Konventionen waren nicht seins. Als der Überlinger Gemeinderat sich 1988 dafür entschied, ein neues Kurhaus zu bauen, war Peter Fesser von Anfang an dagegen. Er bereitete gemeinsam mit einer Handvoll weiterer Bürger der Stadt einen Bürgerentscheid vor, der die teuren Pläne kippen sollte. Es war die wohl folgenreichste Kontroverse der jüngeren Stadtgeschichte, deren Ergebnis unter anderem die Gründung der Liste für Bürgerbeteiligung und Umweltschutz (LBU) war, die seither mehrere Sitze im Gemeinderat hat.
Peter Fesser, Gründungsmitglied und anfangs auch für die LBU im Gemeinderat, ist nun im Alter von 74 Jahren gestorben. Der Tod ereilte ihn plötzlich und auch für sein näheres Umfeld vollkommen unerwartet. „Wir sind geschockt und sehr traurig“, sagt sein langjähriger Weggefährte Egi Ruh gegenüber dem SÜDKURIER. Beide verband schon vor dem Kurhausentscheid eine enge Freundschaft, die durch das gemeinsame kommunalpolitische Interesse geweckt wurde. Fesser selbst war Überlinger durch und durch. Er wuchs mit vier Geschwistern auf, lernte, nach der Schulzeit auf der Wiestorschule, bei den Bodenseewerken das Elektromechaniker-Handwerk. Nach Stationen in Berlin und Stuttgart, machte er sich 1978 in Überlingen selbstständig.
Mit Plakaten und Wurfzetteln warb er gegen das Kurhaus
An seiner Foto-Setzerei und Kopiererei in der Owinger Straße, die er zusammen mit seiner Frau Lisa erfolgreich führte, kam kaum ein Architektur- und Ingenieurbüro vorbei, wenn es um das Vervielfältigen von Plänen ging. Als 1988 die Kurhausfrage hochkochte, versorgte er die bunt zusammengewürfelte Gruppe mit Plakaten und Wurfzetteln, was Jahre vor der Erfindung des Internets am Erfolg der Initiative maßgeblich beitrug. Sein Geschäft war schließlich der Grund, weshalb er zwei Jahre später seinen LBU-Sitz im Gemeinderat aufgeben musste. Die Druckerei erforderte seinen ganzen Einsatz. Dafür rückte Martin Hahn, der spätere Landtagsabgeordnete der Grünen, für ihn nach.
Liebenswerter Mensch mit Ecken und Kanten
Berthold Grundler, damals ebenfalls für die LBU im Gemeinderate und viele Jahre ein enger Weggefährte, bescheinigt Fesser, er sei ein sehr geschätzter Ratskollege gewesen. Die Politik trieb den passionierten Zeitungsleser Peter Fesser weiter um. Kaum eine öffentliche Diskussionsrunde, in der seine sonore Stimme nicht zu hören war. Zuletzt engagierte sich der leidenschaftliche Boule-Spieler in der Debatte um die Bebauung des Rauenstein-Parks, die er klar ablehnte. Egi Ruh, über viele Jahre Mitglied im Überlinger Bauausschuss, trauert um einen „guten Freund“, der sich auch an Kritik und an anderen Meinungen reiben konnte. Er habe ihn sehr geschätzt, so Ruh. Sein Markenkern sei „klar in der Ansage und manchmal auch weniger diplomatisch“ gewesen. Ein liebenswerter Mensch mit Ecken und Kanten, einer, „auf den ich mich hundert Prozent verlassen konnte.“ Peter Fesser hinterlässt seine Frau Lisa sowie drei Kinder und drei Enkelkinder.
Die Trauerfeier ist am 12. September um 10 Uhr in der Friedhofskapelle Überlingen.