Weil er offenbar in chronischen Geldproblemen steckte, versuchte ein Ruheständler aus dem Raum Freiburg, seine Rente mit mehreren Banküberfällen aufzubessern. Dazu gehörte auch der spektakuläre Überfall auf die Commerzbank in Villingen vom 9. Dezember 2009. Zehn Jahre später muss sich der kriminelle Ruheständler, der die Taten gestanden hat, ab Donnerstag vor dem Landgericht in Hechingen für seine Taten verantworten. Versuchte und vollzogene räuberische Erpressung, Geiselnahme und Freiheitsberaubung wirft ihm die Staatsanwaltschaft unter anderem vor.

So ungefähr sahen die Bombenattrappen in den Koffern aus, mit denen der Räuber Geld von den Banken erpresste.
So ungefähr sahen die Bombenattrappen in den Koffern aus, mit denen der Räuber Geld von den Banken erpresste. | Bild: (c) RTL II

In drei Verhandlungstagen will das Gericht die Schuld des 80 Jahre alten Mannes sowie das Strafmaß feststellen. Angesichts seines fortgeschrittenen Alters verbringt er möglicherweise den Rest seines Lebens hinter Gittern. Auf jeden Fall droht ihm eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Kripo-Beamter Bernd Lohmiller mit dem originalen Bombenkoffer, mit dem der Bankräuber 2009 die Commerzbank Villingen überfallen hat.
Kripo-Beamter Bernd Lohmiller mit dem originalen Bombenkoffer, mit dem der Bankräuber 2009 die Commerzbank Villingen überfallen hat. | Bild: Stadler, Eberhard

Über zehn Jahre lang gelang es dem Mann, sich den Strafverfolgern zu entziehen und legte bei seinen Überfällen eine enorme kriminelle Energie an den Tag. Seine Methode: Er betrat verkleidet und bewaffnet mit einem zur Bombenattrappe ausgebauten Koffer eine Bank, übergab einem Bankangestellten einen Zettel und drohte, die angebliche Bombe zu zünden, wenn er kein Geld bekäme. Beim Überfall auf die Commerzbank in Villingen nahm er sogar den Bankdirektor als Geisel bei seiner Flucht durch die Innenstadt. Er steckte dem Bankangestellten eine als Bombe getarnte Dose in den Anzug und bedrohte ihn damit. Vor Gericht gibt es nun ein Wiedersehen: Drei Mitarbeiter der Commerzbank Villingen von damals sind vom Landgericht Hechingen als Zeugen geladen.

Die Bemühungen einer Kripo-Sonderkommission in Villingen sowie zweier öffentlicher Fahndungsaufrufe, zunächst in der ZDF-Serie „Aktenzeichen XY ungelöst“ und 2017 in „Ungeklärte Fälle“ von RTL II, blieben ohne Ergebnis. Letztlich war es der jahrelangen Hartnäckigkeit von Ermittlern der Kripo Villingen-Schwenningen zu verdanken, dass der Räuber bei seinem letzten Coup im schwäbischen Balingen im vergangenen Mai gefasst wurde.

Bild des Bankräubers, das von einer Überwachungskamera einer Bank aufgenommen wurde.
Bild des Bankräubers, das von einer Überwachungskamera einer Bank aufgenommen wurde. | Bild: Polizei

Nach einem gescheiterten Banküberfall in Waldkirch im April dieses Jahres konnte die Polizei DNA-Spuren feststellen, die mit weiteren DNA-Spuren früherer Überfälle übereinstimmten. Da war den Ermittlern klar, dass der Täter demnächst wohl bald erneut zuschlagen wird. Der Villinger Kriminalkommissar Bernd Lohmiller ließ eine Bankenwarnung flächendeckend an alle Banken in Baden-Württemberg verteilen. Dies brachte letztlich den Erfolg. Aufgrund dieser mit verschiedenen Fotos des verkleideten Täters versehenen Warnung wurde der Räuber rechtzeitig von einem Bankangestellten in Balingen erkannt. Dieser konnte noch die Polizei alarmieren, bevor der Räuber zur Tat schritt. Beim Verlassen der Bank mit seiner Beute wurde der Täter von der Polizei überwältigt. Er wurde festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Aufgrund zahlreicher Beweise hat er die ihm zur Last gelegten Überfälle kurz darauf gestanden.