Als er als 15-Jähriger, mehr Bub noch als schon Mann, nach Allensbach kommt, deutet erst einmal nichts darauf hin, wie sehr in dieser Gemeinde Wurzeln schlagen würde. Auf den Romer-Hof an der Steig hatte ihn aus Warthausen im Oberschwäbischen der kinderlose Onkel geholt, für das Anwesen gab es keinen Nachfolger. Und Engelbert Wekenmann hat keinen einfachen Start, wie seine Tochter erzählt: Immer wieder fährt er den weiten Weg mit dem Fahrrad bis hinter Biberach, wo er herkam. Doch dann wird Allensbach seine Heimat, und wenn man mit Weggefährten von Engelbert Wekenmann spricht, hat er für die Gemeinde so viel geleistet wie kaum jemand anderer.

Dass es diese Erfolgsgeschichte geben konnte, dafür sind vor allem zwei Institutionen verantwortlich, die bis heute große Bindungskräfte entwickeln: Feuerwehr und Fußball. Der junge Engelbert Wekenmann engagiert sich schon im Jahr 1950 beim Sportverein. Er kickt und kümmert sich mit dem Traktor um den Platz, findet Freunde und wird in Allensbach heimisch. In der Nachbarschaft arbeitet im Haushalt eine junge Frau, Rosa, aus dem Schwarzwald stammend. Die beiden werden ein Paar, heiraten 1962 und bleiben 63 Jahre zusammen.
Achtmal mit Top-Ergebnis in den Gemeinderat gewählt
Engelbert Wekenmann merkt, wie viel Gutes er in der Gemeinschaft tun kann, und die Menschen nehmen ihn und seinen Einsatz dankbar an. Am 7. November 1965 wird er erstmals für die CDU in den Gemeinderat gewählt und gehört ihm ununterbrochen bis September 2004 an – fast 40 Jahre. Bei sieben von acht Wahlen ist er der Stimmenkönig. 1984 wird er zum Ersten Stellvertreter des Bürgermeisters gewählt und nimmt diese Verantwortung 20 Jahre lang wahr und ernst. Eng ist das Vertrauensverhältnis zum damaligen Rathaus-Chef Helmut Kennerknecht. „Er war ein Freund, Ratgeber und Unterstützer“, sagt dieser.

„Ich habe es als Glück empfunden, dass sich unsere Wege kreuzten“, sagt Helmut Kennerknecht. Mit „unermesslicher Hingabe“ habe sich der ruhige und besonnene Landwirt für die Gemeinde eingesetzt – auch in der nicht einfachen Phase der Eingemeindungen von Hegne, Kaltbrunn und Langenrain-Freudental. Er engagierte sich fast lebenslang beim Sportverein Allensbach und der Feuerwehr, deren Auf- und Ausbau ihm immer ein Anliegen war, zuletzt als Kommandant der Alterswehr.

In die Gemeinschaft hineinzuwirken und für viele Menschen etwas Gutes zu erreichen – diese Spur zieht sich durch das Leben des einst als Fremder nach Allensbach Zugezogenen. Er engagiert sich über Jahre dafür, dass die Gemeinde eine eigene und sichere Wasserversorgung hat und hinterlässt damit etwas, das noch weit in die Zukunft reichen wird. Er bringt sich bei den Holzhauern, beim Heimatgeschichtsverein AGA und beim Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband ein, dessen Ortsverband er 33 Jahre lang leitet. Und überall wird, in Zeitungsberichten von damals wie auch in der Erinnerung von Weggefährten, sein ruhiges und zugleich zupackendes, ausgleichendes und pragmatisches Wesen hervorgehoben.

Der Sportverein Allensbach, dessen langjähriger Vorsitzender Kurt Geisenberger ebenfalls mit allergrößter Hochachtung von Engelbert Wekenmann spricht, verleiht ihm 1990 die Ehrenmitgliedschaft für 40 Jahre ununterbrochenes Engagement. Den goldenen Alet-Orden verdient er sich letztlich mit einem furchtlosen Kuss auf einen kalten Fischmund. Der so vielfach Geehrte bleibt bescheiden. Der Einsatz sei für ihn „selbstverständlich, wenn ich das Vertrauen erhalten habe“, sagt er wenige Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat.

So sind es vor allem die kleinen Gesten und die leisen Töne, die in Allensbach in Erinnerung bleiben. Und die Fähigkeit, das Gemeinwohl über die eigenen Interessen zu stellen. Obwohl er als Landwirt zu den großen Verlierern gehört hätte, setzt sich Wekenmann in den 1980er-Jahren für die am Ende dann doch nicht realisierte Nordtrasse der geplanten B33 ein. „Ein Kämpfer mit grünem Herz“ sei er gewesen, habe sich stets für einen schonenden Umgang mit Landschaft und Natur eingesetzt, erinnert sich Helmut Kennerknecht.
Seinen 90. Geburtstag wollte er noch ein wenig feiern
Für seinen 90. Geburtstag im November hatte Engelbert Wekenmann schon Pläne, obwohl der Tod seiner Frau im Frühsommer 2025 ihn schwer getroffen hatte. Dennoch sollte ein wenig gefeiert werden. Dann wäre sicher nochmals die Zahl genannt worden, die der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung einmal für seinen Parteifreund errechnet hatte: Alles zusammengerechnet, habe er sich 134 Jahre lang ehrenamtlich engagiert. Das ist eine Leistung für mehr als ein Leben und das Vermächtnis eines Mannes, den Helmut Kennerknecht „eine Seele von Mensch“ nennt.
Vor wenigen Tagen ist Engelbert Wekenmann 89-jährig auf dem Hof gestorben, wo er einst als Jugendlicher zu arbeiten begonnen hatte. Mit 15 Jahren ist er nach Allensbach gekommen – um zu bleiben und um etwas Bleibenden zu hinterlassen. Um ihn trauern nicht nur viele Familienangehörige und Freunde, sondern auch die Gemeinde Allensbach, in der und für die er so viel bewirkt hatte.
Die Beisetzung von Engelbert Wekenmann findet am 1. September um 11 Uhr auf dem Friedhof Allensbach statt.