Ergraute Fassaden, abbröckelnder Putz, morsche Fensterrahmen, und das am Rande der frisch sanierten Oberstadt! Das Areal in der Pfarrstraße, auf dem heute das Parkhaus Innenstadt steht, bot Anfang der 90er Jahre kein schönes Bild mehr. Dieter Fritz, der damalige HHG-Vorsitzende sprach laut einem damaligen SÜDKURIER-Artikel sogar von einem „Schandfleck“.
Somit war es wohl die sprichwörtliche Bombe, die in einer Gemeinderatssitzung im September 1991 platzte. Da wurde erstmals öffentlich, dass der lange gehegte Wunsch nach Parkflächen für die Oberstadt auf genau diesem Areal wahr werden könnte.
Pläne werden im Lauf der 90er konkreter
Unter dem Slogan „Parken, Einkaufen, Wohnen“ wurden schon bald Pläne für eine Tiefgarage mit mehreren Parkebenen, darüberliegender Wohnbebauung und einem SB-Markt konkreter. Doch bis das Parkhaus, wie es heute steht, eröffnet werden konnte, sollte es noch ein langer Weg mit einigen Hürden werden.
Bis zur Eröffnung im September 1999 standen dem Vorhaben unter anderem noch komplizierte Grundstücksverhandlungen, Probleme mit dem Grundwasser und eine Klage von Anwohnern aufgrund von Rissbildungen während der Bauarbeiten im Weg.

An eine größere Diskussion um die Notwendigkeit des Großprojekts erinnert sich Hugo Lehmann, der Vorsitzende des Vereins Kostenloses Parken in Stockach, nicht. „Parkplatzprobleme gab es schon immer“, sagt er. Da sei die Möglichkeit zur Schaffung von Parkraum für die Oberstadt gerade recht gekommen.
Parkverein für günstiges Parken in der Stadt
Was jedoch durchaus diskutiert wurde, war das Thema Parkgebühren. Denn das Projekt, welches am Ende laut Auskunft der Stadtwerke umgerechnet rund 3,2 Millionen Euro gekostet hat, musste finanziert werden. Gleichzeitig sollte das Parken günstig bleiben. Im Spannungsfeld dieser Diskussion kam es zur Gründung des Parkvereins.

Der Verein ermöglicht bis heute innerhalb der Kernstadt eine Stunde kostenloses Parken im Parkhaus und 30 Minuten kostenloses Parken an Parkscheinautomaten. Dafür zahlt der Verein jährlich 15.000 Euro an die Stadtwerke, die das Parkhaus betreiben. Oder er müsste diesen Beitrag bezahlen, denn schon seit 2016 könne man diese Summe nicht mehr aus den Mitgliedsbeiträgen stemmen, so Lehmann.

Inzwischen fehlt eigentlich genug Geld
„In den letzten Jahren gab es mehr Austritte als Eintritte. Das führt dazu, dass wir nur noch rund 10.000 Euro an Mitgliedsbeiträgen zusammen kommen“, berichtet Lehmann. Dass es das kostenlose Parken trotzdem noch gibt, sei nur dem Entgegenkommen der Stadtwerke zu verdanken, betont er. Trotzdem müsse der Verein wieder auf die Beine kommen.
„Ich kann nicht nachvollziehen, wenn ein Geschäftsmann nicht mitmacht. Für mich ist das ein Zeichen mangelnder Solidarität“, sagt Lehmann. Er ist sich sicher, dass dieses kostenlose Parkangebot ein wichtiger Baustein für die Belebung der Innenstadt ist.