Kreis Waldshut Am Hochrhein gab es einst zahlreiche historische Höhenmarkierungen: Sie orientierten sich früher nicht an der Nordsee, sondern am Mittelmeer. In einem Artikel berichtete diese Zeitung im Sommer darüber sowie über die Hintergründe der einstigen und noch verbliebenen historischen Höhenmarken am Hochrhein. Auch in Bad Säckingen, Brennet oder Murg gab es früher solche Tafeln. Viele davon sind verschwunden, oft gestohlen worden. Wenn diese Höhentafeln auch kein weltbewegendes Thema sind, so sind sie doch auf Interesse bei geschichtsbewussten Heimatverbundenen, Vermessungsfachleuten und Eisenbahnliebhabern gestoßen, wie die Reaktionen auf den Artikel zeigten.
Im Zeitungsbericht wurde erwähnt, dass von den Höhentafeln, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an den Stationsgebäuden der Hochrheinbahn und der Wehratalbahn angebracht wurden, nur noch jene an den Bahnhöfen Tiengen und Oberlauchringen existieren. Vor wenigen Tagen informierte ein Leser des Artikels darüber, dass auch die denkmalgeschützten Höhenmarken, die am alten Zollhaus in Kadelburg, am Pfarrhaus in Gurtweil sowie am ehemaligen Gasthaus in Witznau vorhanden waren, seit längerer Zeit fehlen würden. Im gesamten südbadischen Raum gibt es also kaum noch solche Metalltafeln.
Zur Historie: Die vielen kleinen Höhentafeln mit der Inschrift „Hoehen-Marke“ wurden vor etwa 120 bis 150 Jahren von der Großherzoglich Badischen Vermessungsverwaltung an Stationsgebäuden der seinerzeitigen Bahnlinien sowie an öffentlichen und teilweise sonstigen Gebäuden entlang wichtiger Straßen installiert. Dahinter wurde ein Lochbolzen wandglatt eingelassen, auf dem die Meereshöhe durch Nivellement millimetergenau bestimmt war. Die Lochbolzen existieren weitestgehend noch, doch die kleinen Täfelchen verschwanden nach und nach, obwohl es eigentlich verboten ist, sie abzunehmen.
Wie der Autor nach Erscheinen des Artikels in Erfahrung brachte, hatte ein Dieb in Oberlauchringen keinen Erfolg, als er vor etwa zehn Jahren die Tafel stehlen wollte. In Tiengen ist die Hoehen-Marke stabil verankert und durch mehrmalige Instandsetzung der Fassade noch besser festgemacht worden. Selbst mit brachialer Gewalt kann sie wohl kaum entfernt werden.
Der Artikel brachte ans Tageslicht, dass es in St. Blasien eine dritte noch vorhandene Tafel gibt. Die Person, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollte, verwies auf eine historische Höhentafel an der ehemaligen Klosteranlage der Domstadt. Nachforschungen beim Landesamt für Geodäsie und Landentwicklung Baden-Württemberg ergaben, dass die Tafel bereits 1906 erwähnt wurde und vermutlich schon davor installiert worden war. Die Tafel, 1961 zuletzt überprüft, weist eine Höhe von 765,152 Meter über der Normal-Null aus (Meereshöhe, Amsterdamer Pegel). Und tatsächlich ist die Tafel heute noch an der ehemaligen Klosteranlage zu entdecken.