Die große Rede führt man beim Deutschen Maschinenbau-Verband VDMA selten. Lieber ziehen die Vertreter der beschäftigungsstärksten Industriebranche des Landes im Hintergrund die Strippen. Anfang der Woche platzte es aus Verbands-Chef Bertram Kawlath aber förmlich heraus. Der Zoll-Deal, den EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Ende Juli mit US-Präsident Donald Trump abgeschlossen hatte, sei für die gesamte Branche „ein nicht tragbares Ergebnis“. Mehr noch: Der Deal treibe wichtige Industriezweige in Deutschland „an den Rand einer existenziellen Krise“.
Von gemeinsamen Werten mit Europa ist in den USA wenig übrig
Langsam wacht man in Wirtschaft und Verbänden auf. Lange hatte man sich dort der Hoffnung hingegeben, bei den USA im Jahre 2025 handele es sich im Grunde immer noch um den verlässlichen Partner der vergangenen Jahrzehnte. Einen von uns eben. Die Geschwindigkeit, in der Trump demokratische Institutionen hinwegfegt, die Gewaltenteilung aushebelt und die Weltwirtschaftsordnung schleift, konnten viele zu lange nicht fassen. Dass es quasi keine Gegenwehr von innen gibt, ebenso wenig.

Es ist leider doch so. In Schutzgelderpresser-Manier ordnet der US-Präsident auch die internationalen Beziehungen neu. Sein Vorbild im Amt ist Theodore Roosevelt, der mit dem sprichwörtlichen „dicken Knüppel“ in der Hand Anfang des 20. Jahrhunderts die westliche Hemisphäre verheerte. Trumps Knute sind die Zölle, mit denen er nach Lust und Laune auf alle eindrischt, die sein Missfallen auf sich ziehen.
Trump hat es auf Europa abgesehen
Auf Europa hat er es abgesehen. Den Kontinent hält er für schwach, seine liberalen Werte verachtet er. Deutschland empfindet er als arglistig, weil das Land im Windschatten von US-Sicherheitsgarantien wirtschaftlich erfolgreich und reich geworden ist. Sein Projekt ist nun, das zu ändern. Deutschland soll zahlen, und das nicht zu knapp.

Maschinenbau-Chef Kawlath beklagt, dass Trump den gerade ausgehandelten Zoll-Deal mit Füßen trete. Statt mit nur 15 Prozent wie vereinbart würden bereits 150 Produkte – darunter etwa Motoren, Roboter, Traktoren und Baumaschinen – doch mit 50 Prozent besteuert. Für fast ein Drittel aller EU-Maschinenimporte in die USA gelte dieser Horror-Zoll bereits. War das nicht anders ausgemacht?
Trumps Wüten trifft auf ein geschwächtes Deutschland
Trumps Wüten trifft auf einen sowieso schon geschwächten Standort mit vielen hausgemachten Problemen. Reformmüdigkeit und Überregulierung in der Politik paart sich mit einer ausbreitenden Vollkaskomentalität beim Bürger, die Eigenverantwortung zur Nebensache degradiert. Strategische Fehlentscheidungen in Schlüsselbranchen wie der Automobilindustrie haben das Land technologisch nach hinten durchgereicht. Unten wie oben ist der Gemeinsinn abhandengekommen, und man sucht sein Heil im Individualismus. Die labile Lage nutzt Trump aus und tritt nach.

Trump gegen den Rest der Welt – Chance für Europa?
Deutschland und Europa können sich das nicht gefallen lassen. Die Rolle des „tributpflichtigen Vasallen“, wie der Spiegel schreibt, steht dem Kontinent nicht. Dafür ist man, trotz diverser Probleme, auch noch viel zu stark. Vor allem aber ist Europa nicht allein. Im Wochentakt demütigt Trumps Amerika internationale Partner – von Kanada über Brasilien, Mexiko und Indien bis hin zur Schweiz.

Dies für sich zu nutzen und neue Allianzen zu schmieden, ist für Europa nun wichtiger denn je. Der globale Markt besteht aus acht Milliarden Menschen, nicht nur aus 340 Millionen US-Amerikanern, auch wenn letztere deutlich mehr nachfragen als der Rest. Außerhalb der USA erkennt man zudem sehr wohl die Vorteile, die in internationaler Kooperation liegen. Dass Trump mit seiner kruden Welt-Deutung die Regeln des Spiels bestimmt, sollten wir nicht zulassen.