Herrischried/Görwihl Der Sonntag im Kultursommer hatte mit dem Kunstkollektiv Uko3 aus Halle seinen Schwerpunkt auf ungewöhnlicher Keramik und Installationen, umrahmt am Nachmittag auf dem Ödland von Sängerin Andrea Weiss und Gitarrist Wolfgang Daiss und vervollständigt am Abend in der Görwihler Pfarrkirche durch ein imposantes „Vogelstimmen“-Konzert vom Duo La Porta Musicale Hamburg.
Bereits bei der Eucharistiefeier anlässlich des Patronatsfestes der Görwihler Kirche am Vormittag hatten die Kirchgänger passend zur rot erleuchteten Kirche und der in neuem Glanz erstrahlenden restaurierten roten Bartholomäusfahne im Altarraum einen Blick auf die Installation von Ina Jaenicke, Almuth Lohmann-Zell und Judith Runge werfen können. „Abendglühen“ nannten die drei Frauen, die schon seit 12 Jahren zusammen arbeiten und sich den Titel Kunstkollektiv Uko3 gegeben haben, ihre Installation aus 3000 orangefarbenen und roten Bällen, die sie dann am Abend vorstellten und die während des Konzertes von Geigerin Gabriele Steinfeld und Cembalistin Anke Dennert nach und nach durch das Hereinbrechen der Nacht ihre Farbwirkung veränderten. Diesen changierenden Farbrausch verstehen die Drei als Sinnbild für die gesammelten Energien des Tages, die, wenn es dunkler wird, mehr und mehr abklingen.
Ebenfalls aus orangenen Bällen besteht die Installation „Transit“, die Uko3 auf dem Ödland installiert hatte, wie auch das „Abendglühen“ in Görwihl unter Mithilfe von Karl und Ferdinand, den erwachsenen Söhnen von zwei der drei Künstlerinnen. Die Kapelle auf dem Ödland und deren Umgebung hatten sich die Künstlerinnen ausgesucht, weil sie sowohl die Kapelle als reizvoller Ausstellungsort angesprochen hatte, als auch der Ort selbst mit seiner Lage und Atmosphäre, die sie als etwas über den Dingen schwebend wahrnahmen, wo sich aber dennoch viele von Wanderern gerne gegangene Wege kreuzen. Mit „Transit“ haben sie einen Pfad erstellt, der diese Wege schneidet und gleichzeitig beim Blick auf die gegenüberliegenden Hügel deren Pfade in der Entfernung aufgreift. Immer wieder finden sie es spannend, ihr Spiel mit Materie, Idee und Ort zu treiben, und, wie auch in der Görwihler Kirche, ihr Konzept an den jeweiligen Raum anzupassen.
Im Innern der Kapelle stellte Ina Jaenicke zwei figürliche Arbeiten aus Ton und Porzellan aus, bei deren Gestaltung sich innere Bilder und äußere Eindrücke überlagerten. Judith Runge hat kleinteilig in Porzellan gearbeitete Preziosen auf mit einem Vorleben behafteten Tabletts kombiniert, in denen sich der Eindruck der schönen Landschaft mit dem der an dieser Stelle normalerweise platzierten kirchlichen Gegenstände verwebt. Almuth Lohmann-Zell hatte in Anspielung auf ihr Thema Mensch und Taube bei ihrer ersten Präsentation im Görwihler Kultursommer vor sieben Jahren in Tiefenstein einen Teller mitgebracht, auf dem eine Taube liegt, um den Teller herum ein Strahlenkranz aus Taubenabwehrstacheln. Neben der Anspielung auf den Heiligen Geist spiegelt diese Arbeit die Traurigkeit darüber, wie wir manchmal mit uns selbst und mit Anderen umgehen.
Ebenfalls vor sieben Jahren in Tiefenstein hatte Wolfgang Daiss seinen Einstieg als immer wieder bei Ausfällen einspringender Musiker des Kultursommers. Auf Ödland umrahmte er jetzt ganz regulär zusammen mit Gesangspartnerin Andrea Weiss die Präsentation unter anderem mit dem spontan von den vielen Gästen der aus allen Nähten platzenden kleinen Kapelle mitgeklatschten und mitgesungenen Spiritual „When Israel Was in Egypt‘s Land“.
Am Abend in Görwihl herrschte dann reges Gezwitscher bei dem aus französischen Cembalostücken des 18. Jahrhunderts und aus Deutschland stammenden Sonaten für Geige und Basso continuo des 17. Jahrhunderts zusammengestellten Konzert von Gabriele Steinfeld und Anke Dennert. Da gaben sich Komponisten wie Georg Philipp Telemann, François Couperin, Johann Heinrich Schmelzer, Jean-Philippe Rameau, Heinrich Ignaz Franz Biber und Johann Jakob Walther ein vergnügliches Stelldichein mit dem Gesang von Nachtigal und Kuckuck, etwa in Kompositionen wie „Le Rossignol en Amour“, „Cucu“, „Le Rappell des Oiseaux“.