Ibach Die Kirche sieht die Kräuterweihe im Wesentlichen als Symbol der Vielfalt der Schöpfung und der Fürsorge Gottes für die Menschheit. Seit dem siebten Jahrhundert feiert sie im August den Tag der Aufnahme Marias in den Himmel. Der Brauch, Kräuterbüschel zum Schutz des Hauses vor Unheil und von Mensch und Vieh vor Krankheiten, geht vermutlich auf vorchristliche Erntebräuche zurück. Die kopfüber aufgehängten, getrockneten Sträuße dienten das ganze Jahr über je nach Bedarf beispielsweise für Tees oder fein zerrieben als Räuchergrundlage. Mit dem christlichen Fest Mariä Himmelfahrt wurde er verbunden aufgrund der Legende, dass das Grab Marias, als es leer aufgefunden wurde, nach Kräutern duftete. Ibach ist überregional bekannt für die Kräuterweihe. Viele kamen denn auch diesmal, um einen der begehrten Kräuterbüschel zu ergattern, die die Ibacher Landfrauen binden und die vom Höchenschwander Pfarrer Ivan Hoyanic im Gottesdienst gesegnet worden waren. In jedem der 150 Kräuterbüschel stecken mindestens sieben Heilkräuter. In der Mitte prangt bei jedem Büschel als Beischmuck eine Königskerze, Symbol für Maria. „Wir nehmen immer eine Königskerze für die Mitte“, erläutert Nicole Schmid. An manchen Orten werden dafür ersatzweise auch Rosen oder Sonnenblumen eingesetzt.

Die Kräuter stammen überwiegend aus den eigenen Gärten der Landfrauen oder von Bekannten. Neben der Königskerze sorgen Heilkräuter wie Erika, Lavendel, rote Vogelbeeren, gelbe Goldrute, die üppigen Dolden der Schafgarbe und der violette Hingucker des blühenden Oregano bereits für bunte Vielfalt, hinzu kommen die vielfältigen Blattformen und Rispen von Estragon, diversen Minzen, Beifuß, Salbei, Zitronenmelisse und weiteres. Geschult wurden die Landfrauen von der ehemaligen Vorsitzenden Marlene Müller, deren Ibacher Kräutergarten weithin bekannt ist.

Die Kölner Künstlerin Bettina Mauel, die gerade in Menzenschwand einen Malworkshop abgehalten hat, zog es nach Ibach, weil sie zum ersten Mal von der Tradition der Kräuterweihe gehört hatte. Erstaunt war sie über die vollen Kirchenbänke und den großen Wert, der noch auf diese Tradition gelegt wird. „Das war eine schöne Bereicherung für mich.“

Sabine Weinert bezeichnet sich als auswärtige Einheimische. Geboren in St. Blasien, hat sie in Ibach gelebt und ist inzwischen in Freiburg zu Hause. Sie hat gleich drei Freunde mitgebracht. „Einen solchen Nachmittag in Ibach zu genießen, ist für mich immer wieder ganz schön“, gestand sie.

Lucia Betzler aus Wehr hatte eigentlich schon einen eigenen Strauß mitgebracht, den sie beim Gottesdienst segnen lassen wollte. Zurück fährt sie aber gleich mit vier Kräuterbüscheln. So begeistert war sie von dem Duft, der sich in der Kirche verbreitete, und der Auswahl an schön gestalteten Sträußen, dass sie für ihre drei Kinder auch je einen Strauß mitbringen wird.