.

Schnelle Hände und flinke Finger

Fleißige Menschen sortieren mit schnellen Händen und flinken Fingern natürlich Gewachsenes wie Kräuter aus, um sie zu verlesen und weiterberarbeiten zu können. Soßen und andere Erzeugnisse kommen auch dank moderner Maschinen zur Abfüllung, fertige Gläserinhalte erhalten die Etikettierung. Auch die Höri-Bülle hat einen gewichtigen Stellenwert. Die verarbeitet Bruderhofer in verschiedenen Variationen, schon seit der Gründung 2014 hat er sich auch dem Verein Höri-Bülle angeschlossen.

Alles im Griff: Tim Tolle füllt die Saucen und andere Produkte per Automat ab.
Alles im Griff: Tim Tolle füllt die Saucen und andere Produkte per Automat ab. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Eingemachtes ist für Bruderhofer nichts neues: „Bereits während meiner früheren Tätigkeit wagte ich nebenher Schritt für Schritt den Gang in die Selbstständigkeit“, berichtet der Unternehmer. Damals noch Küchenchef des Gasthauses Alte Mühle in Rielasingen, fand er mit „Beschwipsten Früchten“ eine Möglichkeit, auch im Winter Früchte als Dessert anzubieten. „Frische Früchte, in ihrer Saison verarbeitet, werden mit Gewürzen und Alkohol eingekocht und können so auch in der kalten Jahreszeit als Dessert oder Begleiter zu Käse- und Fleischgerichten genossen werden“, erklärt er.

Silvia Seiler (links) und Manuela Klopfer leisten mit schnellen Händen und bei guter Laune ihre Arbeit bei der Verpackung und Etikettierung.
Silvia Seiler (links) und Manuela Klopfer leisten mit schnellen Händen und bei guter Laune ihre Arbeit bei der Verpackung und Etikettierung. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Und schon als Kind auf dem Bauernhof in Ebringen schaute Bruderhofer seiner Mutter gerne beim Kochen über die Schulter. Dort erwachten seine Neugier und seine Kreativität in der Gestaltung und Konzeption der Produkte. Schnell gesellten sich zu den Früchten Kräuterpasten und verschiedene Salatsaucen.

Die Bedeutung der Authentizität von Lebensmitteln, der Echtheit von Zutaten, aber auch die Schattenseiten lernte Markus Bruderhofer bei einem fünfjährigen Ausflug in die Lebensmittelindustrie kennen: „Ich habe schnell gemerkt, dass das für mich nichts mit Essen, mit Ernährung zu tun hat, wie ich es mir vorstelle. Irgendwann habe ich mir dann vorgenommen, meine eigenen Ideen umzusetzen“.

Die Familie als Testpublikum

Mit der Selbständigkeit und dem konsequenten Verzicht auf Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe sei die Produktpalette der kleinen Manufaktur gewachsen. „Die Freude am Ausprobieren neuer Ideen, Verwerfen und Neudurchdenken findet sich in den Produkten wieder.“ Und so ist die Familie des dreifachen Vaters häufig das Testpublikum für neue Rezepturen.

Der Chef legt selbst Hand an. Das Bild zeigt Markus Bruderhofer mit den Mitarbeiterinnen Emma Klein (links) und Susana Reis Pirisi beim ...
Der Chef legt selbst Hand an. Das Bild zeigt Markus Bruderhofer mit den Mitarbeiterinnen Emma Klein (links) und Susana Reis Pirisi beim Verlesen von Basilikum. | Bild: Bittlingmaier, Albert

„Aus einer saisonalen Verpflichtung heraus werden nur Produkte verarbeitet, die gerade verfügbar sind“, so Bruderhofer. „In vielen Bereichen können wir gegenüber der Konkurrenz preislich nicht mithalten. Wir bekommen aber sehr viel positive Resonanz. Selbst wenn wir bei der sehr aufwändigen und kostenintensiven Herstellung unserer regionalen Produkte deutlich teurer sind, schätzen viele Kunden die Qualität“, sagt er. Im Internet kostet zum Beispiel ein 130 Gramm-Glas Höri-Bülle-Apfelcreme von Delikat essen 4,20 Euro und 480 Milliliter Salatsoße 5,10 Euro.

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Corona-Zeit wirkte eher positiv

Besonders die Corona-Pandemie, die für viele andere Unternehmen zum Problem wurde, hat sich bei Bruderhofer positiv ausgewirkt: „Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen Konsum-Artikel wegen vorübergehender Geschäftsauszeiten nicht kaufen konnten, gab es eine verstärkte Nachfrage nach unseren Erzeugnissen. Das ebbte aber nach Corona wieder etwas ab“, so Bruderhofer.

Sandra Schlatter ist seit Firmengründung für die umfangreiche Arbeit im Büro zuständig.
Sandra Schlatter ist seit Firmengründung für die umfangreiche Arbeit im Büro zuständig. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Dennoch: „2000 bis 3000 Gläser mit regionalen Produkten gehen täglich in die Fertigung“, berichtet Sandra Schlatter, die im Büro den umfangreichen geschäftlichen Ablauf auf Papier und per E-Mail mit Freude an der Arbeit meistert. Sie wohnt im Hilzinger Ortsteil Weiterdingen. Und der befindet sich gerade mal etwa zehn Kilometer entfernt von Gottmadingen. Auch das passt zur regionalen Firmenphilosophie.