Im Sommer 2025 hat der Betreiber eines italienischen Restaurants im baden-württembergischen Esslingen ein Verbot eingeführt, das bundesweit in die Schlagzeilen geriet: In seinem „Accanto Semplicissimo“ dürfen die Gäste die Rechnungen nicht mehr getrennt voneinander abrechnen und bezahlen. Ein Tisch. Eine Rechnung. Ein Zahlvorgang. Basta.
Der Wirt erklärt dies gegenüber der Bild: „Wenn zwei große Tische plötzlich getrennt zahlen wollen, bedeutet das für meine Kellner oftmals fast eine Stunde Extra-Arbeitszeit.“ Er hat vor allem Schwaben und Schweizer als Kernzelle des Problems ausgemacht: „Oftmals kommt es vor, dass Schwaben pingelig darüber diskutieren, wer wie viele Gläser aus einer Flasche Rotwein getrunken hat, und dass dies bitte auch für die Rechnungen gesplittet wird. Auch Schweizer Gäste legen diese nervige Eigenart an den Tag.“
Nicht mehr getrennt zahlen im Restaurant? Das sagen die Gastronomen aus unserer Region
Wie denken Gastronomen unserer Region über diese Thematik? Dürfen ihre Gäste weiterhin die Rechnung splitten, also getrennt zahlen? Haben sie Verständnis für das rigorose Vorgehen des Esslinger Kollegen? Der SÜDKURIER hat sich umgehört.
- Detlef Haupt (Geschäftsführer der Konzil Restaurant&Event GmbH): „Wenn unsere Gäste zu Beginn des Besuches bei uns erwähnen, dass sie die Rechnung splitten wollen, dann ist das gar kein Problem. Das Kassensystem lässt das super zu.“ Nervig könne es sein, „wenn zehn Personen am Tisch jeweils einzeln bezahlen wollen, das aber nicht angekündigt haben.“ Für die Entscheidung des Kollegen in Esslingen „habe ich kein Verständnis, denn eine getrennte Rechnung ist ein Recht des Gastes.“ Sobald etwas größere Gruppen ins Konzil kommen, fragen seine Mitarbeiter höflich, ob die Rechnung getrennt oder zusammen erfolgen soll „und danach richten wir uns dann.“
- Julia Röpke (Direktorin des Löchnerhauses auf der Insel Reichenau): „Schwierig wird es, wenn die Gäste erst am Ende sagen, dass sie die Rechnung gesplittet zahlen wollen.“ Der größere Zeitaufwand bringe den Service aus dem Rhythmus, „unsere Mitarbeiter stehen dann gefühlt ewig herum und müssen alles auseinander wursteln.“
- Daniel Märkl (Chef des Ziegelhofstübles zwischen Wallhausen und Dettingen): „Gesplittete Rechnungen sind eine Dienstleistung, die man dem Gast bieten sollte“, sagt er. „Für mich hat der Gast ein Recht darauf. Bei uns ist ein Verbot kein Thema. Mit unseren digitalen Geräten bekommen wir das problemlos hin.“ Er gibt aber auch zu, dass gerade in den großen Stressphasen, wenn alle Tische belegt sind und dann auch Mitarbeiter ausfallen, das Splitten der Rechnung mühsam sei.
- Martin Hübner und Jacqueline Perk (Geschäftsführer des Ko‘Ono in Litzelstetten): Das Ehepaar sieht ein „schwieriges Thema, denn sobald es ans Geld geht, sind viele Menschen aus Süddeutschland sehr empfindlich“, wie es Jacqueline Perk ausdrückt. Mit Änderungen täten sich die Einheimischen schwer. Daher sagt Martin Hübner: „Es wäre toll, wenn vor allem größere Gruppen eine Rechnung bezahlen und die Aufteilung dann unter sich ausmachen. Doch wir wollen den Ärger, wenn wir das vorschreiben, nicht auf uns nehmen.“ Jacqueline Perk kann den Kollegen in Esslingen verstehen, „denn wieso sollen andere Gäste ewig auf den Service warten, nur weil ein Zehnertisch die Rechnung auseinanderdividiert haben möchte?“
- Felix Grintsch (Chef des Restaurants Ufer 39 in Wallhausen): „Für mich ist das Verbot lächerlich, arrogant und nicht nachvollziehbar“, sagt er. „Ich verstehe es einfach nicht.“ Wenn zum Beispiel der Ruder-Club mit 25 Mann komme, „natürlich splittet man dann die Rechnung, das ist doch selbstverständlich. Mit der Technik von heute ist das doch gar kein Problem mehr.“
- Patrick Stier (Chef des Gourmet-Restaurants Papageno): „In der gehobenen Gastronomie ist es etwas anders“, erklärt er. „Unsere Gäste sind in der Regel sehr entspannt und regeln das unter sich, selten werden die Rechnungen gesplittet.“ Größere Tische liefen oftmals sowieso auf Rechnung, vor allem, wenn zuvor eine Menü-Absprache stattfand: „Dann schicken wir hinterher die Rechnung und bekommen den Betrag komplett überwiesen.“ Was jedoch auch im Papageno nicht geht: „Wenn vier Personen eine Flasche bestellt haben, dann können sie den Betrag nicht durch vier teilen und dann einzeln mit der Karte abrechnen.“