Ein nebliger Mittwochnachmittag am Bodensee, perfektes Hallenbad-Wetter also. Im Foyer des Sportbads trifft gerade eine Gruppe kleiner Schwimmschüler ein. „Wir sind so froh, dass die Schwimmkurse endlich wieder stattfinden können,“, sagt Daniela Zweifel, Abteilungsleiterin Bäderbetriebe in Friedrichshafen. Erst die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie, jetzt durch die Energiekrise – seit Eröffnung des neuen Sportbads im Juni 2019 gab es kein normales Betriebsjahr. „Aber immerhin konnten wir überhaupt öffnen“, bemerkt Zweifel.

Offen – das sind im Sportbad derzeit die fünf Schwimmbecken, davon zwei Lehrbecken und die Rutsche, aber nur am Wochenende, an Feiertagen und in den Ferien. „Das Sportbad hat in Summe einen sehr hohen Energiebedarf und wir haben sehr lange überlegt, wo wir einsparen können“, erklärt Zweifel und zeigt auf die Sandsäcke, mit denen der Zugang zum Soleaußenbecken abgedichtet ist.

Sauna, das Dampfbad und Außenbecken sind zu
Die Sauna, das Dampfbad und das Außenbecken sind geschlossen. Im Außenbecken ist noch Wasser, das ist aber kalt. In einem Bad wie diesem Energie zu sparen – das scheint ein komplexer Prozess zu sein, der sorgfältig abgewogen werden muss. „Natürlich muss man den Kosten-Nutzen-Effekt gut durchdenken, denn viele Dinge können nicht einfach abgestellt werden werden ohne dass etwas kaputt geht“, erläutert Zweifel. So muss beispielsweise das Dampfbad immer wieder in Betrieb gesetzt werden – aus Wartungsgründen.

Was viele Menschen ärgert: Auch die Wasser- und Lufttemperaturen wurden heruntergedrosselt. „Viel zu kalt“ – so lautet der Tenor im Online-Portal „Sag‘s doch!“. Auch bei Google mehren sich die negativen Bewertungen. Und, so scheint es, etliche Besucher bleiben weg.

Auch an jenem Mittwochnachmittag ist erst mal wenig los. Stanislava Knansova und ihre kleine Tochter Karolina haben das Nichtschwimmer- und das Kleinkindbecken fast für sich. „Wir sind das erste Mal da“, sagt die Tettnangerin. Karolina hat sichtlich Spaß. Ist es nicht zu kalt mit Kleinkind hier? „Nein, ist doch wunderbar so“, findet die Mutter. Aktuell haben die beiden Becken 30 Grad, vorher 31 Grad.

„Wenn man schwimmt, dann geht es schon“
Die Liegestühle am Beckenrand sind leer. Nur auf einer Bank sitzen zwei Besucher. Es sind die Rentner Rita Heinrichs aus Friedrichshafen und Peter Lemp aus Kressbronn. Zwei echte Stammgäste, die seit mehr als 40 Jahren ins Friedrichshafener Hallenbad kommen. „Wir kommen auch weiterhin“, sagen sie. „Wenn man schwimmt, dann geht es schon, aber wenn man am Beckenrand steht und sich mal unterhalten will, dann dürft es schon ein, zwei Grad wärmer sein“, meint Lemp. Was die beiden am meisten vermissen? „Das Soleaußenbecken und den früheren Warmbadetag!“, antwortet Heinrichs.

Weiter geht es zum Schwimmerbecken. Im hinteren Lehrbecken übt gerade ein Kanuverein mit seinem Nachwuchs. Einige Kinder tragen Neopren-Shortys. „Das ist natürlich ausdrücklich erlaubt und das machen auch viele Kinder, die mit ihren Schulen und Vereinen kommen“, sagt Zweifel. 26 Grad hat das Wasser im Schwimmer- und Lehrbecken, also zwei Grad weniger als vorher. „Im Anfängerbecken haben wir es auf 28 Grad gelassen, denn wenn Kinder Angst vor dem Wasser haben, wollen sie auch nicht schwimmen lernen“, so die Abteilungsleiterin.

Im Schwimmerbecken zieht Christian Lindebacher gerade seine Bahnen – so wie jeden Tag. „Wenn ich schwimme, merke ich es nicht, aber kälter dürfte es trotzdem nicht sein“, sagt er. Sein Vater, der auch eine Jahreskarte habe, komme nicht mehr, weil es ihm zu kalt sei. „Mich ärgert eher das geschlossene Dampfbad und die Sauna“, so Lindebacher.
Daniela Zweifel zeigt Verständnis für den Frust, den Ärger. Später sagt sie: „Wir sind eben keine Therme, sondern ein Sportbad. Unser Fokus liegt auf den Kindern, den Vereinen, Schulen, den Familien.“
Am Ende folgt der Selbsttest. Rein in den Badeanzug, kurz unter die kühle (!) Dusche – so wie Daniela Zweifel es geraten hat – und ab ins Schwimmerbecken. Ui, das ist schon frisch! Ich mache meine ersten Züge. Nach wenigen Minuten spüre ich die kühle Temperatur gar nicht mehr. Danach geht es in den Sprudel im Nichtschwimmer-Becken. Wunderbar! Und so leer! Auf dem Weg zur Dusche bereue ich, mein Handtuch im Spind gelassen zu haben, denn wer aus dem 30 Grad warmen Wasser steigt, empfindet die Luft mit gleicher Temperatur als kühl.
Bibbern in der Kabine
In der Dusche treffe ich erneut auf Stanislava Knansova und und ihre kleine Karolina. „Oh, jetzt auf dem Weg war es doch schon frisch“, meint sie. Ab zur Umkleidekabine. 19 Grad hat die Lufttemperatur hier. Ich bibbere zum ersten Mal bei diesem Sportbad-Besuch. Zum Glück ist der Wintermantel nicht weit.