Im März 2000 war es so weit: mit dem symbolischen Spatenstich wurde der langjährige Wunsch nach einem neuen Rathaus für Ühlingen-Birkendorf Wirklichkeit. Die dezentrale Unterbringung hatte die Verwaltungsarbeit erschwert und war Ausdruck der noch vorhandenen Ortsteilorientierung innerhalb der Gemeinde.

Ämter über mehrere Gebäude verteilt

Die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihren bisherigen Gemeinden erschwerte das Zusammenwachsen und stellte die Verwaltung vor zusätzliche Aufgaben. Das Hauptamt mit Standesamt, Bürgerservice, Sitzungszimmer und Bauamt waren im alten Rathaus, das Rechnungsamt und die Gemeindekasse sowie die Postagentur im Flachbau daneben untergebracht und das Grundbuchamt befand sich im alten Schulhaus. Gemeinderatssitzungen fanden im Feuerwehrgerätehaus statt, nachdem man den Sitzungssaal im alten Rathaus für Büros benötigte.

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Auf dem Weg zu einem modernen Rathaus, das alle Abteilungen plus Postagentur und Sozialstation vereinte, mussten viele Hürden und Schwierigkeiten überwunden werden.

Fledermäuse und Änderung der Planung

Der Ortschaftsrat Ühlingen unter Führung von Ortsvorsteher Klaus Schäfer hatte den Erhalt des alten Schulhauses nach Plänen von Architekt Oeldenberger favorisiert. War ursprünglich geplant, dieses zu sanieren und umzubauen, musste man in der Planungsphase feststellen, dass ein Erhalt der alten Mauern und Umbau den Kostenrahmen sprengen würden.

Im ehemaligen Schulhaus, das 1837 als Schul- und Rathaus für 6000 Gulden erbaut wurde, war ab 1975 das Grundbuchamt untergebracht. Für ...
Im ehemaligen Schulhaus, das 1837 als Schul- und Rathaus für 6000 Gulden erbaut wurde, war ab 1975 das Grundbuchamt untergebracht. Für den Rathausneubau musste es abgerissen werden. | Bild: Archiv Klaus Müller

Ein Abriss schien unausweichlich und planungssicherer. Stimmen für einen neuen Standort regten sich. Diese Variante fand keine Mehrheit. Zum einen war das alte Gebäude sanierungsbedürftig, zum andern waren Zuschüsse für den Platz in der Dorfmitte bereits bewilligt. Der Ortschaftsrat Ühlingen lehnte ein Rathaus außerhalb ab, vor allem, um die Dorfmitte mit Leben zu erfüllen.

So stimmte der Gemeinderat dem Abriss und Neubau zu. Im Dachstuhl des alten Schulgebäudes hatten Mausohrfledermäuse ihr Quartier. Die BUND-Ortsgruppe Ühlingen und der Naturschutzbund (Nabu) wurden beratend zugezogen. Es musste ein Ersatzquartier für die Tiere geschaffen werden. Das benachbarte Vereinshaus schien geeignet. Die Naturschützer halfen bei der Einrichtung der geeigneten Alternative. Die Fledermäuse nahmen diese an. Die Bauarbeiten wurden mit Rücksicht auf die Tiere ausgeführt, die in Höhlen von Tälern überwintern.

Bei der Neuausschreibung der Planung für ein modernes, lichtdurchflutetes und transparentes Rathaus überzeugte der Entwurf des Architekten Ferdinand Beck aus Löffingen. Das Gebäude glich in der Form dem alten Schulhaus. Der Plan für ein Haus mit viel Glas, hellen Büroräumen und einem offenen Bürgerservice gefiel den Entscheidungsträgern. Ein gläserner Aufzug wurde im Gemeinderat allerdings aus Kostengründen mehrheitlich abgelehnt.

Der Sitzungssaal wird für Gemeinderat und besondere Veranstaltungen genutzt.
Der Sitzungssaal wird für Gemeinderat und besondere Veranstaltungen genutzt. | Bild: Ferdinand Beck

Im neuen Dachstuhl wurde eine Fledermausstube eingerichtet. Die Fledermäuse blieben jedoch im ursprünglichen Übergangsquartier und nahmen ihren „Neubau“ trotz Verwendung alter Bretter des Schulgebäudes nicht mehr an.

