Bad Dürrheim Vielleicht haben Sie das bereits einmal erlebt oder davon gelesen? Da hat jemand, nach jahrelangen Anstrengungen, endlich sein Ziel erreicht. Ist beispielsweise Abteilungsleiter, Chefarzt, Schulleiterin oder Deutscher Meister im Sport geworden und danach ist plötzlich die Luft raus. Alle Kräfte und Energie, vielleicht auch Geld, hat man für sein Ziels aufgewendet – und nun steht man erschöpft (ziellos?) vor der neuen Aufgabe. Ähnlich kann sein, wenn man mit letzter Kraft die Rente oder Pension erreicht und dann nicht weiß, wie es weitergehen soll. Das Leben als neue Schulleiterin verwandelt sich in die eher als jämmerlich erlebte Tätigkeit eines Büromenschen. Der neue Chefarzt muss plötzlich Aufgaben übernehmen, auf die er kaum vorbereitet war, hat außerdem sein bisheriges Team verloren. Trainingsarbeit und Konzentration kann man nach dem sportlichen Triumph plötzlich nicht mehr aufbringen…
Das etwas flapsige „Peter-Prinzip“ sagt, dass jeder so lange Karriere macht, bis er die Stufe seiner Inkompetenz erreicht hat. In der Motivations-Psychologie gibt es den klugen Satz von Paul Watzlawick: „Hüte dich vor dem Ankommen!“ Solange wir ein lohnendes Ziel vor Augen haben, können wir unsere Anstrengungen bündeln. Begeisterung, Freude oder Pflichtgefühl halten uns bei der Stange. Und nach großen Anstrengungen spüren wir, dass es neben den Pflicht-Aufgaben auch den Genuss der Kür und des Vergnügens gibt.
Wir drohen zu scheitern, wenn wir nicht begreifen, dass jeder Gewinn auch einen Verlust bedeutet. Andererseits müssen wir akzeptieren, dass wir ohne Leistung und Anstrengung kein gutes Selbstwertgefühl entwickeln können. Es wäre gut, seine Grenzen zu kennen und immer ein Ziel im Sinn zu haben. Ein Leben ohne Aufgabe, Ziel und Freude ist düster und deprimierend. Eine wohlwollende, gar liebevolle Hingabe und Bindung zum Beispiel an Menschen stellt eine seelische Lebensversicherung dar. Der Mensch benötigt Aufgaben, sollte aber auch die Kunst des Nichtstuns beherrschen.