Schon der selige George Herbert Leigh Mallory hat ja bekanntlich auf die Frage, warum man den Bodensee umrunden müsse, mit dem geflügelten Wort „weil er da ist“ geantwortet. Umsetzen konnte er dieses Vorhaben allerdings nie. Nur den Mount Everest ist er bis fast ganz oben hinaufgestiegen – eine vergleichsweise kurze Strecke in zugegebenermaßen deutlich dünnerer Luft.
Doch ob Gewässer oder Gipfel: Längst ist der heiße Scheiß der Erstbezwingertage zum kalten Kaffee des Volkssports geworden. Mit dem Fahrrad – 242 Kilometer, 1300 Höhenmeter und drei radweginduzierte Nahtoderfahrungen auf deutscher Seite, ich spreche aus Erfahrung – muss die Umrundung des Bodensees schon an einem Stück gelingen. Andernfalls lässt sich nicht einmal mehr ein Anflug von Bewunderung bei jenen erzwingen, denen man von seiner allzu alltäglich gewordenen Heldentat berichtet.
Längst wurde er umwandert, durch- und umschwommen, umpaddelt und natürlich umrannt. Und zwar mehrfach, ob mit oder ohne wohltätigen Zweck. Doch nun ist tatsächlich jemandem noch etwas völlig Neues eingefallen, das ihm im Erfolgsfalle jenes süße Einzigartigkeitsgefühl verspricht, dem wir alle nachjagen.
Ein Heilbronner will den Bodensee mit einem Baumstamm auf dem Rücken umlaufen! Damit sammelt er nicht nur Schmerzen und Geld, sondern liefert auch ein inspirierendes Beispiel für die verzagten Spätgeborenen, die glaubten, nichts mehr leisten zu können, was niemandem schon vor ihnen gelang.
Brauchen Sie noch eine ungewöhnliche Idee?
Was tun sich da nicht alles für ungeahnte Möglichkeiten auf! Lassen Sie uns 2026 – so eine schöne runde Zahl, auch in der Quersumme – zum Jahr der ungewöhnlichen Erstumrundungen machen. Rückwärts gehend und dabei laut das Buch „Spielplatz der Helden“ des Bodensee-Schriftstellers Michael Köhlmeier vorlesend.
Hüpfend und mit einem Blumenstrauß in der Hand, der am Zielort der hiesigen Apfelkönigin übergeben wird. Im Schlängellauf mit einem geexten Bier pro Strandkneipe am Wegesrand. Mit dem E-Bike ohne Akku. Mit einem Bierfass auf dem Rücken wie im mittelsächsischen Freiberg, wo sie dieses Jahr schon zum 20. Mal ihre völlig verrückte Fassathlon-Weltmeisterschaft ausgetragen haben.
Im Entengang auf zwei SÜDKURIER-Ausgaben, die Schritt für Schritt weitergeschoben werden, sodass die Füße kein einziges Mal den Boden berühren. Reitend auf einem Riesenwels und dabei die mordlustigen Hobbyangler am Ufer und in ihren Booten verhöhnend. Keine, wirklich gar keine Idee ist zu doof.
Schreiben Sie mir gern, was Sie sich für unser Erstbezwinger-Jahr ausgedacht haben, und beginnen Sie mit dem Training. Denken Sie dran: Es muss weh tun, um für eine Geschichte in der Zeitung zu taugen. Der Bodensee will von Ihnen erstmals umrundet werden. Weil er nun mal da ist.