Es summt, es brummt, es riecht gut: Die Außenanlagen des Schwenninger Awo-Kindergartens bieten derzeit ein buntes Bild. Blühende Pflanzen, viele Insekten und hohe Bäume machen den Bereich zum kleinen Paradies. Die Anlage ist mit Bedacht so angelegt, wie die Vorsitzende der Villingen-Schwenninger Arbeiterwohlfahrt (Awo), Beate Schmidt-Kempe, deutlich macht.
Elemente aus dem Waldkindergarten
Früher ging Kindergarten oft so: Das Leben spielte sich hauptsächlich in den Innenräumen ab. Im Außenbereich standen, wenn der Platz überhaupt da war, Spielgeräte. Doch das ändert sich schon seit einiger Zeit. Waldkindergärten haben regen Zulauf, wo sich das Leben bei Wind und Wetter größtenteils im Freien, im Wald und auf Wiesen abspielt.

Doch was tun, wenn ein Kindergarten mitten oder in diesem Fall am Rand der Stadt neu gebaut wird? „Wir bringen ein Stück Waldkindergarten zu ihm“, berichtet Gartenbauingenieurin Beate Maier von der anfänglichen Idee.
Schmidt-Kempe und Meier kennen sich aus Königsfeld, die Awo-Vorsitzende und Rechtsanwältin ist selbst eine begeisterte Gartenliebhaberin. Und die selbstständige Gartenbauingenieurin Beate Meier sieht ihre Arbeit nicht nur als Job, sondern auch als Berufung an.
Was sich möglicherweise einfach anhört, einen naturnahen Garten am Kindergarten anzulegen, ist es letztlich nicht. Auch wenn der Platz am Rande der Möglingshöhe großzügig ist, sind die Flächen doch begrenzt. Meier versucht, einen Teil der natürlichen Vielfalt abzubilden.

Sinnesorgane aktivieren
Die Bildung der Sinnesorgane ist bei den Kindern abgeschlossen, sagt Meier, nun müssen sie aktiviert werden: die Geschmacksknospen, das Sehen, Tasten, Fühlen, Hören.
Das kann auf eine vielfältige Art und Weise geschehen, wenn etwa Sonnenblumenkerne von den Kindern selbst ausgesät werden. Dann können die Heranwachsenden beobachten, wie es wächst, gedeiht, was für eine Struktur die Blätter haben und jetzt nach den Ferien, wie sich die Blüte ausgebildet hat.

Der Wollziest tröstet
Oder der Wollziest. Manchmal ist ein Kind mit dem falschen Fuß aufgestanden. Es ist nicht krank, aber fühlt sich auch nicht wohl. Dann geben ihm die Erzieherinnen ein flauschiges Blatt in die Hand. Die feine Struktur streichelt, tröstet. Der Salbei, ebenfalls eine Heilpflanze, kann als Tee, der Spitzwegerich als Pflaster genutzt werden. Liebstöckel schmeckt lecker – oder auch nicht. Es ist einfach eine Sache des Ausprobierens.
Ein feiner Duft durchzieht den Garten, doch es fliegt, krabbelt und kriecht auch. Manch eine Pflanze versorgt bis zu 36 Schmetterlingsarten, eine Schnecke zieht sich unter das Blattgrün zurück oder ein Regenwurm kringelt sich. Wenn Kinder ihn anfassen wollen, können sie das, aber keines werde zu etwas gezwungen.
„Ehrfurcht vor der Natur“
„Den Kindern soll Ehrfurcht vor der Natur vermittelt werden, berichtet Meier. „Es geht hier nicht um das Ordentliche, Dekorative“, sagt sie. Deswegen hat sie auf Züchtungen mit gefüllten Blüten verzichtet, die zwar wundervoll anzuschauen seien, aber bei denen die für Bienen oder andere Insekten wichtigen Staubblätter nicht mehr zugänglich oder zurückgebildet sind.
Wer durch den Garten streift, sieht immer etwas. Das Entdecken sei wichtig, übrigens auch für die Erzieherinnen. 26 von 32 haben einen Einsteigerkurs mitgemacht, um sich von Beate Meier informieren zu lassen. Manche Pflanzen bleiben stehen, bis sie verblüht sind. Andere kamen erst gar nicht infrage, weil sie alles überwuchern, wie die Brombeere, erläutert Beate Meier.

Nachfrage nach naturnahen Gärten wächst
Was Beate Meier hier gestaltet hat, ist ein naturnaher Garten mit besonderem Augenmerk auf pädagogische Elemente. Mit der Naturnähe liegt sie im Trend. Denn „die Nachfrage nach naturnah gestalteten (Teil-)Flächen steigt spürbar“, wie Geschäftsführer Reiner Bierig vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg betont. Themen wie Artenvielfalt, Biodiversität oder Regenwasserrückhalt werden immer wichtiger.
Während Beate Meier auch bei Privatunternehmen eine höhere Sensibilität für naturnahe Bepflanzungen beobachtet, sieht sie bei einigen Kommunen noch Nachholbedarf. Das kann auch Bierig bestätigen: „Es ist noch Luft nach oben“, stellt er fest. Wenn Städte und Gemeinden lebenswert und attraktiv bleiben wollen, braucht es deutlich mehr Freiräume und Parkanlagen, macht er deutlich. Im Land würden vor allem durch Landesgartenschauen „neue Grünflächen“ dauerhaft geschaffen, aber: „Hier muss zukünftig deutlich mehr investiert werden.“
Zumindest im Kleinen hat die Awo das jetzt getan. Das habe alles geklappt, freut sich Schmidt-Kempe. Die Zusammenarbeit beim Bau des Kindergartens, der im Oktober 2024 eingeweiht wurde und Platz für 105 Kinder hat, mit der Stadtverwaltung war zudem sehr erfreulich. Schmidt-Kempe dazu: „Es wurde alles getan, dass das Projekt zu einem Erfolg wurde.“