„Bühne frei“ hieß es für das kurzweilige Programm der Weibsbilder zum Start der Radolfzeller Fasnacht. Mit närrischem Humor, beißendem Spott, mit Tanz und Musik und einer opulenten Kostümshow begeisterten die Weibsbilder der Narrizella Ratoldi im Milchwerk mehr als 400 Narren.
Die Göre Zilli Zeller (Elsa Santhinho-Reiser) führte pantomimisch in jede Showeinlage ein. Die Sirenas verführten mit Bauchtänzen und einem Lüften nahezu sämtlicher Schleier die Gäste. Und die Elements Möggingen brachten in duzenden Kostümen das Musical „Greatest Showman“ auf die Bühne. „Jetzt gehts los“, schallte das Eröffnungslied zum Start der Fasnet im Milchwerk. Und dessen Start lässt auf eine besonders schöne Fasnacht 2024 hoffen.

Die Radolfzeller Narrensprüche haben einen ganz eigentümlichen Rhythmus. Er ist mindestens genauso schwer zu erlernen, wie das Kleppern an sich. „Klatschrhytmik“ nannten fünf Weibsbilder ihre sitzende Showeinlage im Synchronklatschen und im Rhythmus der Narrensprüche.

Das Synchronklatschen erinnerte an eine zwar langsamere, aber dafür umso kompliziertere Version des bayrischen Schuhplattlerns. Dort werden eigene Schenkeln als Resonanzkörper genutzt. In der Radolfzeller Version waren sich die Weibsbilder vor den Schlägen ihrer Sitznachbarinnen nicht mehr sicher.
Frida Drallesnalle (Jutta Graf) reiste eigens aus einem Dorf in der Nähe von Stockholm an. Die Touristin ließ sich am letzten Hausherrenfest von einem Radolfzeller schwängern. Wieder im schwedischen Dorf zurückgekehrt ging ihr Vater mir ihr gehörig ins Gericht: „Du Dumme Göre. Weshalb hast du gemacht Lake-Flake ohne Schütze-Mütze“, erzählt Jutta Graf in einem urkomischen und frei erfundenen schwedischen Dialekt ihre Odyssee zurück an den Bodensee. Frida war im Milchwerk auf der Suche nach einem Mann und bot den Männern im Saal lachtränenreich nicht nur ihre schwedischen Kochkünste, sondern auch sich selbst als liebestolles Gesamtpaket an.

Die sechsköpfige Damentruppe aus dem Bailando Tanztraining ließen die 70er Jahre stilvoll mit ballarinenartigen Pliés Revue passieren. Dabei sollten für die Sängerin Ines Ende ganz im Stil von Hildegard Knef nicht nur „rote Rosen regnen“, sondern in der Manier von Udo Jürgens auch die Schlacht am Kuchenbüffet gewonnen werden – aber bitte mit Sahne.

Was, wenn Anrufe beim Pizzaservice gleichzeitig mit der Bundesdatenbank verknüpft werden? Diesen Alptraum gläserner Menschen erlebte Chiara Lüber im Sketch „Pizzaservice“. Die „Pizza Narrizella“ mit extra viel Salami wurde von der Pizzabäckerin Elke Lüber gleich als risikobehaftet für das Übergewicht des Bestellers identifiziert und mit einem Zuschlag von elf Prozent auf die Krankenkassenabgabe verbucht. Der Algorithmus der Bundesdatenbank kennt im Gegensatz zum Publikum keinen Humor und orderte automatisch die Bestellung in eine Diätpizza um. Dabei deckte der Algorithmus nicht nur außereheliche Eskapaden des Bestellers auf, sondern auch die Schwangerschaft der Tochter.
Klimakleber in Radolfzell kleben anders
Die Klimakleber in Radolfzell sind eine ganz eigene Gattung: Die eine klebt am Marktplatz mit ihrer Brust an einem Baum und somit am Busen der Natur. Die andere klebt „im Baum“ an der Theke mit dem lebensbedrohlichen Risiko, dass sie bei den Umbauarbeiten der ehemaligen Weinstube nicht mit eingemauert wird. In Radolfzell kleben sich die Protestlerinnen nicht wegen dem Klima auf die Straßen, sondern vielmehr aus sozialen Motiven für die Radolfzeller Bürger. Zum Beispiel an den Ausschank des neuen Molen-Restaurants wegen den utopisch hohen Preisen, vor die Kameras der Blitzer am Straßenrand oder auf dem Abendmarkt als Fest-Kleber zum Protest gegen die frühe Schließzeit.
Auch das Narrizella-Weibsbild Marlies Reining löste eine Lachsalve nach der anderen aus. Vier gescheiterte Ehen hat sie hinter sich. Ihr fünfter Aspirant heißt Artur. Auch wenn sich die Beschreibung ob dessen Verhaltens den anwesenden Frauen bekannt vor kam, so beschrieb Reining lediglich die Eigenschaften ihrer neuesten Anschaffung: Einen Hund. Ihr Sketch „Hund oder Mann“ ließ kein Auge im Publikum trocken.
Mitwirkende
Mit dutzenden Stücken unterhielt die Narrenmusik der Narrizella Radoldi das Publikum. Für die Organisation der Weibsbilderfasnacht zeigten sich Lisa Tägtmeier, Sandra Hain, Lioba Drosdek, Bea Karrenbauer, Sina Labella, Daniela Lüer, Xenia Martin und Carmen Aschinger verantwortlich. Die Technik übernahm Robert Grünwald, Lukas Kleemann, Markus Kleemann und Tommi Reiser. Hinter der Bühne waren Reiner Bebensee, Achim Böttcher, Marko Eisner, Lutz Endres, Rico Fabbri, Felix Flaig, Ralf Honsell, Benni Karrer, David Kilgus, Ralf Schönmetzler und Günther Stöckl sehr beschäftigt. (gla)Das lesen Sie zusätzlich online
Das Milchwerk hat einen neuen Caterer, der ab jetzt für die Gäste sorgt