Vor rund eineinhalb Wochen wurde der privat geführte Impfstützpunkt im Hotel „Waldeck“ in Bad Dürrheim im Beisein von Landrat Sven Hinterseh offiziell in Betrieb genommen. Wie ist es seither gelaufen? Gab es Probleme? Und vor allem: Wie kann man sich das Impfen in Hotelatmosphäre vorstellen? Der SÜDKURIER hat nachgefragt und das Angebot selbst getestet.
Nach einer einfachen gehaltenen Terminbuchung auf der „Waldeck“-Internetseite, trudelte eine Bestätigungsemail ins Postfach mit allen relevanten Informationen zum Impftermin. Zweimal ploppten danach noch Terminerinnerungen auf, zuletzt eine Stunde vor dem gebuchten Termin um 13.12 Uhr. Ankunft am Eingang war schließlich gegen 13 Uhr.

Auch hier gibt es noch einmal Hinweise auf die nötigen Unterlagen und den vorrätigen Moderna-Impfstoff.

Verwaltung ist aufwendig
Spätestens an diesem Schild wird klar, hier schwingt ein wenig Humor mit und man ahnt es schon, dass man hier keine behördliche Einrichtung betritt. Die Tür geht auf und man wird freundlich begrüßt und hereingebeten. Das übernehmen an diesem Tag Madeleine Fuß und und „Waldeck“-Geschäftsführer Rüdiger Schrenk abwechselnd und erklären den Gästen den weiteren Ablauf.

Schnell ist man im Anmeldezimmer angelangt, wo alle Daten erfasst werden. Hier haben „Waldeck“-Direktorin Viola Kahl und ihre Kolleginnen Regina Müller und Sabrina Hörmann das Sagen. „Die Verwaltung ist der größte Aufwand im ganzen Prozess“, erklärt Kahl.
Umlaute verwirren die EDV
Das kann Geschäftsführer Schrenk nur bestätigen und verrät, dass es zum Beispiel bei Umlauten im Namen gerne zu Problemen komme und das komplexe EDV-System durcheinander gerate. Unter dem Strich funktioniere aber alles, trotz großem Aufwand bei der Datenpflege. „Nur einmal hatten wir in der vergangenen Woche einen Ausfall“, so Schrenk. Dann staute sich der Zeitplan und die Wartenden mussten kurzfristig in einem warmen Raum untergebracht werden.

Bilanz der ersten Impfwoche
Die gute Bilanz der ersten Impfwoche konnte aber auch dieser Zwischenfall nicht vermiesen. „Wir haben rund 1000 Menschen geimpft“, so Schrenk. „130 bis 140 pro Tag“, ergänzt Kahl. Geimpft werde im grob im Zwei-Minuten-Takt. Und es sollen noch mehr Impfungen werden. „Wir haben schon erhöht“, blickt Schrenk zurück. Eine weitere Steigerung verfügbarer Termine hänge jedoch von der zur Verfügung stehenden Anzahl an Impfdosen ab. Er gibt sich optimistisch dass das klappt.
„Wir stellen neue Termine dann laufend auf unserer Buchungsseite zur Verfügung“, erklärt Kahl. Es lohne sich daher, immer mal wieder dort vorbeizuschauen. Manchmal würden kurzfristig auch Termine durch Absagen wieder frei. Ansonsten sind auch hier, wie in den Kreis-Impfstützpunkten auch, bereits viele Termine bis Ende Januar ausgebucht.
Es dauert nur Sekunden
Nach der Anmeldung geht es je nach Wunsch der Impfwilligen zum Aufklärungsgespräch ins Arztzimmer oder direkt zum Impfen, das nur wenige Sekunden dauert.

Die 15 Minuten Wartezeit nach dem Piks verbringen Impflinge dann im liebevoll eingerichteten Wartezimmer vor einem XXL-Fernseher und einem Weihnachtsbaum. Danach kann man wieder nach Hause gehen, selbstverständlich mit einem Impfzertifikat in der Tasche.
Fazit: angenehm Erfahrung
„Wir bekommen viele positive Rückmeldungen“, so der Hotel-Chef. Auch das Fazit der Redaktion fällt positiv aus. Man fühlt sich willkommen, die Hotelatmosphäre und in Kombination mit einer freundlichen Umsorgung seitens des Hotelpersonals raubt dem leidigen Impfthema durchaus die negative Energie.

Das besondere Angebot
Etwa 98 Prozent der Impfwilligen, die ins Waldeck kommen, seien aus der Region, teilt der Geschäftsführer mit, der sein Angebot gerne noch ausweiten möchte, das aktuell die Impfungen sowie Corona-Schnelltests umfasst.
Überholspur für Systemrelevante
Eines verspricht er schon jetzt: Alle Personen aus systemrelevanten Berufen wie Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei will er einen zügigen Impftermin an der Termin-Warteschlange vorbei ermöglichen. „Sie sollen einfach bei uns anrufen, dann versuchen wir einen schnellen Termin möglich zu machen“, erklärt Schrenk seine Herzensangelegenheit.
So geht es weiter
Auf die Frage, wie lange er seinen privat geführten Impfstützpunkt noch aufrecht erhalten wird, sagt Schrenk: „Die vierte Spritze wird kommen.“ Dabei bezieht er sich auf aktuelle und künftige Corona-Varianten. Er rät zudem, immer einen Blick nach Israel zu wagen. Das Land sei stets sechs Monate voraus. Daran könne man gut abschätzen, wie sich auch hierzulande die Situation entwickle.
Termine sind ausschließlich über die Buchungsseite im Internet möglich: www.klinik-waldeck.com. Am Dienstagnachmittag waren bei einem Test der Redaktion noch mehrere freie Termin im Dezember im Angebot.