Schon um 10 Uhr ist Beschwerdemanagement gefragt. Ein älterer Badegast geht auf Theo Schlegel zu und muss Dampf ablassen. Stundenlang hätten am Tag zuvor Stand-up-Paddler ihre Boards aufgepumpt. Manche mit viel Zischen und Pfeifen im Handbetrieb, andere – und das überforderte vollends seine Toleranz – elektrisch unter lautem Knattern. Gegen Abend würden dann die Stöpsel gezogen. Wenn die Luft explosionsartig entweiche, sodass jeder zusammenzucke, dann sei es mit der Ruhe endgültig vorbei, sagt der Badegast. Bei 60 bis 70 Paddlern an Spitzentagen kann das schon mal an die Nerven gehen.

Seit 27 Jahren im Strandbad

Theo Schlegel hört geduldig zu und versucht, den aufgebrachten Senior zu beruhigen. Es sind Momente wie diese, die der geprüfte Meister für Bäderbetriebe nicht vermissen wird, wenn er sich Ende der Saison als Betriebsleiter und Badeaufsicht von seinem geliebten Strandbad verabschiedet.

Zumindest dessen ist er sich ganz sicher: „Ich bin jetzt seit 27 Jahren hier, davor war ich 20 Jahre lang in anderen Bädern beschäftigt. Jetzt freue ich mich darauf, die ganze Verantwortung abgeben zu dürfen.“

„Keiner liest die Badeordnung mehr“

Denn das Publikum habe sich in den vergangenen Jahren verändert. Sei man früher so etwas wie eine Großfamilie gewesen, in der jeder die Regeln kannte, sei das heute anders. „Keiner liest die Badeordnung mehr und niemand hält sich daran“, stellt Schlegel fest und sagt: „Das ist sehr schade.“

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Erschwerend komme hinzu, dass immer mehr Badegäste nicht schwimmen können. Sind sie in der Gruppe unterwegs, kann sich eine gefährliche Dynamik entwickeln. Wer will schon als Waschlappen gelten, wenn alle anderen vom Steg zum Floß kraulen wollen? Da seien die beiden Aufsichtskräfte richtig gefordert, sagt Schlegel. Sechs Einsätze hätten sie in dieser Saison bereits gehabt. Zum Glück konnten alle gerettet werden.

2000 Menschen das Schwimmen beigebracht

Stolz ist Theo Schlegel auf die etwa 2000 Menschen aus Friedrichshafen und Immenstaad, denen er, bevor er seinen Dienst im Strandbad antrat, das Schwimmen beigebracht hat. Bis heute, erzählt er, kämen die inzwischen mitunter 50-Jährigen auf ihn zu und würden ihn darauf ansprechen.

Überhaupt: Egal, ob er vorn beim Eingang sitzt oder sich über die Liegewiese zum Steg bewegt, überall wird Theo Schlegel mit Namen gegrüßt und viele bleiben stehen, um ein Schwätzle zu halten.

Renaturierung für ihn gelungen

Draußen auf dem Steg hat Schlegel einen guten Blick auf die Renaturierung des Ufers. Er sei immer dafür gewesen und findet, sie sei optisch hervorragend gelungen. „Natürlich sind jetzt nach den Erfahrungen der ersten Saison Nachbesserungen nötig“, sagt er. Erst am Tag zuvor sei ein Gremium aus Architekten und Stadtbauamt vor Ort gewesen, um eine Bestandsaufnahme zu machen.

Im aufgeschütteten Schotter befinden sich größere Steine, die den Zugang zum Wasser erschweren. Zumindest jetzt, bei niedrigem Pegelstand. Sand oder Kies würde dort aber bei Sturm sofort weggespült werden. Jetzt wird nach einer Lösung gesucht, damit man das Problem im Herbst beseitigen kann. Auch der Zugang zum Steg muss verbessert werden. Wo heute provisorische Gummimatten liegen, ist der Belag kaputt. Der soll ersetzt werden.

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Zu keiner Zeit aber mussten sich Badegäste auf allen Vieren ins Wasser robben, sagt Schlegel. Die Kritik sei unnötig aufgebauscht worden. Kein fremder Gast habe jemals reklamiert. Selbst die meisten der engagiertesten Renaturierungsgegner fänden das Ergebnis richtig schön, sagt der Betriebsleiter. Mit dem ganz kleinen Rest notorisch Unzufriedener könne man leben.

Nachfolge noch offen

Einen Nachfolger für Theo Schlegel gibt es noch nicht. Deshalb wird er im Herbst das Bad noch für den Winter vorbereiten und, sofern gewünscht, mit einem eventuellen Nachfolger nach der Vorbereitungszeit im kommenden Frühjahr wieder in Betrieb nehmen. Zwar endet seine Zeit als Betriebsleiter und Badeaufsicht nach dieser Saison, trotzdem bleibt er aufgrund seiner vielen Überstunden vorerst bei der Stadt Friedrichshafen beschäftigt. Offizieller Rentenbeginn ist der 1. März 2026.

Pläne für die Zeit danach hat Schlegel noch nicht, kann sich aber eine geringfügige Beschäftigung bei der Stadt vorstellen – nur keinesfalls im Aufsichtsdienst. Eine Menge Spaß hat er mit seinen beiden Enkeln; dem Älteren hat er bereits das Schwimmen beigebracht. „Da werde ich mich im nächsten Jahr an unserem Stammplätzle öfter zu meiner Familie gesellen“, sagt er.

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Jeder Tag brachte auch Spaß

Theo Schlegel ist jeden Tag gerne ins Strandbad gekommen, sagt er. Er habe jeden Tag Spaß gehabt. „Alles in allem gehe ich sehr glücklich von hier weg.“ Glücklich sei er über das großartige Kassen- und Aufsichtspersonal, das ihn in seiner letzten Saison begleitet habe, glücklich über die hervorragende Unterstützung durch den städtischen Bauhof, der immer alle Hebel in Bewegung setzte, wenn es galt ihm zu helfen. Jetzt hofft er, dass sich eine geeignete Person mit Berufserfahrung vorstellen kann, seine Aufgabe zu übernehmen.

Am Sonntag, 14. September, findet das traditionelle Abschlussgrillen statt. Am letzten Tag der Saison ist seit einigen Jahren erlaubt, was ansonsten verboten ist: Ab 17 Uhr darf jeder seinen Grill anheizen.