Furtwangen/Haslach Beim Fastnachtsspiel im Februar hatten die Narren noch gewitzelt, dass Andreas Fath demnächst den Ganges durchschwimmen werde. Dass dieser Scherz nun Realität wird, damit hatten wohl weder sie noch Andreas Fath selbst gerechnet. Beim Blue-Source-Projekt Indien will der „schwimmende Professor“ der Hochschule Furtwangen vom 14. bis 26. Oktober die Konzentration von Mikroplastik im Ganges, seinen Zuflüssen und dem Quellgebiet untersuchen, das Bewusstsein für Plastikverschmutzung im Himalayagebiet schärfen und durch Bildung sowie symbolische Aktionen einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leisten.

Mehrere Flüsse durchschwommen

Damit hat Fath Erfahrung: Der Haslacher hat schon diverse Flüsse wie den Rhein, die Elbe, die Donau und den Tennessee River durchschwommen, um medienwirksam auf das Problem Mikroplastik aufmerksam zu machen. Ein solches Projekt bei einem asiatischen Fluss hatte Fath bisher aber immer aufgrund deren starker Verschmutzung ausgeschlossen.

„Und eigentlich hatte ich ja auch gesagt, dass ich aufhöre und keine großen Schwimmprojekte mehr mache“, sagt der 60-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch als er einen indischen Bergführer kennenlernte, der mit einer deutschen Frau verheiratet ist, seien sie ins Gespräch gekommen über die Wasserqualität des Ganges. „Und da er viele Kontakte hatte, dachte ich mir, wenn er alles Drumherum organisiert, kann man das doch mal machen“, fasst Fath zusammen.

Klar sei aber von Anfang an gewesen, dass er den Fluss nicht ganz durchschwimmen wird. Nicht nur, weil das bei einer Gesamtlänge von 2700 Kilometern innerhalb der zwei veranschlagten Wochen schlicht nicht machbar ist. Sondern natürlich auch wegen der starken Verschmutzung des Ganges. Dieses „Nichtschwimmen“ soll dann auch auf dieses Problem aufmerksam machen. Schon beim Durchschwimmen der Donau hatte es eine große Medienaufmerksamkeit erregt, als der Fluss an einem Abschnitt zu schmutzig gewesen war, um ihn zu durchqueren.

Unrat im heiligen Fluss

Sorgen um seine Gesundheit macht sich Andreas Fath wegen des Schwimmens in einem der schmutzigsten Flüsse der Welt nur begrenzt. „Die Inder gehen auch rein. Aber ich werde auf jeden Fall darauf achten, kein Wasser zu schlucken“, erklärt Fath. Sicher sei auch, dass es wie bei den anderen Flüssen einen Film über die Aktion geben wird. In diesem Film will er vor allem auf den Widerspruch eingehen, dass der Ganges in Indien einerseits als heiliger Fluss angesehen wird, aber andererseits auch als regelrechte Kloake genutzt wird, in dem die Menschen ihren Unrat entsorgen und auch die Asche ihrer Verstorbenen verstreuen.

Und Fath wird mit seinem Team Workshops, Vorträge und eine Aktionswoche anbieten. Mit einer Tochterfirma des Unternehmens Hansgrohe aus Schiltach ist außerdem ein „Clean Up“ geplant, also eine Säuberung eines Gewässers. „Bei all dem werde ich bestimmt auch immer wieder ins Wasser steigen, aber eines meiner Hauptziele wird es auch auch sein, Kooperationen vor Ort zu schließen, als Vertreter der Hochschule Furtwangen auch mit Universitäten vor Ort“, führt Andreas Fath aus. Natürlich werden er und sein Team auch wieder Wasserproben entnehmen, um sie zu analysieren. Eine davon ist an der Quelle des Ganges geplant und eine weitere in der indischen Hauptstadt Kalkutta, um zu eruieren, wie sich die Wasserqualität geändert hat.

Die zwei Wochen in Indien sind für Fath komplett durchgeplant. „Sobald ich aus dem Flieger aussteige, werde ich zu tun haben“, sagt er. Während die organisatorischen Vorbereitungen laufen, hält sich der schwimmende Professor fit. Denn auch wenn er nicht den ganzen Ganges durchschwimmen wird, steht am Ende der Indien-Tour eine sportliche Erlebnis an: Einen Tag vor Faths Abreise findet in Goa der Oceanman India statt, ein zehn Kilometer langes Schwimmen im offenen Wasser. An diesem wird Fath teilnehmen. Grundsätzlich schwimmt der Haslacher pro Woche einige Kilometer, pro Einheit meistens sechs bis acht. „Unter drei Kilometer ziehe ich nicht die Badehose an“, erklärt Fath lachend. Zum Trainieren nutzt er das Haslacher Freibad oder ab schwimmt er im Gifiz-See.

Nach dem Blue-Source-Projekt Indien wird es ihm garantiert nicht langweilig werden. So hat er zum Beispiel Anfragen für Projekte an der Weser und der Oder bekommen. „Und wenn ich das Gefühl habe, dass sie etwas bewirken können, werde ich sie auch verfolgen“, lässt er wissen. Für das Blue-Source-Projekt und den Verein H2Org (siehe Info) werden noch Sponsoren und Mitstreiter gesucht. Interessierte können sich per E-Mail an Mario.kuemmel@h2org.de melden.

Politik würdigt Engagement

Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen (HFU) wurde für sein enormes Engagement für Gewässerschutz eine ganz besondere Ehre zuteil: Ministerpräsident Winfried Kretschmann verlieh ihm im März dieses Jahres den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg. „Jede Gesellschaft braucht engagierte Menschen, im Beruf und im Ehrenamt. Menschen, die mehr als ihre Pflicht tun. Die sich einsetzen und ihre Fähigkeiten einbringen, um etwas voranzutreiben“, sagte Kretschmann bei den Feierlichkeiten zur Überreichung.

Andreas Fath lehrt an der Hochschule Furtwangen an der Fakultät „Health, Medical & Life Sciences“ und macht mit spektakulären Projekten auf das Thema Mikroplastik aufmerksam. Während seiner Reisen sammelt er Gewässerproben für Qualitätsanalyen und organisiert Workshops und Presseveranstaltungen, mit denen er über Gewässerschutz aufklärt. In einer Pressemitteilung des Staatsministeriums zur Verleihung des Ordens hieß es im März: „Andreas Faths Engagement stärkt Baden-Württemberg maßgeblich als Vorreiter im Umweltbewusstsein und in der nachhaltigen Forschung.“ Fath berichtet außerdem in Vorträgen und mit Filmen über seine jeweiligen Projekte.