Als Gesundheitsstadt hat sich Überlingen dank seines Heilwassers bereits im Mittelalter einen Namen verschafft. Sichtbares Zeichen war später das Warmbad beim Bad Hotel und dann das „Kurmittelhaus“ am Rande des Stadtgartens. Den vorderen Teil des Grundstücks schmückten das so genannte „Badbrünnele“, dessen ursprünglicher Zufluss allerdings schon beim Bau des Eisenbahntunnels versiegt war, und die Skulptur „Vater und Sohn“ von Werner Gürtner, die jetzt beim Spielplatz in den Villengärten bereits ihren dritten Standort gefunden hat. Das Kurmittelhaus beherbergte einige Praxisräume für Badeärzte und das damals einzige Hallenbad in der Kernstadt.

Das ehemalige Kurmittelhaus wurde abgerissen

Ende der 1990er Jahre wurde die ganze, in die Jahre gekommene Einrichtung den Plänen für dringend notwendige zusätzliche Verwaltungsräume der Stadt und ein drittes Parkhaus geopfert und abgerissen. Die Planung lag beim damaligen Architekturbüro Reinhardt, Zohner und Partner. Etwa zwanzig Jahre davor war das Parkhaus Stadtmitte, zehn Jahre davor das Parkhaus Post gebaut worden. Mit dem dritten Bau dieser Art im Westen des Stadtkerns kam die Vision einer verkehrsberuhigten Altstadt auf. Doch es sollte noch 20 Jahre bis zum Umbau der Hafenstraße und weitere fünf Jahre zur Neugestaltung von Kloster- und Jakob-Kessenring-Straße dauern.

Eröffnung ließ auf sich warten

Das sogenannte Torhaus gegenüber dem geschichtsträchtigen Bad Hotel sollte quasi das Tor zur Altstadt werden. Auch damals differierten Wunsch und Wirklichkeit sowohl beim Fertigstellungstermin als auch den berechneten Kosten von 21,4 Millionen Mark, die zwischen Stadt (Verwaltungsgebäude) und den kommunalen Stadtwerken Überlingen GmbH (Parkhaus) aufgeteilt wurden. Während Mehrkosten im unberechenbaren Untergrund durch Einsparungen an anderer Stelle fast ausgeglichen werden konnten, hakte es bei den geplanten Öffnungsterminen.

Das könnte Sie auch interessieren

Schon damals klafften Gutachten und Wirklichkeit bei den Baugrunduntersuchungen auseinander und der Gemeinderat haderte mit den unerwarteten Mehrkosten. „Was taugen unsere Gutachten?“ hatte CDU-Stadtrat Lothar Fritz gefragt und fühlte sich an Wünschelrutengänger erinnert. Diese Frage stelle er sich häufiger, zeigte Architekt Jürgen Reinhardt Verständnis. Allerdings sei jedoch eine Untersuchung im Bereich unter dem alten Kurmittelhaus im Vorfeld gar nicht möglich gewesen, und der exakte Verlauf von Gesteinsschichten und Klüften sei ebenfalls erst nach dem Aushub erkennbar gewesen. „Wenn man ein Loch aufm

Das ehemalige Kurmittelhaus unterhalb des Gallertrums musste Ende der 1990er Jahre dem Bau des Torhauses und des Parkhauses West weichen.
Das ehemalige Kurmittelhaus unterhalb des Gallertrums musste Ende der 1990er Jahre dem Bau des Torhauses und des Parkhauses West weichen. | Bild: Hanspeter Walter

acht, sind alle, die reingucken, klüger!“ Insbesondere das erste Untergeschoss des Parkhauses stand wegen eindringendem Wasser lange nicht zur Verfügung.

Brandschutz und Aufzug erforderten Sanierung

Indessen konnte immerhin das neue Bürgeramt „Ü-Punkt“ im Erdgeschoss noch im Dezember 2000, zwar erst provisorisch, aber publikumswirksam eröffnet werden und sollte mit seinem offenen Konzept neben Bürgernähe auch Transparenz widerspiegeln. Doch die Schlüsselübergabe für das ganze Torhaus erfolgte erst im Mai 2001.

Gut 20 Jahre später stellte nicht nur der Brandschutz höhere Anforderungen, auch die Barrierefreiheit war nicht mehr auf der Höhe der Zeit. So gab es zwar von Anfang an einen Aufzug, der beim Bau noch als große Errungenschaft galt, doch war die Anlage immer störungsanfälliger geworden und musste komplett ausgetauscht werden. Zudem genügten die Freiräume vor den Zugängen für eine barrierefreie Nutzung speziell in den Obergeschossen unmittelbar vor den Treppen nicht mehr den aktuellen Vorschriften der Gefahrenvorsorge, wie Projektleiterin Sibylle Räther vom Gebäudemanagement der Stadt bei einem aktuellen Rundgang erläuterte. Deshalb wurden unter anderem die Zugänge zum Aufzug auf die rückwärtige Seite verlegt, wo eine größere Verkehrsfläche zur Verfügung steht.

Im Zuge der Sanierung wurde auch die gesamte Beleuchtung auf Energiesparlampen umgestellt.
Im Zuge der Sanierung wurde auch die gesamte Beleuchtung auf Energiesparlampen umgestellt. | Bild: Hanspeter Walter

Feinarbeiten sollen im Oktober beendet sein

Noch haben nicht alle Handwerker das Gebäude verlassen und benötigen bis Oktober, um die letzten Feinarbeiten abzuschließen, erklärte Räther. Doch steht nach der Sommerpause im September der Sitzungssaal im zweiten Obergeschoss wieder zur Verfügung. Um ihn zu betreten, mussten bislang zwei Stufen überwunden werden. Mit einem aufwendigen Umbau wurde der Fußboden des Raumes angehoben und niveaugleich ausgeführt.

Massiver gestaltet und gemauert wurden aufgrund des Brandschutzes auch die Kopierinseln außerhalb der Büros, die bislang mit Kunststoffwänden versehen waren. Selbst die kleinen Fenster zum Parkhaus, das im Eigentum und in der Verantwortung der Stadtwerke Überlingen steht, mussten ausgetauscht und durch Scheiben mit höheren Brandschutzwerten ersetzt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Gesamtkosten klettern in die Höhe

„Wir hatten auch die Brandschutzauflage, das Gebäude in zwei Nutzungseinheiten zu trennen“, erklärt Sibylle Räther. Dazu mussten die trennenden Innenwände ertüchtigt werden. Ein entscheidender Punkt war dabei auch, dass jeweils zwei separate Rettungswege geschaffen werden konnten, an denen sich die Feuerwehr bei Bedarf Zugang verschaffen kann. Neue Erkenntnisse während der Sanierung, erforderliche Mehrarbeiten und gestiegene Baukosten ließen die voraussichtlichen Gesamtkosten von zunächst veranschlagten 2,8 Millionen Euro auf 4,6 Millionen Euro klettern.