Die Vorfreude auf eine Skate- und Dirtbikeanlage ist bei vielen Salemer Jugendlichen groß. Mit ihrem Wunsch nach einer solchen Trendsportanlage haben sie sowohl bei Bürgermeister Manfred Härle als auch bei den Gemeinderäten Gehör gefunden. Rund 500 000 Euro will sich die Gemeinde das Projekt kosten lassen, das hinter der Tennishalle in Mimmenhausen realisiert werden soll. Diese Individualsportart liegt derzeit hoch im Kurs. Auch in vielen anderen Gemeinden in der Region ist man dabei, in entsprechende Anlagen zu investieren.

Umsetzung frühestens ab Herbst
In Salem ergriffen die Jugendlichen die Initiative. Die Grobplanung für die Anlage steht. Und zwar soll eine Kombination aus Skatepark-, Pumptrack und Dirtbikestrecke geschaffen werden. Hinzu kommt aller Wahrscheinlichkeit nach noch ein überdachter Treffpunkt mit Grillstelle. Ende Februar will Bürgermeister Härle im Gemeinderat den erforderlichen Rechtsrahmen, sprich Änderung des Flächennutzungsplans und Bebauungsplan, in die Wege leiten. "Wenn es gut läuft, sind wir in einem halben bis dreiviertel Jahr damit durch", erklärte Härle im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Mit der Umsetzung des Vorhabens könnte man dann im Herbst dieses Jahres oder im Frühjahr 2020 beginnen.
Diskussion über Toilettenanlage
Davor stehen aber noch Feinjustierungen in der Planung. Manches, was von den Jugendlichen gewünscht werde und zusätzliche Kosten verursache, könne man laut Härle soweit vorbereiten, dass es später realisiert werden könne. Dazu zählten eine Beleuchtung der Anlage und ein asphaltierter Zugang. Einige Ratsmitglieder halten auch eine Toilettenanlage für unabdingbar. Manuel Lenski vom Salemer Bauamt schätzt die Kosten hierfür auf circa 100 000 Euro. Toilettenanlagen seien bei einer solchen Anlage unüblich, sagte Manfred Härle. An Spielplätzen gebe es auch keine. Allerdings stehe in rund 100 Metern Entfernung zur Anlage eine Toilette am Schlossseestadion zur Verfügung. In Friedrichshafen hat man das Toilettenthema im Auge, wie Andrea Kreuzer von der Pressestelle der Stadt informiert: "Aufgrund der zum Teil längeren Aufenthaltsdauer der Nutzer beobachten wir derzeit die Situation vor Ort, um hier möglicherweise Veränderungen vorzunehmen."
Jugendliche sollen mithelfen, die Anlage sauer zu halten
Eine andere Frage, die im Gemeinderat angeschnitten wurde, ist, wer die Anlage künftig sauber hält. Für Härle ist die Antwort klar: "Dafür ist die Gemeinde zuständig." Dabei nannte er zum Vergleich wieder die Spielplätze, aber auch andere öffentliche Anlagen. Man wolle aber versuchen, auch die Jugendlichen für die Pflege der Anlage heranzuziehen. In Markdorf sei dies Praxis. Dort gingen die Jugendlichen die Anlage regelmäßig ab, um Müll einzusammeln. In Friedrichshafen werden die Anlagen regelmäßig vom Baubetriebsamt gereinigt.
Gemeinde rechnet mit hoher Anziehungskraft der Anlage
Statistiken über die Anzahl der Nutzer der Anlagen in der Region konnten bei den Recherchen nicht in Erfahrung gebracht werden. Dahinter steht freilich auch in Salem, wo es noch gar keine solche Anlage gibt, ein Fragezeichen. Doch Fakt ist, dass die Gemeinde mit der Kombination von Skatepark-, Pumptrack und Dirtbikestrecke eine überaus attraktive Anlage bekommt. In anderen Kommunen sind die einzelnen Anlagen meist auf verschiedene Standorte verteilt. Bürgermeister Härle sagte, er sei sich dessen bewusst, dass mit der Attraktivität auch die Anziehungskraft steige und diese auch auf auswärtige Jugendliche ausstrahle. "Wir können aber die Attraktivität der Anlage nicht herunterfahren, nur um zu erreichen, dass sie Jugendliche von auswärts nicht anspricht und keine Jugendlichen aus der Umgebung kommen."
In Friedrichshafen nutzen hauptsächlich einheimische Jugendliche die Anlagen
In erster Linie baue man die Anlage für die Salemer Jugendlichen. Und aus Sicht eines Familienvaters sei es ihm lieber, wenn man die Kinder und Jugendlichen am Wohnort halten könne und ihre Freunde hierher kämen, als wenn es umgekehrt wäre. Unter dem Strich aber dürfte in dieser Beziehung ein gewisser Austausch stattfinden. Aus Friedrichshafen heißt es, dass die Anlagen hauptsächlich von Jugendlichen aus Friedrichshafen und dem näheren Umfeld genutzt würden. Vereinzelt kämen auch Erwachsene.
Anlage wird nicht beaufsichtigt
Gemeinsam ist den Anlagen in den einzelnen Kommunen, dass sie offen sind. Das heißt, sie werden nicht beaufsichtigt. Das ist auch in Salem so vorgesehen. Versicherungstechnisch bedeutet dies, dass die Benutzung auf eigene Gefahr erfolgt. "Die Kommune ist wie bei allen öffentlichen Einrichtungen für die Verkehrssicherungspflicht, also für den baulich einwandfreien Zustand, zuständig", erklärte Bürgermeister Manfred Härle. Dies wird auch von der Stadt Friedrichshafen so bestätigt. Sach- und Personenschäden, die auf bauliche Mängel zurückzuführen seien, würden durch die Haftpflichtversicherung der Stadt abgesichert, teilt Pressesprecherin Andrea Kreuzer mit.
Konzeptionen und Kosten
- In Salem wird eine Kombination aus Skatepark, Pumptrack und Dirtbikestrecke geplant. Nach vorläufiger Schätzung belaufen sich die Kosten für den Bau der Anlage auf 417 000 Euro. Hinzu kommen, weil es sich um eine neue Anlage handelt, Erschließungskosten in Höhe von rund 77 000 Euro. Für einen überdachten Treffpunkt mit Grillstelle sind 30 000 Euro veranschlagt – macht zusammen 524 000 Euro. Optional enthalten die Pläne noch eine Beleuchtung der Anlage und einen asphaltierten Zugang. Dabei geht es um Aufwendungen von rund 100 000 Euro. Beides kann aber zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden.
- In Friedrichshafen gibt es drei Anlagen mit unterschiedlichen Zuschnitten. Augenblicklich geht es dort um die Neugestaltung der Skateanlage in der Kitzenwiese. Dafür sind 270 000 Euro veranschlagt. Die neue Anlage soll nach den Wünschen der Jugendlichen gestaltet werden. Sie enthält Elemente wie beispielsweise ein Geländer (Rail), Kanten (Curb) sowie Sathlrohre an den Übergängen zwischen der Fahrfläche im Skatepool und den Standflächen (Coping).
- In Markdorf wird eine neue Skateanlage geplant. Sie soll Ende Februar dem Gemeinderat vorgestellt werden. Vorher möchte die Stadtverwaltung keine Angaben zu deren Gestaltung machen. (as)