Als die Bagger Anfang des Jahres auf dem Höhenzug Länge bei Hüfingen die ersten Gräben aushoben, war noch nicht zu erkennen, was inmitten des Waldes entstehen soll. Mittlerweile geben die sechs einzelnen Baustellen schon ein klareres Bild ab.

Das sollten sie auch, denn in nicht mal einem Jahr sollen auf der Länge sechs Windräder in Betrieb gehen.

Nach dem Winter kommen die Rotorblätter

„Wir liegen im Projektzeitplan und gehen von einer Inbetriebnahme im Juli 2026 aus“, sagt Bene Müller, Vorstandschef der Singener Firma Solarcomplex, die den neuen Windpark auf der Baar baut.

Solarcomplex-Chef Bene Müller auf der Baustelle des Windparks im März 2025.
Solarcomplex-Chef Bene Müller auf der Baustelle des Windparks im März 2025. | Bild: Daniel Vedder

Unterirdisch ist alles soweit gerichtet, jetzt geht es Stück für Stück in luftige Höhen. Nach dem Gießen der Fundamente hat nun der Turmbau begonnen.

Einer der Türme ragt auch schon erkennbar über den Waldrand hinaus, sagt Bene Müller. Die weiteren fünf sollen einer nach dem anderen folgen. „Die Bauarbeiten können nicht parallel an allen sechs Anlagen laufen. Dafür bräuchte man zu viele Leute und Maschinen.“

Gleichzeitig baut Solarcomplex derzeit am Netzanschluss zum Umspannwerk nach Blumberg. Bis zum Winter sollen laut Müller alle Türme stehen und der Stromanschluss gesichert sein. „Die Gondeln und Rotoren kommen dann im nächsten Frühjahr hoch“, so Müller zum weiteren Fahrplan.

Windenergie-Rückzug hat keine Auswirkungen

Für die Singener zählen die sechs Anlagen bei Hüfingen zu den vorerst letzten, die Solarcomplex umsetzen wird. Ende Juni hat das Unternehmen bekanntgegeben, dass sie sich vorerst von der Windenergie und weiteren Projekten verabschieden. Wie Bene Müller damals erklärte, könnten er und seine Firma neue Projekte nur noch realisieren, wenn „wir genügend neue Mitarbeiter finden würden“, was beim Bau von Windrädern in der Region nicht möglich sei.

Bis Juli 2026 sollen die Windräder auf der Länge bei Hüfingen stehen.
Bis Juli 2026 sollen die Windräder auf der Länge bei Hüfingen stehen. | Bild: Bene Müller/Solarcomplex

Folgen für die laufenden Projekte, darunter der 55 Millionen Euro teure Windpark Länge, hat die Kursänderung bei Solarcomplex nicht, sagt Bene Müller: „Die in Planung befindlichen Projekte werden selbstverständlich abgeschlossen. Das sind die Windparks Länge und Brand mit zusammen neun Anlagen.“ Bei Brand handelt es sich um ein Projekt bei Tengen.

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Tag der offenen Baustelle im September

Bald sollen Interessierte auch die Möglichkeit bekommen, selbst den Fortschritt der Baustelle auf der Länge zu begutachten. Laut dem Solarcomplex-Chef ist für Samstag, 27. September, von 14 bis 17 Uhr, ein Tag der offenen Baustelle geplant.

Dann werden zwar noch keine fertiggestellten Windräder stehen, aber zumindest der Blick auf ein paar Türme und darauf, wie die Anlage am Boden nun aussieht, möglich sein.

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Umsetzung dauert über ein Jahrzehnt

Vergleichsweise lange ist es nun schon ruhig um das Windprojekt auf der Baar. Gehen die Windräder, wie geplant, im kommenden Juli ans Netz, endet ein viele Jahre andauernder Prozess, bestehend aus Klagen, Widerstand und Ärger.

Jens Borchers, Leiter des Fürstlich Fürstenbergischen Forstbetriebs, sagt mit Blick auf die lange Vorgeschichte des Baus: „Von Beginn der Planung bis zum Start des Baus waren 13 Jahre ins Land gegangen. Insgesamt haben sich drei Unternehmen am Projekt versucht.“ Ebenso viele Bürgermeister saßen seitdem an der Spitze des Hüfinger Rathauses.

Gegen den Bau des Windparks gab es in der Genehmigungsphase diverse Klagen. Zuletzt schaltete die Naturschutzinitiative Rheinland-Pfalz (RI) den Verwaltungsgerichtshof des Landes ein, einigte sich dann schließlich im November 2024 mit dem Betreiber auf einen Vergleich, der den Bau endgültig ermöglichte.