Das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen besticht nicht nur durch die detaillierte Darstellung der Stein- und Bronzezeit sowie den Gang durch das Archaeorama hinaus ins Freilichtmuseum mit den 23 rekonstruierten Pfahlbauhäusern. Der im Juni vergangenen Jahres eröffnete Neubau erfährt aufgrund seiner Architektur jetzt international Beachtung.
Auszeichnung in Athen
Im September werden der Verein für Pfahlbau- und Heimatkunde, der das Vorhaben in Alleinregie stemmte und mit circa 12 Millionen Euro den größten Teil der Kosten trug, und das Museum mit dem „International Architecture Award 2025“ in der Kategorie „Museums and Cultural Buildings“ des European Centres for Architecture Art Designs and Urban Studies sowie The Chicago Athenaeum in Athen ausgezeichnet. Dies teilt das Pfahlbaumuseum mit.
In der Begründung heißt es zu dem Bau aus dem Englischen übersetzt: „Der Höhepunkt des Holzbaus mit knapp 1300 Quadratmetern nutzbarer Fläche ist ein offener Dachstuhl mit einer expressiven Rahmenkonstruktion aus Laminat-Holz.“ Von außen erinnert das Gebäude an einen umgedrehten Einbaum. Der zwölf Meter hohe Holzbau ist zugleich Besucherzentrum und Ausstellungshalle. „Der Neubau fügt sich harmonisch in die Umgebung der kleinen Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen ein“, loben die Verantwortlichen weiter.
Nach dem Preis der Architektenkammer Baden-Württemberg für nachhaltiges und beispielhaftes Bauen 2025 und dem Deutschen Holzbaupreis 2025 verliehen vom Bund Deutscher Holzbaumeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes handelt es sich beim „International Architecture Award 2025“ um den ersten internationalen Preis.

Wöchentliche Anfragen aus dem Baugewerbe
Wie man auf den Neubau direkt am Bodenseeufer in Unteruhldingen aufmerksam geworden ist? Museumsdirektor Gunter Schöbel erklärt auf Nachfrage: „Die Architekten a+r aus Stuttgart, unsere Architekten, haben die Meldung verbreitet. Dazu kamen eine ganze Reihe Berichterstattungen in Architekturzeitschriften und eine Mund-zu-Mundpropaganda auch der insgesamt 34 beteiligten Gewerke.“ Laut Schöbel kommen inzwischen „wöchentlich Anfragen von Holzbauern, Zimmerleuten, Fachstudierenden Architektur, Verbänden, Beauftragten für barrierefreies Bauen, Architektenkammern, die uns besuchen möchten. Es ist nicht mehr nur die archäologische Führung, sondern auch der Bau der die Besucherinnen und Besucher fasziniert.“ Jede Woche wird eine Architekturführung angeboten.
Interesse am neuen Museum zeigen auch Politiker. Ein Besucher war kürzlich Peter Hauk, baden-württembergischer Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Im September wird zudem Nicole Razavi, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, erwartet, um den Bau anzuschauen.
Im ersten Jahr seit der Eröffnung konnten laut einer Mitteilung mehr als 285.000 Besucher gezählt werden. Der Blick in die Zukunft offenbart indessen: Im Bebauungsplan ist bereits ein Zwillingsbau zum Neubau genehmigt. Ideen zu Form und Inhalt gibt es nach Angaben des Pfahlbaumuseums schon. Die Realisierung hängt jedoch von weiteren Fördermitteln und den Wünschen der Besucher ab. Wie in den kommenden Jahren Inhalte vermittelt werden, ist eine der Fragen, die das Team um Museumsdirektor Gunter Schöbel dauerhaft begleiten.