Ein Pedant, der aber nicht mit Geld umgehen kann – so beschrieb gestern ein Fahnder der Kripo Villingen den 81 Jahre alten Angeklagten im Prozess um den Überfall auf die Villinger Commerzbank. Der Senior muss sich gegenwärtig wegen mehrerer Banküberfälle vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Hechingen verantworten. Der zweite Verhandlungsfähig stand ganzl im Zeichen der Zeugenvernehmungen.

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Der Fahnder von der Kripo Villingen war seit zehn Jahren auf der Suche nach dem Serientäter. Die erste erfolgreiche Tat des Pensionärs war am 9. Dezember 2009 der Überfall auf die Commerzbank in Villingen. Damals erbeutete der voll geständige Angeklagte fast 120 000 Euro, auch im Gegenwert von Fremdwährungen

Täter geht sehr überlegt vor

Wie der Polizeibeamte aussagte, ging der Täter dabei sehr überlegt vor. Er hatte einen Koffer mit einer angeblichen Bombe bei sich. Außerdem verfügte er über weitere Bombennachahmungen im Taschenformat. Zwei Bankmitarbeiter mussten sich die Attrappen in die Jackentaschen stecken. Sollten sie Alarm auslösen, könne er die kleinen Sprengkörper per Fernauslöser zünden, so die damalige Drohung.

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Auf der Flucht nahm der Mann den einen Bankmitarbeiter in die Villinger Innenstadt mit. Der andere Banker blieb in der Filiale zurück. Auf seinen Schreibtisch hatte der Pensionär den Koffer mit der vermeintlichen Bombe gestellt. Der Täter drohte damit, beide Bomben zu zünden, falls seine Flucht gestört werden sollte. Erst als sich der Banker in der Innenstadt vom Täter unbeobachtet fühlte, zog er seine Jacke aus, warf sie mitsamt der Attrappe in einen Brunnentrog und alarmierte die Polizei.

Geld für das Notwendigste

Nach der Festnahme im vergangenen Frühjahr in Lingen konnte die Polizei die Haushaltsbücher des Angeklagten einsehen. Darin war die Beute aus seinen Raubzügen als „Bargeldeinnahme„ deklariert. Der heute 81-Jährige hob dann so lange Geld ab, bis die Beute weg war und er neues Geld brauchte. Der Zeuge sagte: „Seine kleine Rente reichte gerade mal für die Grundausgaben, etwa das Auto.“

Ein Bankräuber wird geschnappt

  • Auf frischer Tat ertappt wurde der damals 80-Jährige, der sich nun vor dem Gericht verantworten muss, Anfang Mai dieses Jahres in Balingen (Zollernalbkreis). Die Polizei konnte während des Bankraubs das Gebäude umstellen und den Mann beim Verlassen des Tatorts festnehmen. Insgesamt drei weitere Banken im Südwesten soll der inzwischen geständige Mann ausgeraubt haben. Darunter auch die Commerzbankfiliale in Villingen im Dezember 2009. Dort erbeutete er mit Hilfe einer Bombenattrappe und getarnt mit einer Perücke rund 120 000 Euro, drei Jahre später in Rastatt 230 000 Euro mit derselben Methode. In einem dritten Fall in Freiburg blieb es bei dem Versuch. In Balingen hatte der 80-Jährige am 2. Mai die Sparkasse betreten und die Angestellten gezwungen, ihm mehrere Tausend Euro auszuhändigen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Rentner schwere räuberische Erpressung in drei Fällen und versuchte räuberische Erpressung in den anderen drei Fällen vor.
  • Über zehn Jahre lang gelang es dem Mann, sich den Strafverfolgern zu entziehen. Auch die Suche nach dem Täter in den Fernseh-Sendungen „Aktenzeichen XY“ und „Ungeklärte Fälle“ hatten die Ermittler nicht auf die Spur des Seniors gebracht. (ang)