Erste Überlegungen für ein neues Rathaus

Bereits im Jahr 1992 war im Gemeinderat erstmals ernsthaft über den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes diskutiert worden. Zu diesem Zeitpunkt war die Gemeinde jedoch noch nicht bereit für einen solchen Schritt: Das Denken in Ortsteilstrukturen und die damit verbundenen Vorbehalte gegenüber einer zentralen Verwaltung waren nach wie vor deutlich spürbar. Bis zur Realisierung eines neuen Rathauses bedurfte es eines Reifeprozesses beim Zusammenwachsen der Gemeinde, wie sich Bürgermeister Thomas Fechtig damals ausdrückte.

Der Weg zum modernen Verwaltungszentrum

Erst nach weiteren acht Jahren war die Zeit reif. Unter der Führung von Thomas Fechtig begann die Gemeinde mit der Realisierung eines zentralen Verwaltungsgebäudes, das den Anforderungen einer modernen Verwaltung gerecht werden sollte. Für die Rathausmitarbeiter war der Umzug im September 2001 eine große Verbesserung.

Die ungewohnten unsichtbaren Glaswände stellten anfangs im Bürgerservice eine Herausforderung dar. Mindestens einmal krachte ziemlich jeder buchstäblich gegen die Wand, was man mit Humor in Kauf nahm. Mit Sichtstreifen war das Problem bald gelöst. Der vordere Bereich an der Rezeption blieb offen, was von den Rathausbesuchern sehr gut angenommen wurde. Sie hatten mit Annemarie Stritt immer eine hilfsbereite Ansprechpartnerin.

Der offene Bürgerservice, Annemarie Stritt, war die erste Anlaufstelle für Rathausbesucher.
Der offene Bürgerservice, Annemarie Stritt, war die erste Anlaufstelle für Rathausbesucher. | Bild: Ferdinand Beck

Der Bereich im Bürgerservice eignete sich auch für kulturelle Events und Ausstellungen, die regelmäßig stattfanden.

Der neugestaltete Platz zwischen Kirche und Rathaus wurde Kirchplatz benannt. Hier finden Weihnachts- und andere Märkte sowie Konzerte ...
Der neugestaltete Platz zwischen Kirche und Rathaus wurde Kirchplatz benannt. Hier finden Weihnachts- und andere Märkte sowie Konzerte und Vereinsfeste statt. | Bild: Ursula Ortlieb

Der ebenfalls neu gestaltete Parkplatz – heutiger Kirchplatz – wurde – wie das Rathaus – multifunktional gestaltet und ist für Märkte, Konzerte und Feste beim sanierten Haus der Vereine ein idealer Ort zum Feiern. Auch dieser Platz entstand mit Zuschüssen.

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Das Fazit: Ein wichtiger Schritt in die Zukunft

Die Entwicklung der Verwaltung in Ühlingen-Birkendorf spiegelt den Wandel vom Zusammenschluss mehrerer Gemeinden hin zu einer modernen, zentral geführten Gemeinde wider.

Vor 25 Jahren war das heutige Rathaus in Ühlingen im Bau. Anlässlich des Silbernen Jubiläums der Gemeinde ließ der damalige ...
Vor 25 Jahren war das heutige Rathaus in Ühlingen im Bau. Anlässlich des Silbernen Jubiläums der Gemeinde ließ der damalige Bürgermeister Thomas Fechtig in Kooperation mit der Sparkasse Bonndorf eine Gedenkmünze prägen. Sie wurde in geringer Stückzahl aufgelegt. Das neue Rathaus ist in der Mitte der Münze als zentraler Ort der Gemeinde bereits abgebildet. Eingeweiht wurde es erst 2001 | Bild: Ursula Ortlieb

Die Überwindung von räumlichen und strukturellen Herausforderungen war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer effektiven und bürgernahen Verwaltung.