Rottweil Die Kunststiftung Erich Hauser auf der Rottweiler Saline ist immer einen Besuch wert. Der renommierte Bildhauer Hauser hat in einer Stiftung ein besonderes Juwel hinterlassen, das deutschlandweit einzigartig ist. Auf rund 40.000 Quadratmetern Parkgelände, auf der die ehemalige Arbeitsstätte, die Wohnpyramide und das Museum mit Hausers gesammelter Kunst untergebracht sind, kann man sich mit Edelstahlobjekten des Bildhauers Erich Hauser zwischen den Polen Kunst- und Naturschönem auseinandersetzen.
Wenn wie derzeit in der weitläufigen Werkstatthalle die Ausstellung „Geister und Werkzeuge“ mit Arbeiten der Künstlerin Eva Schmeckenbecher stattfindet, dann lohnt sich der Besuch gleich doppelt. Erich Hauser und sein Werk in einen Dialog mit zeitgenössischen Künstlern einzubinden, trägt dazu bei, seine inzwischen historische Position auf eindrucksvolle Weise in der Gegenwart zu verankern. Von der Historie zur Gegenwart und eigentlich gleich wieder zurück.
Eva Schmeckenbecher, die während ihres Aufenthalts als Artist-in-Residence zwei Monate auf dem Stiftungsgelände wohnte und arbeitete, hat sich mit der Geschichte der Hexenverfolgung auseinandergesetzt. Wie sich nun zeigt, war die älteste Stadt eine wahre Fundgrube für die intermedial arbeitende Künstlerin. An historischen Orten, an denen einst Menschen verfolgt, verurteilt und verbrannt wurden, hat sie fotografiert und Passanten zum Thema Hexenverfolgung interviewt. Aus diesem Material entstanden Videos und skulpturale Objekte, die den Ausstellungsraum mit eindringlichen Bildern und Erzählungen füllen. Eva Schmeckenbecher, geboren 1977, lebt und arbeitet in Stuttgart. Sie studierte Malerei, Kunsterziehung und intermediales Gestalten an den Akademien der Bildenden Künste in Stuttgart und Nürnberg. Sie arbeitet mit Fotografie als Motiv und Material. Papierabzüge verwandelt sie durch Eingriffe wie Häuten, Falten, Montieren oder das Kombinieren mit Klebebändern in skulpturale Objekte oder animierte Videos. Die Kamera versteht sie als Werkzeug sozialer Recherche und nutzt sie, um verborgene und verdrängte Aspekte gesellschaftlicher Realität sichtbar zu machen und in eine künstlerische Sprache zu übersetzen.
Die Künstlerin verbindet Recherche mit skulpturaler und fotografischer Arbeit, Animation und Ton. Die Ausstellung zeigt Werke, die an historischen Orten ansetzen, aber weit darüber hinausweisen – hin zu Fragen nach Macht, Körperlichkeit, Gewalt, Angst, Erinnerung und gesellschaftlicher Projektion. Eva Schmeckenbecher erklärt: „Am Thema Hexenverfolgung bewegt mich die Frage, inwiefern die Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt und wie ein Bewusstsein geschaffen werden kann, wo und wie heutzutage Vergleichbares geschieht, von sozialer Ausgrenzung über Mobbing bis hin zu Femiziden“. Auch wenn am Ende vom künstlerischen Prozess die Symbole überkommener Macht zwar in unserer doch so aufgeklärten Zeit in Trümmern liegen und zugleich eine neue, vielversprechende Ordnung durch die Risse in der Wirklichkeit scheint, die Geister, die die Künstlerin heraufbeschwor, begleiten den Besucher durch die Werkstatthalle. Schmeckenbechers Auseinandersetzung mit Jahrhunderten überbrückenden gesellschaftlichen Mechanismen ist trotz ihres ästhetischen Gewands schwere Kost, die es sich lohnt, zu sich zu nehmen.