Bei der Energieversorgung Südbaar (ESB) verändern sich die Besitzverhältnisse: Die Städte Blumberg, Bräunlingen und Hüfingen verkaufen ihre Anteile am Unternehmen an ihre Mitgesellschafterin, die Energiedienst Holding AG (Energiedienst) mit Sitz in Laufenburg in der Schweiz. Damit wird laut einer Pressemitteilung der Holding die ESB eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Energiedienst.

Grundsätzlich besteht Zustimmung

Die Gemeinderäte der drei Städte hätten bereits vom Grundsatz her zugestimmt. „Für das Gelingen der Energiewende braucht es energiewirtschaftliches Know-how und deutlich größere Investitionen, als wir sie als kommunale Gesellschafter stemmen können“, wird Markus Keller, Bürgermeister von Blumberg zitiert.

„Für das Gelingen der Energiewende braucht es energiewirtschaftliches Know-how und deutlich größere Investitionen, als wir sie als ...
„Für das Gelingen der Energiewende braucht es energiewirtschaftliches Know-how und deutlich größere Investitionen, als wir sie als kommunale Gesellschafter stemmen können.“Markus Keller, Bürgermeister in Blumberg | Bild: Nicole Schautzgy/Stadt Blumberg

Millionenbeträge müssten in den nächsten Jahren in den Netzausbau investiert werden. Die ESB könnte daher künftig keine jährlichen Ausschüttungen mehr an die Gesellschafter leisten. „Im Gegenteil, die Gesellschafter müssten jedes Jahr Geld in das Unternehmen investieren“, so Keller weiter.

„Wir verkaufen die Anteile zum richtigen Zeitpunkt und nicht aus der Not heraus.“Micha Bächle, Bürgermeister in Bräunlingen
„Wir verkaufen die Anteile zum richtigen Zeitpunkt und nicht aus der Not heraus.“Micha Bächle, Bürgermeister in Bräunlingen | Bild: Lutz Rademacher

Micha Bächle, Bürgermeister von Bräunlingen, wird so zitiert: „Wir freuen uns, dass Energiedienst diese wichtige Aufgabe übernimmt und mit der ESB die Region stärkt. Wir verkaufen die Anteile zum richtigen Zeitpunkt und nicht aus der Not heraus.“

Höhere Risiken im Energiemarkt

Gleichwohl seien die Risiken im Energiemarkt andere als noch bei der Fusion vor einigen Jahren. Der Verkaufserlös sei deutlich höher, als der Wert bei der Einbringung der EV Baar in die ESB war.“

„Wenn der Gemeinderat der Stadt Hüfingen dem Kaufvertrag endgültig zustimmt, dann können wir den Wert unserer Beteiligung zu guten Konditionen realisieren“, heißt es von Michael Kollmeier.

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Dies hätte, so der Hüfinger Bürgermeister, den Vorteil, dass sich Hüfingen mit ihrem Beitrag zur Energiewende insbesondere auf die Nahwärme konzentrieren könne und nicht in die Gefahr geriete, gleichzeitig auch Gelder für Investitionen in die Netzinfrastruktur der ESB einbringen zu müssen.

„Wenn der Gemeinderat der Stadt Hüfingen dem Kaufvertrag endgültig zustimmt, dann können wir den Wert unserer Beteiligung zu guten ...
„Wenn der Gemeinderat der Stadt Hüfingen dem Kaufvertrag endgültig zustimmt, dann können wir den Wert unserer Beteiligung zu guten Konditionen realisieren.“Michael Kollmeier, Bürgermeister in Hüfingen | Bild: Roland Sigwart

Die fortschreitende Energiewende erfordert vor allem hohe Investitionen in den Ausbau der Netzinfrastruktur. „Über die Jahre ist eine starke Partnerschaft zwischen uns und den drei Kommunen gewachsen, und wir fühlen uns auf der Südbaar tief verwurzelt“, erklärt Jörg Reichert, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Energiedienst Holding AG.

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Als Treiber der Energiewende im Südwesten Deutschlands und der Schweiz wolle Energiedienst sich auf der Südbaar noch stärker für eine nachhaltige Energiezukunft einsetzen. Jede der Kommunen erhalte laut Holding für ihren Anteil einen Veräußerungserlös von mehreren Millionen Euro, die vor Ort von den Kommunen wieder investiert würden.

Wert ist seit Gründung der ESB gestiegen

Die Beteiligung der Kommunen an der ESB sei damit deutlich mehr wert als bei der Gründung der Energieversorgung Südbaar GmbH & Co. KG. Da sich das wirtschaftliche Risiko in Folge des Ukraine-Krieges und der Energiekrise deutlich erhöht hat, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die Kommunen, die Beteiligung zu veräußern.

Auch der Transport von Strom, hier exemplarisch als Ansammlung von Strommasten dargestellt, gehört zu den Zukunftsaufgaben der ...
Auch der Transport von Strom, hier exemplarisch als Ansammlung von Strommasten dargestellt, gehört zu den Zukunftsaufgaben der Energie-Unternehmen. | Bild: FEDERICO GAMBARINI

Über einen kommunalen Beirat, den die ESB einrichten wird, bleibe der Energieversorger im engen Austausch mit Blumberg, Bräunlingen und Hüfingen. Klar sei aber, laut Jörg Reichert, dass die ESB mit ihren 36 Mitarbeitenden auch nach Veränderung der Gesellschafterverhältnisse eigenständig bleibe. „Die Arbeitsplätze sind sicher“, betont er. Die ESB versorge die Menschen weiter mit Energie und betreibe die dafür erforderlichen Netze.

Der tatsächliche Verkauf folge, sobald die Fusionskontrolle durch das Bundeskartellamt abgeschlossen und die Freigabe erfolgt ist.