Zwei neue Kreisel, auch mehr Grün entlang der B33-Ortsdurchfahrt, auf der die Autos zugunsten der Fußgänger und Fahrradfahrer zusammenrücken sollen – das sind die wichtigsten Vorschläge, die das Ulmer Verkehrsplanungsbüro Modus Consult nun der Stadt vorgelegt hat. Nach erfolgtem Bau der Südumfahrung könnte die Fahrbahn der Straße verengt und mindestens 1,5 Meter breite Fahrradstreifen angelegt werden, sagte Modus-Consult-Geschäftsführer Claus Kiener im Gemeinderat. Weitere Anregungen in der Fortführung des Markdorfer Mobilitätskonzeptes: Von der B33 aus das Parkhaus Post zugänglich zu machen sowie die Einmündungen der Bahnhofstraße und der Weinsteige umzugestalten.
Brummis aus der Stadt verbannen
Kiener hält auch ein Schwerlastverkehrsverbot für sinnvoll. Voraussetzung sei, dass die Südumfahrung als K7743 neu fertig ist. Derzeit rollen laut der jüngsten Verkehrszählung Kiener zufolge täglich rund 1200 Lkw durch die Stadt. Mit der Ortsumfahrung dürfte sich der innerstädtische Schwerverkehr jedoch deutlich senken lassen. Kiener rechnet dann nur noch mit rund 200 Lkw am Tag. Ein erheblicher Teil davon könne aber nicht ausgesperrt werden, weil die Transporte über Bermatingen das Salemer Tal ansteuern.

Auch wie sich die Schwerlastverkehre verändern, wenn Markdorf seine Ortsdurchfahrt umgestaltet, hat Modus Consult untersucht. Wenn die Ortsdurchfahrt für den nicht motorisierten Verkehr ausgebaut würde, hätte das einen Verdrängungseffekt. Geh- und Radwege könnten zusätzlich einen bis zu anderthalb Meter breiten, mit Bäumen bepflanzten Schutzstreifen bekommen. Der Platz für Fahrzeuge würde dann zwangsläufig schrumpfen.

Komme es zu dieser „Optimierung“ der Ortsdurchfahrt, lautet Kieners Prognose, dass 2035 dann weniger als 50 Schwerverkehrsfahrzeuge den Weg durch die Stadt suchen. Fast alle zählen dann zum sogenannten Ziel- und Quellverkehr – sie liefern oder sie holen also in der Nachbarschaft ab.
Wer trägt die Kosten?
„Viele gute Ideen“, befand Kerstin Mock, Fraktionsvorsitzende der CDU, und fügte ein deutliches Aber an: „Wer zahlt‘s“? fragte sie zu jenen Neuerungen, die Kiener als Fortschreibung des im April 2019 entwickelten Mobilitätskonzeptes vorgelegt hat.

Auf offene Fördertöpfe hofft Uwe Achilles. Der Fraktionsvorsitzende der SPD fragte: „Müssen wir das selbst zahlen, wenn wir uns Kreisverkehre wünschen oder dürfen wir auf Fördermittel hoffen?“ Achilles erinnerte in diesem Zusammenhang an die die im Stuttgarter Verkehrsministerium propagierte Mobilitätswende, die im Land den öffentlichen Verkehr verdoppeln, den Kfz-Verkehr reduzieren, dafür aber den Anteil des Rad- und Fußverkehrs deutlich erhöhen will.

Viel Lob und einige Kritik
Im Anschluss an Kieners Vortrag gab es auch kritische Anmerkungen zur Mobilitätskonzept-Fortschreibung. Arnold Holstein (Freie Wähler) ging ins Detail. Aus seiner Sicht seien Verkehrskreisel für Fahrradfahrer problematisch. Kritische Anmerkungen kamen auch aus der CDU: Mock kritisierte, dass sich das Konzept ausschließlich auf die Kernstadt beziehe, die kaum geringeren Verkehrsprobleme in den Ortsteilen jedoch außer acht lasse. Und ihr Fraktionskollege Simon Pfluger befürchtet sogar nachteilige Auswirkungen der angedachten Maßnahmen für den Ortskern von Ittendorf.

Zauberwort Zukunftsfähigkeit
Gleich einen ganzen Fragenkatalog kündigte Joachim Mutschler an. Das von den Ulmer Planern auf 39 Seiten vorgelegte Material sei überaus umfangreich, sagte der Fraktionsvorsitzende der Umweltgruppe. Am Sitzungsabend beschränkte er sich daher auf die Frage: „Gibt es denn Maßnahmen, die schon heute sinnvoll sind?“ Zum Beispiel das Parkhaus Post an die Bundesstraße anzubinden, wie es Kiener vorgeschlagen hatte. Grundsätzlich plädierte Mutschler dafür, „den Umweltverkehr zu stärken“ – den ÖPNV ebenso wie den Rad- und Fußverkehr in der Stadt. Hier mahnte er an, die Vorschläge des Mobilitätskonzepts mit dem aktuellen Projekt Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren (ZIZ) zu verschränken. Und mit Blick auf Markdorfs Zukunftsfähigkeit und die Parkraum- und Parkhäuserdiskussion spitzte Mutschler zu: „Wollen wir in unserer Stadt weiterhin für die Autos planen oder für die Menschen?“

Die Diskussion fängt erst an
Rolf Haas von der FDP riet, „alle Wechselwirkungen in den Blick zu nehmen“. Die berührten die durchs ZIZ-Programm ermöglichten innerstädtischen Weiterentwicklungen ebenso wie die Frage der Parkraumbewirtschaftung. Fragen, so räumte Bürgermeister Georg Riedmann ein, die auch noch mit den Einzelhändlern diskutiert werden müssten. Diskussionsbedarf bestehe grundsätzlich, sagte Kiener. Er habe mit seiner Fortschreibung des Mobilitätskonzepts lediglich „die Zusammenfassung einiger Bausteine“ vorgelegt. Bausteine, die es aber noch gründlicher auszuarbeiten gelte.