Es sagt sich so leicht: Im Zentralbereich von Villingen-Schwenningen zwischen den beiden großen Stadtbezirken soll ein neues Hallenbad für die Doppelstadt entstehen. Doch bis die Menschen aus der Region dort trainieren, üben oder einfach nur planschen können, ist es ein weiter Weg. Das wird deutlich, wenn man sich mit Bäder-Geschäftsführer Gregor Gülpen über das Projekt unterhält.

Außer einem Grundstück im Gebiet Klosterhof gibt es noch nichts, was man zum neuen Zentralbad anschauen kann. Dass die Stadt das Grundstück mit 23.000 Quadratmetern an die Gesellschaft Bäder VS, eine hundertprozentige Tochter der Stadtwerke VS, verkauft, hatte der Gemeinderat im März beschlossen. Doch das heißt noch lange nicht, dass dort mittlerweile die Bagger rollen.

Denn vor den Bauarbeiten braucht es zunächst eine sinnvolle Planung. Und jemanden, der diese Planung aufstellt – einen Architekten. In dieser Phase befinden sich die Vorbereitungen für das neue Zentralbad derzeit, sagt Gülpen. Doch allein bei der Auswahl eines Architekten kann man schon einiges erleben.

Kein klassischer Architektenwettbewerb

Denn die Bädergesellschaft veranstalte keinen klassischen Architektenwettbewerb, bei dem die Teilnehmer im Prinzip baufähige Pläne für ein Gebäude abliefern würden – zu entsprechend hohen Honoraren für jedes teilnehmende Büro, wie Gülpen erklärt: „Dabei geht es dann auch um den Verlauf von Leitungen und die Anzahl der Spinde.“

Bild 1: So steht es ums geplante Zentralbad zwischen Villingen und Schwenningen
Bild: Schönlein, Ute

Um die Kosten für solche detaillierten Planungen im Rahmen zu halten, soll der Architekt schon in einem früheren Stadium ausgewählt werden, wenn die Planung noch nicht so konkret ist. Der städtische Beirat für den Schwimmbadneubau habe nun drei Architekten ausgewählt, die ein erstes Modell von ihren Ideen liefern sollen.

„Dafür haben wir für die Architekten ein Modell des Grundstücks gemacht, auf dem gebaut werden soll“, sagt Gülpen. Und ein Heft mit den Anforderungen an das neue Bad habe die Bädergesellschaft natürlich auch ausgegeben. Auf dem Grundstücksmodell bauen die Büros dann ihr Gebäudemodell. Noch im Herbst soll klar sein, mit welchem Entwurf man weitermachen will.

Architektenkammer will, dass mehr Geld ausgelobt wird

Dass Geld offenbar eine Rolle spielt, zeigt eine Geschichte, die Gülpen erzählt. Nach der Ausschreibung der Auswahl habe sich nämlich die Architektenkammer aus München bei der Bädergesellschaft gemeldet und die ausgelobte Summe als zu niedrig kritisiert.

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Deren Forderung sei dem Unternehmen indes deutlich zu hoch gewesen, sagt der Geschäftsführer. Und im Verlauf der Diskussion habe noch dazu ein Architekt aus Bayern, der gar keine Schwimmbäder plane, eine Rüge wegen dieses Betrages erwirkt. Etwas draufgesattelt habe die Bädergesellschaft am Ende trotzdem, so Gülpen. Und: „Das hat vier Wochen Zeit gekostet.“

Der Zeitrahmen liegt ab jetzt allerdings bei fünf Jahren, Zielmarke für die Inbetriebnahme des neuen Bades ist das Jahr 2030. Das wolle die Bädergesellschaft durch ein ganz klassisches Verfahren beim Bau erreichen. Das Unternehmen trete selbst als Bauherr auf und beauftrage keinen Generalunternehmer.

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Grund dafür ist wiederum das Geld, wie Gülpen ausführt. Ein Generalunternehmer garantiere zwar den Preis, schlage aber für die eigene Leistung auch etwas auf. Stattdessen hat man sich in VS dafür entschieden, ein Stuttgarter Büro mit Erfahrung im Schwimmbadbau für die Projektsteuerung zu engagieren. Die Gewerke werden dann ganz klassisch einzeln ausgeschrieben.

