Das wuchtige Instrument ist Aushängeschild des Villinger MPS-Studios: der Bösendorfer Imperial, der dort seit gut 40 Jahren wie festgewachsen steht und an dem mancher namhafte Pianist mit Begeisterung spielte. Seine orchestrale Klangpracht ist auf vielen Produktionen, die im legendären Villinger Studio gemacht wurde, festgehalten. Doch auch dieser imposante Flügel muss regelmässig intensiv gewartet werden. Nicht nur das: aktuell wird die komplette Mechanik überholt, damit er wieder die Brillanz bekommt, die für ihn typisch ist und die auch den Ausnahmepianisten Friedrich Gulda in seinen Bann zog.


Um den etwa 550 Kilogramm schweren Flügel, der im Tonstudio in Villingen steht und heute zum Denkmalschutzbestand dort gehört, rankt sich so manche Geschichte und alle fangen mit Friedrich Gulda (1930 bis 2000) an. Der österreichische Pianist stand viele Jahre beim Musiklabel MPS unter Vertrag. Ausnahmemusiker Gulda, der souverän zwischen Klassik und Jazz pendelte, hat in den 1970er Jahren zahlreiche Tonaufnahmen im Villinger Studio eingespielt. Dazu zählen nicht nur das „Wohltemperierte Klavier“ von Großmeister J.S. Bach, sondern auch viele Jazzimprovisationen. Da Friedrich Gulda beim Wiener Klavierbauer Bösendorfer ebenso vertraglich gebunden war, bestand er darauf, dass auch in Villingen für ihn ein entsprechender Flügel bereitgestellt werden müsse.

MPS-Chef Hans Georg Brunner-Schwer, der Gulda als Pianisten überaus schätzte, schaffte dann in den 70er Jahren den „Imperial“, das Flaggschiff des Herstellers aus Wien, an. Dieses Instrument, das heute noch in Villingen steht, wurde aus einer Reihe von Flügeln von Gulda ausgesucht und dann in den Schwarzwald transportiert. Um das 2,90 Meter lange Instrument überhaupt im Aufnahmeraum im Obergeschoß des Studiogebäudes an der Richthofenstrasse aufstellen zu können, waren umfangreiche Vorbereitungen nötig. Rolf Donner (1921 bis 2012), langjähriger Tonmeister bei MPS, hat immer wieder und gerne die Geschichte erzählt, wonach ein Teil des Holztreppenhauses abgebaut werden musste, damit der Flügel überhaupt ins Obergeschoß hochgehievt werden konnte.

Da steht er seither unverändert. Und viele Pianisten sind hier aufgenommen worden. Monty Alexander natürlich mit seiner beschwingten Leichtigkeit, aber auch der seine unbegrenzte Improvisationsfreude bekannt gewordene Cecil Taylor. Hier spielte ungestüm das deutsche Aushängeschild der Jazzpianisten, Joachim Kühn, ebenso, wie der feinsinnige Franzose Martial Solal. Aber auch Wolfgang Dauner und George Shearing reihen sich in die Reihe der Musiker ein, die vom Sound des Bösendorfer Imperial begeistert waren.
Dieser Flügel mit seinen 97 Tasten – üblich sind sonst 88 – verfügt über einen Tonumfang von acht Oktaven, was im Klavierbau eine Ausnahme darstellt. Dank des riesigen Resonanzbodens und zusätzlicher Bass-Saiten können einzigartige Schwingungen erzeugt werden, mit denen ein orchestraler Klang erreicht werden kann, der auf keinem anderen Flügel möglich ist.
Auch ein derart imposantes Instrument kommt in die Jahre. Und erstmals ist nun eine komplette Überholung von Mechanik und Hammerköpfen notwendig, damit die gewohnte Klangpracht weiterhin zu hören sein wird. Der erfahrene Berliner Klavierbaumeister Bernd Bittmann, der hat bei Bösendorfer in Wien gelernt hat, ist mehrere Tage damit beschäftigt gewesen, das Instrument wieder in den üblichen musikalischen Glanz zu versetzen. „Das ist der interessanteste Auftrag, den ich bisher erhalten habe“, sagt Bittmann, dem die Geschichte des Instruments im Villinger Studio wohlbekannt ist.

Für das MPS-Studio eine teure Angelegenheit. „Da wird ein vierstelliger Betrag fällig und wir hoffen, diesen über Spenden und Sponsoring wieder hereinzubekommen“, sagt Friedhelm Schulz vom Förderverein MPS-Studio Villingen. Die Überholung des Flügels sei aber notwendig gewesen, um die Qualitätsanforderungen im Studio halten zu können.
Wie der Flügel nach der Überholung klingt, ist erstmals Mitte September im Rahmen des Festivals Jazzin‘ the Black Forest zu erleben, und zwar am Donnerstag, 12. September, beim SÜDKURIER-Talk, wo es um 17 Uhr mit Kathrin Brunner-Schwer um das Thema „100 Jahre SABA in Villingen“ gehen wird. Der Villinger Musiker Matthias Jakob wird die Veranstaltung mit Jazzstandards am Bösendorfer umrahmen.
Zusätzlich findet am Sonntag, 15. September zum Abschluss des Jazzfestivals noch ein Solo-Konzert mit der jungen deutschen Pianistin Johanna Summer statt. Da wird dann wieder die ganze Bandbreite des Bösendorfer Imperial live zu hören sein.
Ganz in der Tradition der musikalischen Anfänge bei Saba/MPS sieht sich das neue Festival „Jazzin‘ The Black Forest“, das zwischen Donnerstag, 12. September und Sonntag, 15. September, in Villingen abläuft und somit den Auftakt der Kulturveranstaltungen im Herbst bildet.
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