55 Millionen Euro sollen reichen

Um den Kostenrahmen macht sich Gülpen dennoch keine Sorgen. 55 Millionen Euro stehen zur Verfügung, davon kommen 50 Millionen Euro aus der Kasse der Stadt. Diese Summe dürfte die Stadt allerdings über Kredite finanzieren, heißt es aus der Stadtverwaltung: „Der Finanzhaushalt wird leider in VS zu einem großen Teil über Kredite finanziert und deshalb ist dies auch somit beim Bad der Fall“, schreibt Pressesprecher Patrick Ganter auf Anfrage.

Der Gesellschafterzuschuss von 50 Millionen Euro sei für die Beratung des Doppelhaushalts 2026/2027 eingeplant, so Ganter weiter. Es könnte aber sein, dass die Stadt noch Zuschüsse bekomme und sich die Summe dadurch reduziere.

Dennoch werde das Vorhaben sicher nicht aus finanziellen Gründen aufgeschoben: „Die Investition in das Bad ist finanzierbar“, so Ganter weiter. Die Planung für das Projekt, das auch durch einen Bürgerentscheid bestätigt wurde, werde mit Hochdruck vorangetrieben.

„55 Millionen Euro für das neue Bad sind eine sehr realistische, keine politische Zahl.“ Gregor Gülpen, Geschäftsführer von ...
„55 Millionen Euro für das neue Bad sind eine sehr realistische, keine politische Zahl.“ Gregor Gülpen, Geschäftsführer von Bädergesellschaft und Stadtwerken | Bild: www.jenshagen.info

Die Bädergesellschaft, eine hundertprozentige Tochter der Stadtwerke VS, steuert 5 Millionen Euro bei. 55 Millionen Euro bezeichnet Gülpen als „sehr realistische, keine politische Zahl“. Nach heutigem Ermessen gebe es finanzielle Reserven, im Bauprozess könne man noch nachsteuern, um den Kostenrahmen einzuhalten.

1,3 Millionen Euro pro Schwimmbahn

So koste eine 25-Meter-Bahn etwa 1,3 Millionen Euro, wenn man die Gesamtkosten des Gebäudes inklusive aller Einrichtungen auf die Zahl der Schwimmbahnen umlege. Derzeit seien rechnerisch 16 Bahnen zu je 25 Metern geplant, es solle ein 50- und ein 25-Meter-Becken geben.

Und mit dieser Zahl begründet Gülpen auch einen anderen Teil des doppelstädtischen Bäderplans. Wenn das neue Zentralbad in Betrieb ist, sollen die beiden bestehenden Hallenbäder in Villingen und Schwenningen nämlich geschlossen werden.

Der Zustand des Villinger Bades hatte überhaupt erst den Anstoß für den Neubauplan gegeben, es ist mittlerweile 60 Jahre alt. Dass Technik in einem solchen Alter immer anfälliger und die Instandhaltung aufwendiger wird, ist schon fast ein Naturgesetz.

Nach den derzeitigen Abschätzungen dürfte das Villinger Bad in etwa acht Jahren zu teuer in der Instandhaltung sein, so Gülpen.

Auch das Neckarbad soll zumachen, wenn das neue Bad da ist

Doch auch das modernere Neckarbad in Schwenningen soll dann geschlossen werden: „Wir verlieren jedes Jahr 2 Millionen Euro damit“, sagt der Geschäftsführer. Das Minus bei den Bädern betrug 2024 insgesamt etwa 3,4 Millionen Euro.

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Die angepeilten 16 Schwimmbahnen seien in jedem Fall deutlich mehr, als Schwimmern derzeit in den beiden bestehenden Bädern zur Verfügung stehe, erklärt Gülpen. Da gebe es nämlich in Villingen nur fünf und in Schwenningen sechs Bahnen – macht zusammen elf.

Bleibt noch die Frage nach der Heizung. Darüber sei noch nicht entschieden, ergänzt Oliver Bauer, Pressesprecher von Stadtwerke und Bädergesellschaft: „Das Thema Heizart im gemeinsamen Bad ist noch nicht Bestandteil der Vorplanungen.“

Ob das neue Bad eines Tages mit Abwärme aus einer Wasserstoffanlage beheizt wird, die in der Nachbarschaft entstehen soll, scheint derzeit jedenfalls noch ziemlich ungewiss.